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World-Tour 2017 – Polen

Tag 3 – Sonntag, 20.08.2017 – Von Prag nach Krakau (km 911)

Nach einem Tag Fahrtpause geht’s heute weiter von Tschechien nach Polen, genauer gesagt nach Krakau. Die knapp 500 Autobahnkilometer könnte man in ca. 6 Stunden bewältigen. Schnell noch vollgetankt an der EuroOil Tankstelle führt mich das Garmin Richtung Osten aus der Stadt auf die Autobahn. Aber schon nach 50 Kilometern ist diese zu Ende. Es war auch nicht die, die ich nehmen wollte. Denn die führt in südlicher Richtung von Prag über Brünn an die polnische Grenze. Hatte doch glatt vergessen die mautpflichtigen Straßen aus den Einstellungen wegzunehmen. Aber daß in Tschechien nur die Autos Maut bezahlen müssen und nicht die Motorräder kann das 10 Jahre alte Garmin ja nicht wissen. Also führt die Fahrt halt über Schnellstraßen und einigen Umleitungen stundenlang über’s Land Richtung Polen. Wenigstens bekommt man was zu sehen. Nach knapp 200 Kilometern steuere ich ne Tanke an um meine letzten tschechischen Kronen an den Mann zu bekommen und um sicherzugehen daß die Bayerin nicht wieder stehenbleibt wie vorgestern. Doch die Tanke kommt mir seltsam vor. Die Preise sind zu niedrig und die Menge Sprit wird in Kubikdezimeter angezeigt und nicht in Liter. Beim Bezahlen wird die Sache klar: Die Verkäuferin nimmt keine Kronen an. Denn ich bin schon in Polen und nicht mehr in Tschechien. Keine Ahnung wo ich die Grenze hinter mir gelassen habe. Also muss halt die Masterkarte als Zahlungsmittel herhalten – wofür hat man sie denn dabei.
Aber ich muss mir jezt erst mal ein paar polnische Zloty besorgen. Auf einem großen Rastplatz mit Restaurant stehen sechs Motorräder mit polnischem Kennzeichen auf dem Parkplatz. Da geselle ich meine BMW dazu. Ich versuche die Jungs in englisch anzusprechen, verstehen die jedoch nicht. Als der eine mein Kennzeichen sieht quatscht er mich dann in recht gutem Deutsch an – geht doch! Er erklärt mir den Weg zu einem nahe gelegenen Supermarkt der nen ATM hat. Mit den ausgespuckten Hundertern gehe ich gleich einkaufen im Supermarkt. Die Ernüchterung folgt an der Kasse: Die Kassiererin kann nicht rausgeben auf 100 Zloty (ca. 23 Euro). Also lasse ich das Zeug halt an der Kasse liegen und fahre weiter …
Zur Stillung des Hungers und des Durstes muss diesmal halt ein polnischer Mc Donald’s an der Straßenkreuzung herhalten. Da fällt die Auswahl leicht. Nach ner weiteren Stunde Fahrt durch die Pampa gelange ich dann endlich an die Autobahn A4. Vor der Auffahrt wird jedoch der Tank nochmals bis zum Anschlag gefüllt. Nochmal liegenbleiben will ich nicht. Kaum auf der Autobahn staut es sich auch schon. Grund dafür ist kein Unfall sondern ne Mautstelle 500 Meter voraus. In Polen müssen alle Highway-Fahrer bezahlen. Aber daß ich wegen 3,20 Zloty (ca. 70 Cent) über ne Viertelstunde im Stau stehe muss nun wirklich nicht sein. 60 km vor Krakau fängt es zu allem Überfluß auch noch zu regnen an was die Fahrt verlangsamt. Morgen sagt mir ein Einheimischer Guide daß er solch schlechtes Wetter im August schon jahrelang nicht mehr erlebt hat. Das hab’ wohl ich mitgebracht – mein Gastgeschenk. Gegen 18:30 Uhr ereiche ich dann endlich das “Momotown” Hostel in der Stadtmitte von Krakau – 2,5 Stunden später als von mir veranschlagt. Aber wenigstens heil und einigermaßen trocken angekommen. Beim Aufbocken auf den Hauptständer ist mir die Bayerin fast umgefallen denn der angeschweißte Hebel am Hauptständer ist abgebrochen. So ist sie ‘nur’ gegen eine Wand gefallen. Muss also demnächst nen Schmied aufsuchen. Das Momotown liegt im Kazimierz Viertel, also dem alten jüdischen Viertel unweit der Weichsel die die Stadt teilt.

Tag 4 - Montag, 21.08.2017 - Free Walking Tours in Krakau (0 km Motorrad, 12 km gelaufen)

Wie in Prag auch, bieten die hier kostenfreie Stadtführungen an (www.freewalkingtour.com). Von denen werde ich heute gleich zwei in Anspruch nehmen. Morgens um 10 startet die "Old Town Krakau" Tour und Nachmittags um fünf die "Jewish Krakau" Tour.
Die Führung durch die Krakauer Altstadt beinhaltet den Hauptmarkt der Stadt. Er ist mit 200x200 Metern der größte mittelalterliche Marktplatz Europas. Seine enorme Größe, die historische Bebauung und das urspünglich erhaltene städtbauliche Grundmuster mach ihn weltweit einzigartig (O-Ton Reiseführer). Nicht zu vergessen die ruhmreiche alte Königsburg auf dem Wawel mit ihren Königsgräbern. Interessant auch die nachmittagliche Führung durch den jüdischen Stadteil Kazimierz mit seine Synagogen und auf der gegenüberliegenden Seite der Weichsel das ehemalige, von den Nazis errichtete jüdische Ghetto. Die Führung endete an der alten Emailwarenfabrik von Oscar Schindler (bekannt geworden u.a. durch den Spielfilm Schindlers Liste). Leider waren die Tagestickets schon ausverkauft. Vielleicht klappt ein Besuch ja morgen.

Tag 5 - Dienstag, 22.08.2017 - Besuch der KZ-Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau (0 km Motorrad, 5 km gelaufen)

Auschwitz liegt nur etwa 60 km von Krakau entfernt. Hier wurden zwischen 1940 und 1945 über eine Million Menschen von den Nazi's ermordert, hauptsächlich Juden. Man muss nicht zwingend dort gewesen sein aber zur Aufarbeitung des schwärzesten Teils der deutschen Geschichte und um das Geschehene nie zu vergessen macht es schon Sinn hierherzukommen. Ein sehr beklemmender und bedrückender Ort. Habe ne organisierte Tour für 150 Zlotys mit einem Minibus und deutscher Führung mitgemacht. Vormittags waren wir im Hauptlager in Auschwitz. Dort ist auch das Holocaust Museum untergebracht. Am Nachmittag ging's dann ein paar Kilometer weiter nach Birkenau. Hatte ein sehr mulmiges, beklemmendes und bedrücktes Gefühl bei der Besichtigung. Immerhin bin ich auch Deutscher.

 Tag 6 - Mittwoch, 23.08.2017 - Von Krakau nach Lviv (Lemberg, Ukraine)

Nach zwei Tagen ohne Motorrad Fahren heißt es heute wieder die Zelte hier in Krakau abbrechen und weiter fahren Richtung Osten. Tagesendziel soll die Stadt Lemberg (Lviv) in der Ukraine sein. Stadtauswärts von Krakau fahre ich noch am historischen Salzbergwerk in Wieliczka vorbai und überlege einen kurzen Stopp mit ner Besichtigung. Aber eine Führung dauert ca. 3 Stunden und in deutscher Sprache noch ne Wartezeit bis genügend Touris zusammen gekommen sind. Polnisch wäre sofort möglich. Also beschließe ich das Salzbergwerk für nen evtl. späteren Besuch zu verschieben. Man muss ja was offen lassen um wieder zurückzukommen. Bis nach Lemberg sind es etwa 300 km auf der Autobahn. Die kann man ja locker in ein paar Stunden absitzen. Zumal die Autobahn von Kilometer zu Kilometer leerer wird, je näher man an die Grenze zur Ukraine kommt. An der Grenz ist auch nicht wirklich viel los und nach ner halben Stunde habe ich die Formalitäten auch schon hinter mich gebracht. Schnell noch die Zlotys und etwas Bargeld umgetauscht in Ukrainische Hrywnja (musste den Namen auch erst googeln). Viertes Land auf der Reise und zweites neues Land nach Polen für mich. Aber mit Autobahn ist jezt Schluß, die gibt's nämlich in der Ukraine nicht. Die ca. 80 km von der Grenze bis nach Lemberg gleichen eher ner Bundesstraße. Bis nach Lemberg ging's ja recht zügig voran, aber in der Stadt hatte das Navi so seine Probleme. Die eingegebenen Koordinaten zum Gar'is Hostel stimmen nicht (genau). Bin drei Mal im Kreis gefahren und hab's immer noch nicht gefunden. Aber Fragen hilt allemal weiter. Nach fast ner Stunde Irrfahrt in der Stadt hab ich's dann doch gefunden. Nur eben auf der gegenüberliegenden Seite des Blocks den mir das Navi angegeben hat. Außerdem sind die Straßen der Innenstadt fast sämtlich aus unebenem Kopfsteinpflaster was das Fahren nicht leichter macht.
Positiv zu erwähnen, daß die Preise in der Ukraine nur ca. halb so hoch sind wie in Polen und mein Hostel tip top sauber und super eingerichtet ist. Was kann man mehr erwarten für 6.- Euro die Nacht? Morgen ist hier "Independence Day", also Unabhängigkeitstag der Ukraine. Bin mal gespannt was mich dort erwartet.

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