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World-Tour 2019 – Australien (Northern Territory)

Tag 60, Donnerstag, 12. Dezember – Abflug nach Down Under

Mittwoch Nacht bringt mich ein Motorradtaxi von Kuta zum nur wenig entfernten Flughafen nach Denpasar. Die balinesische Tourismuswirtschaft hadert mit den zurückgehenden Touristenzahlen. Dies sieht man nicht nur bei der Fahrt zum Flughafen, sondern auch in demselben. Die Wartezeiten kommen jedoch nicht von den vielen Touries, die heute hier weiter- oder hiemfliegen, sondern des wenigen Flughafenpersonals. Fast pünktlich um 01:20 Uhr hebt dann auch mein Airbus 320 von Jetstar Richtung Darwin in Australien ab. Der Flug dauert nur 3,5 Stunden und um Ortszeit 05:30 Uhr bin ich dann nach 1998 zum zweiten Mal nach 1998 in Down Under. Hier heißt es erstmal die Uhr um 1,5 Stunden vorstellen. Das Northern Territory von Australien hat eine eigene Zeitzone. All die Aufwände von gestern, die Ausrüstung, den Rucksack und die Klamotten zu putzen, bzw. waschen zu lassen, hätte ich mir schenken können. Denn die Immigration und der Zoll winken alle Angekommenen nur durch. Da heißt es immer, wenn du in Australien ankommst, muß alles tip-top sauber sein. Da darf kein Staubkorn mit reingebracht werden. Sogar meine alten Sandalen habe ich deswegen noch im Flughafen in Bali entsorgt, nicht ohne mir vorher ein paar neue zu kaufen. Ich glaube, wenn ich hier mit dreckigen Schuhen und einer toten Katze angekommen wäre, hätte das auch niemanden interessiert. Wenigstens ist jetzt alles wieder mal richtig sauber. In der Ankunftshalle, in der so gut wie gar nichts los ist, wartet schon Steve auf mich. Er ist vor ner Dreiviertelstunde mit Quantas angekommen. Wir machen noch ein Nickerchen bis 8 Uhr und nehmen dann ein Taxi in den Stadtteil East Arm. Dort hat unsere Logistikfirma Bollore ihr Büro. Unsere Agentin Alzira wartet schon auf uns, um die Carnets de Passage entgegenzunehmen und die Zolldokumente nochmals durchzugehen. Heute Mittag will sie alles zum Zoll in den Hafen bringen. Wir hoffen, die Abwicklung dauert keine ganze Woche, so wie Alzira das prophezeit. Zufällig ist auch ein anderer ihrer Kunden grade hier. Und der fährt Richtung Innenstadt und kann uns mitnehmen – 20 km Taxigeld gespart. Untergekommen sind wir im Herzen der Innenstadt Darwins, im Melaleuca YHA Hostel. Ein Hotelzimmer der Klasse von Indonesien kann man sich hier nicht lange leisten. In Down Under sind die Mehrbettzimmer teurer als die guten Hotelzimmer Indonesiens. Auf die nitteleuropäischen Preise werden wir uns ab heute einstellen müssen.
Außer Ausruhen, um den verpassten Schlaf wegen des Nachtflugs aufzuholen, ist heute nichts geplant. Am Spätnachmittag machen wir noch einen Spaziergang durch die Innenstadt und einen Halt am Tourist Information Center. Die überhäufen uns mit Info’s über Darwin und Nord-Australien. Da wir mindestens bis Montag noch warten müssen, buchen wir gleich ein Eintagestour in den Litchfield Nationalpark am Samstag. Der ist nur etwa 100 km entfernt und liegt im Südwesten Darwins. Irgendwie muß man die Zeit hier ja positiv gestalten. Außerdem muß ich langsam mal anfangen, mir eine Campingausrüstung zusammenzustellen. Denn mitgebracht habe ich diesbzgl. nichts. Aber das ist in Down Under kein Problem. Denn ohne Campen den Kontinent zu durchfahren wird schwierig.

 

Tag 61, Freitag, 13. Dezember - Darwin

Auszug aus Wiki:
"Darwin wurde 1869 gegründet und seither dreimal wiederaufgebaut, nachdem es 1897, 1937 und 1974 durch Zyklone fast vollständig zerstört worden war. Darwin ist die größte Stadt und Hauptstadt des Northern Territory in Australien sowie die nördlichste Großstadt des Landes mit ca. 137.000 Einwohnern (Stand: 2016). Am 9. September 1839 landeten John Clements Wickham und John Lort Stokes auf Vermessungsfahrt in australischen Gewässern mit ihrem Schiff HMS Beagle in der Bucht des heutigen Darwin und benannten ihren Ankerplatz Port Darwin nach dem jungen Charles Darwin, der zwischen 1831 und 1836 an Bord des Schiffes die Galapagosinseln bereist hatte." Daher der Name der Stadt.
Was macht man an einem Tag, an dem man in einer neuen Stadt angekommen ist und nur (auf das Motorrad) warten muß?
Man sieht sich natürlich selbige an. Und genau das tun Steve und ich heute. In der Innenstadt waren wir gestern schon unterwegs. Heute laufen wir mal runter zum südlichen Ende der Stadt, wo sich die Waterfront befindet. Dort befindet sich die "Recreation Lagoon", eine Lagune, die abgesperrt vom Meer ist und in der man bedenkenlos schwimmen kann. Deshalb, weil es hier im Norden sehr viele Salzwasserkrokodile gibt, die auch Menschenfleich nicht verschmähen. Jährlich werden ca. 300-400 der Reptilien aus der großen Bucht um Darwin gezogen. Aber nicht nur Krokodile fressen Menschen, sondern auch zumgekehrt, Menschen die Krododile. Hier am Hafen gibt es ein Restaurant, das sich auf Krokodil-Schnitzel spezialisiert hat. Die Anlage der Indo-Pacific-Marine Einrichtung könnte man auch besuchen. Das ist ein künstlich eingerichtetes Ökosystem aus Korallenriffen und deren Bewohner. Oder das Museum des Japanischen Angriffs auf Darwin im 2. Weltkrieg. Oder aber der Crocodylus Park, eine Aufzuchtstation von Salzwasserkrokodilen. Man könnte also echt viel unternehmen hier, wären da nicht die horenten Eintrittspreise. Die variieren zwar, aber nicht in der Tiefe, sondern in der Höhe. So 15-30 Euro Eintritt muß man schon locker machen. Und da überlegst du dir echt zweimal, ob du reingehst, oder nicht.
Von unserer Agentin Alzira bekommen wir heute eine eher schlechte, denn gute Nachricht. Denn sie arbeitet nicht, hat frei. Wir sind gestern also nur hergekommen um die Carnets abzugeben, die sie weitergereicht hat. Erst am Montag tut sich wieder etwas. Da hätte ich locker noch drei Tage in Bali bleiben können. Denn hier in Darwin hängst du echt nur herum. Da gibt's nicht wirklich viel zu tun.

 

Tag 62, Samstag, 14. Dezember - Adelaide River und Litchfield Nationalpark

Um sechs Uhr klingelt der Wecker. Wir müssen raus aus den Federn. Denn heute steht die gebuchte Eintagestour an. Um die Ecke unseres Hostels werden Steve und ich 7:10 Uhr von "Wallaroo Tours" aufgegabelt. Der kleinere Bus mit ca. 20 Sitzplätzen ist nach einer Stadtrunde fast voll besetzt und wir verlassen die Stadt auf dem Stuart Highway Richtung Süden. Der verbindet Darwin im Norden mit Adelaide im Süden und heißt so, weil es John Mc Douall Stuart als erstes gelang, den Kontinent Mitte des 19. Jahrhunderts von Süden nach Norden zu durchqueren. Aber schon nach 30 km biegen wir auf den Arnhem Highway Richtung Osten ab, nicht ohne einen ersten Boxenstopp an einer Tankstelle einzulegen. Wir sollen unbedingt das gute Insektenschutzmittel hier kaufen und nicht nur uns, sondern auch die ganze Kleidung damit einsprühen, sagt Toni, unser Fahrer. Die Moskitos stechen auch durch die Kleidung. Ich glaube, er hat uns mindestens 10 verschiedene Krankheiten aufgezählt, die man sich hier holen kann. Einen weitere halbe Stunde später erreichen wir den Adelaide River. Toni, der gleichzeitig der Tourist Guide ist, erzählt uns währenddessen viele interessante Dinge über Flora, Fauna und Geschichte des Northern Territories. Und daß man die befestigten Straßen nicht verlassen soll wegen der vielen Salzwasserkrokodile hier. Vor allem im Adelaide River gibt es hunderte. Und die sind gefährlich! Dort angekommen erwartet uns schon der echte "Crocodile Dundee", namens Pat Chappel. Pat ist eine Legende hier. Sein Alter ist wegen seines langen Rauschebarts schwer zu schätzen, ca. 60 Jahre alt. Er ist hier geboren und lebt auch setidem hier. Schon im zarten Alter von vier Jahren hatte er die ersten Kontakte mit den "Crocs" hier. Er ist weltweit nur einer von vier Leuten, die mit Salzwasserkrokodilen arbeiten dürfen. Die anderen drei sind übrigens auch hier zu finden. Pat kennt die Tiere aus dem FF und weiß genau wie sie sich verhalten - das kann überlebenswichtig für uns sein. Er hatte auch schon ein paar Mal Reporter des Magazins "National Geographics" zu Gast. Die haben über 18.000 Bilder geschossen, von denen dann ganze zwei Stück im Magazin landeten! Über einen langen, metallernen Steg gehen wir paarweise und steigen in sein offenes Boot auf die uns zugewiesenen Plätze. Die Reling ist die ersten 50 cm mit Metallgitter verstärkt. Aber nicht, um uns vor den Reptilien zu schützen, sondern die Reptilien von uns. Denn wenn du nur eine Hand oder einen Finger durchsteckst, kann es schon zu spät sein, so Pat. Nichts, aber auch gar nichts darf über das Boot hinausragen. Es sind zwar Schwimmwesten an Bord, aber die würden im Falle eines Kenterns nichts bringen. Denn die Crocs haben dich schneller erledigt, als du das rettende Ufer erreichen kannst. Die haben, anders als wir Menschen, nicht nur fünf Sinne über Wasser, sondern auch nochmal zusätzliche fünf unter Wasser. Riechen können sie z. B. 20 mal besser als Hunde und Sehen so gut wie Greifvögel. Und selbst wenn du in 100 Metern Entfernung regungslos im Wasser verharrst, hast du keine Chance unentdeckt zu bleiben. Denn die spüren selbst auf diese Entfernung noch deinen Herzschlag!
Salzwasserkrokodile, auch Leistenkrokodile genannt, sind die größten ihrer Art (der jemals größte gefangene war 8,5 Meter lang und über zwei Tonnen schwer!) und leben in Salz- und/oder Süßwasser. Die Crocs sind keine Jäger, sondern Gelegenheitsfresser und können gut ein Jahr ohne Fressen ausgkommen. Aber immer dann, wenn grade etwas in der Nähe ist, schlagen sie zu. Das kann auch schon mal ein kleineres Krokodil der eigenen Art sein. Blitzschnell schnellen die aus dem Wasser, packen zu und ertränken die Beute. Und das Herausschnellen aus dem Wasser zeigt uns Pat, indem er zerlegte Hühner an einen Bambusstock bindet und die Tiere damit anlockt. Jedenfalls war das heute eines meiner beeindruckensten Tiererlebnisse überhaupt. Da bleibt dir die Spucke weg, wenn so ein Vieh nur einen halben Meter entfernt aus dem Wasser schießt. Ein echt grandioses Naturschauspiel!
Nach der Krokodilschau geht's zurück auf den Stuart Highway Richtung Süden. Eine Stunde später biegen wir nach Westen in den Litchfield Nationalpark ab. Der beginnt gleich hinter der Stadt Batchelor. Im Park kann man die über fünf Meter hohen Termitenhügel bewundern und an schön gelegenen Wasserfällen schwimmen gehen. An den Florence Falls mit den beiden Twin-Wasserfällen ist es besonders schön. Aber auch hier ist immer Vorsicht geboten. Manchmal verirren die Krokodile sich auch hierher, also bis zu 100 km in Landesinnere.
Mein erstes Känguru habe ich heute auch gesehen. Auch wenn es nur ein Wallaby war, also die kleineren Artgenossen. Die richtigen Kängurus gibt es erst weiter südlich zu sehen.
Zu guterletzt machen wir noch einen Stop an der Bucht von Darwin, um bei Sekt und Schrimps den Sonnenuntergang zu bewundern.

Tag 63, Sonntag, 15. Dezember - Noch ein verlorener Tag

Das halbe Leben besteht aus Warten. Auch wir warten heute. Nämlich, daß endlich das Wochenende vorbei geht und es sich hoffentlich morgen wieder etwas tut in Sachen Sauberkeits-Check der Motorräder. Das wenige, das es hier zu sehen gibt, haben wir eigentlich gesehen. Es bleibt noch das "Museum and art gallery of the northern territory". Also marschieren wir nach dem Frühstück dort hin. Richtig: marschieren. Denn das Museum ist etwa 5 Kilometer entfernt. Aber auch Steve ist der Bewegung nicht abgeneigt. Selbst bei über 30 Grad und sengender Sonne. Irgendwann kommen wir dann auch ziemlich durchgeschwitzt dort an. Das Museum bietet erstmal zwei Gute Dinge für uns: erstens ist es klimatisiert und zweitens kostet es keinen Eintritt - gut so! Und interessant ist es schon. Selbst für Museumsmuffel wie mich. Die Art Gallery, also Kunstausstellung interessiert mich wenig. Dann schon eher die Geschichte Darwins und des verheerenden Zyklons, der am Heiligabend 1974 fast die ganze Stadt zerstört hat. Weiter interessant für mich ist die Tierwelt hier, speziell die vielen giftigen Schlangen, Skorpione und Spinnen. Vielleicht gut, die sich mal vorher genauer zu betrachten und möglichst einzuprägen. Denn vermutlich werde ich einige Male hier campen müssen.
Campen ist ein gutes Stichwort. Denn die Ausrüstung dazu fehlt mir noch. Speziell Zelt, Luftmatratze und Schlafsack. Im  Outdoor-Shop in der Stadtmitte sind die Preise doch recht hoch. Und so nehmen wir den Bus und fahren ca. 10 km weiter zur Casuarina Shopping Mall. Dort gibt es ebenfalls so ein Geschäft. Und mit einem günstigen Zelt, einer selbstaufblasbaren Luftmatratze und einem dünnen Leinenschlafsack unter dem Arm, marschiere ich dort wieder hinaus. Dann ab in den nächsten Bus und für 3 Dollar wieder zurück zum Hostel in der Innenstadt. So eine lange Busfahrt ist gar nicht schlecht, fast wie eine Sightseeing-Tour durch die Stadt.
Apropas Innenstadt. Analog meinem ersten Busuch in Australien vor 21 Jahren "lungern" immer noch viele Urweinwohner, die Aboriginees, hier herum. Meist obdachlos, schlecht gekleidet und betrunken. Den Aussies ist es also immer noch nicht (richtig) gelungen, die Ureinwohner in die Gesellschaft zu integrieren - wirklich schade!

Tag 64, Montag, 16. Dezember - Ich bin beklaut worden ...

... vom Staate Australien. Und das gleich um einen ganzen Tag Urlaub! Denn unsere Agentin Alzira von Bollore Logistics hat immer noch nichts von der Zollbehörde erfahren bzgl. des Termins der Inspektion der Motorräader. Jetzt bekomme ich aber die Krise! Wir werden hier ständig hingehalten, uns geht wertvolle Urlaubszeit verloren. Wir sind jetzt fast eine Woch hier und nichts, aber auch gar nichts, tut sich! Aber auch Alzira macht nicht den Eindruck, als würde sie sich hundert prozentig für uns einsetzen. Sie sagt, sie kann nichts machen. Das geht alles elektronisch. Aber für was hat man denn dann ein Telefon erfunden, frage ich mich (und sie). Man könnte ja mal einen Anruf tätigen. Vor lauter Frust ziehe ich mir die Turnschuhe an, gehe runter zur Flaniermeile am Meer und laufe eine Runde. Ich muß nicht nur dringend Sport treiben, sondern vor allem Dampf ablassen. Nach fünf Kilometern in sengender Sonne bin ich fix und fertig und kann nicht mehr. Einen Hitzschlag will nich nun auch nicht riskieren. Also wieder zurück in den klimatisierten Backpacker und rein in den Pool. Ein paar Dinge muß ich noch dringend besorgen. Unter anderem zwei Ersatzkanister. Die, die ich mitgebracht habe, habe ich den Jungs von Ford Esperando in Dili geschenkt. Die waren so ölig, daß ich mich nicht getraut habe, die dem australischen Zoll zu präsentieren. Anderthalb Kilometer vom Hostel entfernt ist ein Toyota-Händler mit Ersatzteilservice. Den laufe ich zu Fuß an. Aber die haben so was nicht und schicken mich zur Tankstelle. Shell um die Ecke hat nur 10 Liter Kanister - zu groß für mich. Und mit 35 Dollar zudem sündhaft teuer. Aber schräg gegenüber ist ein Good-Year Reifenservice. Also warum nicht mal dort nachhaken. Neue hat der nicht, aber er hat einen alten, gebrauchten 5l-
Kanister. Den kann er mir für 10 Dollar verkaufen. Gesagt, getan. Jetzt habe ich wenigsten mal einen. Zurück im Hostel wieder eine Nachricht von Alzira. Sie hat jetzt endlich einen Termin für die Inspektion. Aber nicht morgen, sondern erst übermorgen - noch ein verlorener Tag hier!!! Also was morgen anstellen. Um einen Tagesausflug nach Katherine Gorge zu buchen ist es jetzt schon zu spät.
Also marschieren Steve und ich wie vor 3 Tagen in das Tourist-Office, nur unweit vom Hostel. Grade noch rechtzeitig vor der Schließung um 17 Uhr. Der Mitarbeiter kennt uns schon und strahlt als er uns sieht. Er kann uns anbieten, ein Mietauto von Hertz am Flughafen zu buchen und eine Bootsfahrt auf dem Katherine River für morgen früh um 11 Uhr - geritzt, das machen wir. Denn dort wollten wir sowieso hin. Aber halt mit dem Motorrad, da Ketherine für uns beide auf unserem Weg liegt. Wir müssen halt wieder mal um 5 Uhr aufstehen und das Auto um 6 Uhr abholen, denn bis Katherine sind es 350 km auf dem Highway.

 Tag 65, Dienstag, 17. Dezember - Katherine Gorge

Katherine ist eine Kleinstadt etwa 300 km südlich von Darwin. Sie liegt am Abzweig des Victoria Highways vom Stuart Highway. Der Victoria Higway führt ganz nach Westen zur Küstenstadt Broome. Dreißig Kilometer nordöstlich von Katherine findet man eine spektakuläre Felsschlucht, durch die der Katherine River führt. Das Land, durch welches sich die Schlucht windet, nennen die Ureiwohner Nitmiluk (Ort der Zykaden). Die Gegend besteht aus insgesamt 13 Schluchten mit bis zu 70 Meter hohen Sandsteinklippen, deren Farben sich je nach Lichteinfall und Tageszeit verändern. Das nördliche Ende des Parks grenzt an den Kakadu Nationalpark.
Hierher wollten Steve und ich eignetlich noch gemeinsam mit dem Moped herfahren. Denn hier sollten sich unsere Wege trennen. Aber nachdem uns die lahme Aussie-Behörde die BMWs immer noch nicht freigegeben hat, haben wir beschlossen, ein Auto zu mieten und die Katherine Gorge in einer Tagestour zu besichtigen. Damit wir das Boot um 11 Uhr nicht verpassen, fahren wir um sechs Uhr früh mit dem Taxi zum Flughafenschalter von Hertz. Der knallgelbe Kleinwagen von Toyota steht schon bereit und wenig später sind wir auch schon auf dem Stuart Highway unterwegs. Maximal 130 km/h sind erlaubt. Immer wieder brettern bis zu 50 Meter lange "Road Trains" an uns vorbei. Das sind LKWs mit 3 oder gar 4 Anhängern. Bei einem Anhalteweg von mehr als einem Kilometer bremsen die erst gar nicht, wenn ein Känguru oder anderes Getier auf der Straße sitzt. 2-3 überfahrene Wallaby's haben wir auf der Fahrt gesehen. Im Vergleich zu Indonesien ist hier auf den Straßen überhaupt nichts los. Und so kommen wir auch 1,5 Stunden vor der Bootsfahrt am Nitmiluk Nationalpark an.
In der Regenzeit ist hier nicht sehr viel los. In unserem 50 Mann fassenden Ausflugsboot sitzen wir zu siebt. Außer uns beiden sind noch zwei Aussie-Mädels dabei und eine deutsche Mutter mit ihren beiden Töchtern aus Hamburg. Die Töchter haben grade ein Schulsemester in Australien absolviert und sind jetzt mit Mama auf Australienreise. In der ersten der 13 Schluchten soll man wegen der Süßwasserkrokodile, die es hier geben kann, nicht baden. Aber in der zweiten Schlucht ganz hinten halten wir an um uns abzukühlen, sofern das im viel zu warmen Wasser überhaupt möglich ist. Nach der Tour übernehme ich das Steuer und wir fahren wieder zurück nach Darwin.
Jetzt sind wir heute halt aus reiner Langeweile 7 Stunden Auto gefahren und 2 Stunden Boot gefahren und sind eine halbe Stunde geschwommen. Und das alles nur aus reiner Willkür der Australier. Eines ist für mich jetzt schon klar, unabhängig wie die Sache mit dem Motorrad hier ausgeht: es wird mein zweiter und gleichzeitig letzter Besuch in Down Under gewesen sein! Denn eines ist klar: die geplante Strecke von Darwin bis Perth, die Südküste entlang über Adelaide und Melbourne bis nach Sydney, werde ich nicht schaffen. Das Ziel kann nur noch Perth im Südwesten sein.

 Tag 66, Mittwoch, 18. Dezember 2019 - Tag der Wahrheit (km 7649)

Heute ist (hoffentlich) der Tag der Inspektion der Motorräder gekommen. D. h. ob die australischen Behörden mit der Sauberkeit und dem technischen Zustand zufrieden sind. Irgendwie komme ich mir vor, wie vor 30 Jahren nach einer schwierigen Prüfung an der Hochschule, du auf das Ergebnis der Klausur wartest und überhaupt keine Ahnung hast, ob du bestanden hast, oder nicht. Entsprechend nervös bin ich auch. Von Alzira gibt es keine neuen Nachrichten. Man hat ihr die Uhrzeit der Inspektion auch nicht mitgeteilt. Wir sollen vorbeikommen und hier im Büro warten, sagt sie.
Bevor wir jedoch auschecken im Hostel, schnappe ich den vorgestern gekauften Ersatzkanister und laufe zur nächsten Tankstelle, um den zu füllen. Denn der Tank der F650 ist komplett leer. An dieser Tanke verkaufen die auch kleine 5 Liter Kanister. Da nehme ich gleich noch einen leeren mit. Gerne wäre ich auch noch bei BMW Darwin vorbeigekommen, um meinen defekten Thermoschalter auszutauschen. Aber der ist wohl immer noch nicht eingetroffen, obwohl ihn mein BMW-Händler in Deutschland schon vor zwei Wochen abgeschickt hat, und versprochen hat, dass das Paket nur eine Woche unterwegs sein würde.
Wieder zurück im Melaleuca Backpacker lassen Steve und ich uns ein Taxi rufen und schlagen 20 Minuten später mit all unserem Gepäck und den Ersatzkanistern bei Bollore Logistics im Stadtteil East Arm auf. Wir können bei einer Tasse Kaffee im Pausenzimmer warten und Fernsehen. Was uns beim Vorbeigehen an der großen Warenhalle nicht entgangen ist, sind unsere beiden Motorräder, die hinten im Eck stehen und eigentlich nur darauf warten, von uns gefahren zu werden.
Gegen 11 Uhr tut sich dann tatsächlich etwas. Zwei jüngere Herren mit gelben Westen betreten das Büro. Darauf steht geschrieben: BIOSECURITY. Die sind hier, um unsere beiden Motorräder und das Gepäck auf Sauberkeit zu untersuchen. Beide machen einen freundlichen Eindruck und wir kommen schnell ins Gespräch über unsere Reisen. Ein guter Smalltalk hat bei solchen Checks noch nie geschadet. Und unsere Bikes hinterlassen zumindest auf den ersten Blick einen nicht nur sauberen, sondern reinen Zustand. Und der erste Eindruck ist immer der wichtigste. Bei Steve, der seine GS nicht so weit zerlegt hat wie ich, finden sie gar nichts. Da ist auch alles verbaut. Bei meiner alten F650 kann man jedoch überall besser reinschauen. Und tatsächlich finder der "Chefinspektor" an der Bayerin ein bisschen Dreck an der Unterseite zwischen einem Plastikpuffer und dem Rahmen. Ich soll den schnell wegmachen, sagt er. Dann ist gut. Gesagt, getan. Die Bikes sind inspiziert und danach müssen wir das Gepäck öffnen und sie schnüffeln darin herum. Aber als sie sehen, dass alles sauber, gewaschen und gereinigt ist, sind sie auch damit schnell gufrieden. Das Tor nach Australien steht also jetzt weit offen für uns.
Im Büro frage ich Alzira, ob es immer die beiden Jungs sind, die die Inspektion durchführen. Seid froh, sagt sie, dass nicht die beiden Frauen geschickt worden sind, die sind viel strenger. Das nehme ich ihr aufs Wort ab. Vor zwei Jahren an der Grenze nach Thailand waren es auch die Frauen, die mir zunächst den Grenzübertritt verwehrten. Nachdem wir dann die Rechnung für Bollore beglichen haben, sind wir auch entlassen und können ENDLICH frei fahren im Lande Down Under. Auf den Tag genau sind es heute drei Wochen als wir das letzte Mal auf unseren Bikes saßen. Das war in Dili, in Osttimor, als wir die Mopeds in die Ford Werkstatt zur Großreinigung gebracht haben. Mit mindesten einer Woche weniger hatte ich geplant. D. h. mir fehlt jetzt halt eine Woche hintendran. Mal sehen, wie das ausgeht.
Lang aufhalten lassen wollen wir uns nicht, denn das Tagesziel ist die Kleinstadt Katherine, genau die, in der wir gestern schon waren. Hätten wir die Motorräder einen Tag früher bekommen, dann hätten wir uns das gestrige Mietauto und die 700 km schenken können. Noch kurz einen Boxenstopp an der Tankstelle und schon sind wir auf dem Stuart Highway Richtung Süden. Die Strecke kennen wir ja jetzt schon. Es ist jedoch unsäglich heiß heute. Das Thermometer zeigt 42 Grad. Dazu kommt noch die feuchte Luft in den Tropen. Also eine Saune werde ich dei nächsten Wochen nicht brauchen. Drei Stunden später erreichen wir dann auch Katherine. Mit dem Palm Court Hostel finden wir schell eine Unterkunft. Die haben sogar eiinen kleinen Pool. Also nichts wie rein, auch wenn das Wasser nicht grade klar ist.

Tag 67, Donnerstag, 19. Dezember 2019 - Von Katherine in Northern Australia nach Kununurra in Western Australia (km 8239)

Um fünf Uhr früh klingeln die Wecker (Steve's und meiner). Raus aus der Falle und alles zusammenpacken. Ein kurzes Früstück vom Woolworth Supermarkt einwerfen und dann die Mopeds beladen. Jetzt heißt es Abschied nehmen. Denn Steve fährt nach Süden auf dem Stuart Higway Richtung Alice Springs und ich nach Westen auf dem Victora Highway Richtung Broome. Mein Tagesziel ist die Stadt Kununurra, gute 500 km von Katherine entfernt. War gestern auf der Fahrt von Darwin nach Katherine auf dem Stuart Highway nicht wirklich viel Verkehr, so ist auf dem Victoria Highway praktisch gar nichts los. Nach 60 Kilometern ist mir das erste Auto begegnet. Und nach 200 km an der ersten Tankstelle im Victoria River Roadhouse waren es sechs Autos und zwei Road Trains. Was man wesentlich mehr sieht, ist überfahrenes Getier, hauuptsächlich Wallabies. Die kann man schon von weitem sehen, denn überall wo die "Geier" auf dem Highway sitzen gibt es frisch Überfahrenes vom "Straßengrill". Ich glaube, die Population der Kangurus in den einzelnen Bezirken kann man ganz gut über die Anzahl der überfahrenen Kängurus pro 50 Kilometer berechnen. Ein Wallaby hätte ich beinaha selbst überfahren. Das hat es grade noch mal so über den Asphalt zur anderen Seite geschafft. Das wäre für mich wahrscheinlich auch nicht gut ausgegangen. Also: Augen auf! Am Victoria River Roadhouse mache ich erstmal Rast, tanke voll und nehme einen Kaffee. Allzu lange will ich mich jedoch nicht aufhalten. Denn um diese Uhrzeit sind die Temperaturen mit 30 Grad grade noch so erträglich. Aber von Stunde zu Stunde steigt das Thermometer. Nur 100 km weiter die nächste Raststätte am Timber Creek. Auch hier mache ich den Tank wieder voll. Man weiß nie genau, wann die nächste "Service Station" kommt.
Fünzig Kilometer vor Kununurra erreiche ich die Landesgrenze zu Western Australia. Das bedeutet ein Karantäene Checkpoint. Sprich, die Behörde von Western Australie will sichergehen, daß kein (fremdes) Obst und Gemüse ins Land kommt. Glücklicherweise wusste ich das vorher und habe in Timber Creek den Rest "vernichtet", also gegessen.
Ein paar Kilometer weiter dann der Abzweig Richtung Süden zum Lake Argyle. Das ist ein riesiges aufgestautes Süßwasserreservoir, größer als der Bodensee, der größte Stausee der Südhalbkugel. Es wird auch dazu benutzt die Umgebung zu bewässern für die Landwirtschaft. Die 35 km dorthin sind asphaltiert ("sealed") und so mache ich noch den Abstecher dorthin. Anschließend wieder zurück auf den Highway No. 1 nach Kununurra. Untergekommen bin ich hier im Kununurra Backpacker. Eigentlich wollte ich in den Kimberley Croc Backpackier. Aber den habe ich nicht gefunden. Auch nicht, nachdem mich einige Einheimische "in die Wüste geschickt" haben. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß es den gar nicht mehr gibt. 200 km südlich von hier befinden sich die Bungle Bungles. Das sind braun-orange-schwarz geringelte, eng stehende Felsenkegel im Purnululu Nationalpark. Aber die Rezeptionistin des Kununurra Motels, die auch Touren verkaufen, hat mir gesagt, daß der Park wegen der Regenzeit bereits geschlossen hat. Lediglich Hubschrauberrundflüge sind noch möglich. Und die kosten richtig viel Geld! Dann halt keine geringelten Felskegel.

 

 

 

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