Du bist hier
Südamerika 2022 – Paraguay 2022 Featured_Section_Home Paraguay Reise 

Südamerika 2022 – Paraguay

Freitag, 28. Oktober 2022 – Abflug

Nach langer Vorbereitungszeit mit unendlichen Stunden vor dem Computer, dem Zusammenstellen des Reisezubehörs und dem Basteln von Halterungen und Adaptern für ein Motorrad, das ich noch nicht kenne, ist es heute endlich soweit: der Tag des Abflugs ist gekommen.
Analog der letzten Motorradetappe von Malaysia nach Australien vor drei Jahren, muß ich auch diesmal dückie Motorradausrüstung von zu Hause mitnehmen. Ich konnte im Vorfeld nicht herausbekommen, ob man in Paraguay brauchbare Ausrüstung kaufen kann. Meine Motorradtasche QBag ist mit ca. 60 Litern schon groß. Aber nachdem der Tankrucksack drin ist und der Helm N702X, den mir dankenswerterweise Nolan zur Verfügung gestellt hat, ist die Tasche schon zur Hälfte gefüllt. Bis dann endlich alles verpackt ist, ist die QBag prall voll. Ich muß wie immer an den Klamotten sparen. Die kaufe ich halt vor Ort. Als Handgepäck müssen diesmal die beiden Motorrad-Satteltaschen von POLO herhalten, die ich in ebay für 25 Euro ergattern konnte. Denn die haben nun wirklich keinen Platz mehr in der Motorradtasche gefunden. Glücklicherweise kann man die beiden Satteltaschen durch einen Reißverschluß verbinden, sodaß ein Gepäckstück daraus wird.
Mein Bikerkollege “Volge” fährt mich morgens um halb neun zum Bahnhof in Hessental. Wie jede Reise beginnt auch diese mit einer Zugfahrt zum Flughafen in Frankfurt. Ich bin wie immer viel zu früh dran und vertreibe mir die Zeit mit “Sonnenbaden” auf dem Observationsdeck des Terminal 2.
Mit dem Flug UX1506 von Air Europa geht es um 19 Uhr zunächst nach Madrid. Dort angekommen zeigt die Informationstafel den Weiterflug mit UX023 nach Asuncion von Terminal B an. Und zu meiner Verwunderung eine Gehzeit von 23 Minuten – da ist ja nochmals richtig Aktivität kurz vor Mitternacht gefragt. Also schultere ich die Satteltaschen, sowie die Cowboys das früher gemacht haben und mache mich auf den zwei Kilometer langen Weg. Ich wusste nicht, daß der Flughafen von Madrid so groß ist. Sonst hätte ich noch Trolley-Rollen an den Satteltaschen befestigt. Trotzdem komme ich noch rechtzeitig am Terminal B zum Weiterflug an.
Um im Interkontinentalflug von Air Europa nicht zu verhungern oder zu verdursten, muß man deren schlechten, oder besser gesagt, nicht vorhandenen Service kennen. Denn aufes gibt während des fast 12-stündigen Flugs nur eine Mahlzeit und ein Getränk. Aber darauf bin ich vorbereitet. Gegessen habe ich nochmals am Flughafen in Madrid. Und die Satteltaschen mit Bier und Wasser aufgestockt. Wenigstens die Boeing 787 Dreamliner ist neu und recht komfortabel. Aber den Kaffee am Morgen vor der Landung muß man bei Air Europa auch für drei Euro bezahlen – oder aber darauf verzichten.

Samstag, 29 Oktober 2022 - Ankunft in Asuncion

Ortszeit Viertel vor Sieben in der Früh setzt die B oeing sicher auf dem Flughafen "Silvio Pettirossi" in Asuncion, der Hauptstadt von Paraguay, auf. Im Vergleich zu anderen Flughäfen ist der echt klein. Sonst steht keine andere Maschine auf dem Flugfeld. Das erspart Wartezeit an der Immigration. Um so mehr für mich, da ich als Besitzer der Cedula, des paraguayischen Personalausweises, mich an der kürzeren Schlange der Einheimischen anstellen kann. Trotzdem bekomme ich einen Stempel in den Pass. Auch mein Reisegepäck ist sicher durch den großen Flughafen in Madrid geschleußt worden - toll!
Da Taxis am Flughafen teuer sind, schultere ich mein Gepäck mal wieder und gehe die 100 Meter zu Fuß bis zum Ausgang. Denn dort warten immer Taxis von Uber und Bolt. Bolt ist vergleichbar mit Uber, nur noch etwas günstiger. Für 30.000 Guarani (ca. 4,50.- Euro) bin ich dann auch recht schnell in der Innenstadt am "Hotel Portal del Sol", meiner Bleibe für die nächsten Tage hier.
Der Tag heute ist schnell erzählt, denn der lange Flug und die Zeitverschieblung machen mir derart zu schaffen, daß ich die meiste Zeit im Bett liege und mich erhole. Aber für einen kurzen Abstecher mit dem Taxi zu Yamaha Chacomer reicht es dann doch noch. Denn wenigstens muß ich mein neues Bike mal sehen, draufsitzen und es anlassen - fahren will ich heute noch nicht. Der Verfkäufer Mauricio gibt mir ne erste, kurze Unterweisung.
Das Wetter hier ist noch sehr unbeständig. War es am Vormittag noch sonnig und sehr heiß, so bringen Gewitterwolken und lang andauernder, starker Regen am Spätnachmittag und in der Nacht Abkühlung mit sich.

Sonntag, 30. Oktobr 2022 - Ruhetag nach der langen Anreise

Nachdem ich gestern am Ankunftstag so platt war, habe ich mir für heute gar nichts vorgenommen. Lediglich ein Spaziergang zur nahe gelgenen Einkaufsmall "Shopping del Sol" und "Paseo la Galeria" steht auf dem Programm. Und am Abend geht's auf Kneipentour in der "Shopping Mariscal Lopez".

Montag, 31. Oktober 2022 - Der Herbst ist eingetroffen

Die ganze Nacht hat es geregnet und gestürmt. Die Türen und Fenter haben durch den Wind geschlagen, da die nicht ganz dicht sind. Und als ich am Morgen einen Schritt vor die Zimmertüre mache, haut es mich fast um: von den 30 Grad gestern sind nur noch 14 übrig geblieben! Da ist der Herbst, dem ich zu Hause entflohen bin, noch um einiges wäremer. Und ich dachte, hier wäre schon Frühsommer. Die Leute sagen, so kalt sei es schon lange nicht mehr gewesen - ein schwacher Trost für mich. Denn heute will ich eigentlich mein Motorrad abholen gehen. Aber bei Regenwetter sicherlich nicht.
Mit einem späten, dafür in die Länge gezogenes Frühstück, schlage ich den Vormittag tot. Am Nachmittag treffe ich mich mit Bekannten aus meiner Heimatstadt, die im Frühjahr hierher ausgewandert sind.

 

Dienstag, 01. November 2022 - Motorrad abholen (km 0)

Nachdem ich am Samstag zu müde war und es gestern schlechtes Wetter hatte, ist es heute endlich soweit: ich kann mein Moped abholen. Gleich nach dem Frühstück schneappe ich mir ein Bold-Taxi und fahre die 3 km zu Yamaha Chacomer. Heute ist auch Victor Benitez da, der Chefverkäufer des Ladens. Wochenlang hatte ich mit ihm Kontakt von Deutschland aus, bis der Deal perfekt war. Jetzt steht er endlich vor mir. Victor ist etwa Mitte/Ende 30 und sieht so aus wie alle hier: ein typischer Latinotyp. Englisch können die hier natürlich genaus so wenig wie deutsch. Also muß ich meine geringen Spanischkenntnisse zusammenkramen. Den Rest erledigt Google. Für das Moped bekomme ich zwei Scheckkarten: die Cedula Verde und die Habilitacion. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist die Cedula Verde die Zulassung des Fahrzeugs und die Habilitacion für die bezahlte KFZ-Steuer. Jedenfalls muß man immer beide dabei haben.
Die Jungs in der Werkstatt montieren mir noch meine Navi- und CAM-Halter sowie die ebenfalls mitgebrachte USB-Steckdose. Leider passt das Lochbild meines Tankrings für den Tankrucksack nicht. Von Deutschland aus war es nicht möglich, das Lochbild in Erfahrung zu bringen, denn die XTZ 250 wird einzig für den südamerikanischen Markt gebaut. Auch sind die mitgebrachten Schrauben zu labng. Kein Problem, ich fahre ein paar Kilometer zum Werkzeugladen Lincoln S.A. Dort bekomme ich die Schrauben und kaufe gleich ein paar wichtige Werkzeuge und Schülssel. Auf der Rückfahrt hupen mich die dahinterfahrenden Autos ständig an. Was wollen die nur, denke ich bei mir. Bis mir beim Umdrehen klar wird, daß ich beinahe meine Nummerntafel verliere. Die hängt nur noch an einer Schraube. Wieder zurück bei Chacomer wird die fehlende ersetzt und beide unter meiner Aufsicht richtig festgezogen. Der Tankring wird erstmal nur mit einer Schraube befestigt. Ich muß mir erst einen "Taller", also eine Werkstatt suchen, die mir zwei weitere Löcher in den Tankring bohrt.
Bezahlen muß ich glücklicherweise nichts mehr. Der Geldtransfer ging im Vorfeld schon von daheim über die Bühne. Und so bleibt nur noch der Papierkram übrig. Aber auch der ist schnell erledigt und ich kann endlich als "halber" Paraguayer mit meinem in Paraguay zugelassenen Motorrad wegfahren - was ein geiles Gefühl!
Mit 250 ccm und 20 PS ist die XTZ wahrlich keine Rennmaschine, aber für den bevorstehenden Trip hoffentlich gut ausgestattet: ABS und Einspritzpumpe hat sie, sowie große, schlauchlose Speichenräder. Mein mitgebrachtes Flickzeug für Motorradschläuche kann ich also getrost wegwerfen. Ich brauche eher einen Reifenreparaturkit.
Nur unweit meines Hotels finde ich beim Spazierenfahren dann auch eine der vielen kleinen Werkstätten, die es hier überall gibt. Die bohren mir die beiden Löcher des Tankrings für ein paar Euro auf - damit ist auch dieses Problem gelöst.
Wieder im Hotel funke ich gleich Adriana an. Sie ist Mitarbeiterin von Yamaha in Foz do Iguacu in Brasilien. Also gleich hinter der Grenze zu Paraguay. Denn hier in Paraguay bekomme ich nicht alle Zubehörteile, die ich noch dringend benötige: einen Hauptständer, Kofferträger und ein Winds.child. Mit Adriana hatte ich auch im Vorfeld  der Reise schon Kontakt. Sie hat mir all die Dinge angeboten und bepreist. Ich soll mich eine Woche vorher bei ihr melden. Das habe ich hiermit erledigt. Nächste oder übernächste Woche fahre ich dorthin.

Mittwoch, 02. November 2022 - Besichtigung der Produktionsstätte von Chacomer

Heute Mittag treffe ich mich mit Johann U. zu Mittag im Shangri-La Restaurant - der einzig annehmbare Chinese hier in Asuncion, meint er. Johann aus Bayern lebt scho 12 Jahre mit seiner Frau hier in Paraguay. Vor seiner Auswanderung war er jahrelang Konstrukteur bei BMW. Nach 5 Jahren ohne Arbeiten hier in Paragay hat ihn die Lust etwas zu tun wieder gepackt und er hat bei Chacomer angeheurt. Er hat mir bei der Beschaffung meines Motorrads geholfen. Bisher dachte ich, er arbeitet irgendwo in der Werkstatt. Aber weit gefehlt: er ist Chefkonstrukteur in dem großen Produktionsunternehmen Chacomer Asuncion. Dem untergegliedert ist auch mein Yamaha Händler hier. Chacomer baut hier in Paraguay Fahrzeuge der chinesischen Marke Kendo für den hiesigen Markt. Das sind im Wesentlichen Mopeds, Motorräder, Quads und die dreirädrigen Minitransporter. Aber auch Fahrräder gehören zum Portfolio. Er bietet mir an, eine Produktionsführung für mich zu machen. Da sage ich natürlich nicht nein. Die Einzelteile und Rahmen kommen alle aus China hierher und werden hier endmontiert. Mit seiner Erfahrung aus Deutschland hat er es geschafft, die Qualität der Fahrzeuge auf fast europäisches Niveau zu heben. Da werden auch schon mal die Schweißnähte von Rahmenteilen wieder aufgebrochen und vor Ort "anständig" geschweißt. Außerdem entwickelt er hier ganz neue Modelle für Kendo. Auch den Fertigungsprozess hat er hier optimiert, sodaß der Betrieb schlanker und effektiver läuft. Gute anderthalb Stunden schleußt er mich durch fast alle Produktionshallen hier - ein echt interessanter Laden!
Außerdem gibt er mir noch den Tipp, daß wenn ich aus Paraguay hinausfahre in die angrenzenden Länder, ich unbedingt eine Versicherung brauche. Sonst kann man unter Umständen Paraguay erst gar nicht verlassen. Er gibt mir auch gleich den Kontakt zu seiner Versicherungsagentin. Der schicke ich auch gleich meine Unterlagen zu und habe am Abend schon ein Angebot vorliegen.

Donnerstag, 03. November 2022 - Villarica (km 183)

Es wird endlich Zeit, daß ich mal raus komme aus der Metropole Asuncion. Da bietet sich eine Fahrt in die Provinzmetropole Villarica an. Villarica deshalb, da man außerhalb von Asuncion die einheimischen Führerscheine leichter bekommt. Man muß nämlich keine Fahrprüfung machen. Die würden die meisten Praguayer sowieso nicht bestehen!
Bis ich die Mega Metropole Asuncion mit den total überfüllten Straßen und dem stinkenden Verkehr endlich hinter mir gelassen habe, ist bestimmt eine Stunde Zeit vergangen. Aber dann kann ich der Yamaha endlich mal die Zügel lockern und sie etwas schneller galoppieren lassen. Sie läuft eigentlich ganz gut. Aber so 10 PS zu den vorhandenen 20 täten ihr schon gut, denke ich bei mir. Dann müsste man für höhere Geschwindigkeiten nicht in den oberen Drehzahlbereich kommen. Den lasse ich die ersten 1000 km sowieso aus während des Einfahrens des Motors.
Durch einen Tipp meiner Auswanderer-Bekannten hier habe ich schon gestern eine Agentin kontaktiert, die mir die Behördengänge dankenswerterweise abgenommen hat. Drei Stunden später bin ich auch schon am vereinbarten Treffpunkt und kann die Dokumente entgegennehmen. Zwei Führerschein habe ich bekommen, einen fürs Motorrad und einen fürs Auto.
Der zweite Grund warum ich hier draußen in der Pampa bin ist das Eröffnen eines Bankkontos hier in Paraguay. Das kann man immer gebrauchen im Ausland. Mit relativ wenig Aufwand bekommt man das bei der Cooperativen Carlos Pfannl. Das ist die Bank einer sehr großen Agrargesellschaft hier im Süden Paraguays. Die bauen z. B. jetzt grade eine Zuckerrohrfabrik für 20 Millionen (Dollar natürlich). Um da aufgenommen zu werden braucht man zwei Unterschriften (Befürwortern) von schon bestehenden Mitgliedern. Eine Unterschrift leisten mir die Schwäbisch Haller Auswanderer hier und die andere meine Übersetzerin vom vorigen Jahr. Die wohnt hier in Villarica und ist mittlerweile auch Rechtsanwältin, und das als junge Auswanderin aus Deutschland - alle Achtung!
Untergekommen bin ich hier wieder wie im vorigen Jahr im Hotel mit dem unaussprechlichen Namen "Ybyturuzu". Am Abend will ich mir endlich mal die Gebrauchsanleitung der XTZ 250 zur Hand nehmen, um mich damit nächer zu Beschäftigen. Auf dem Buch steht "MANUEL DE VIDA". Aber in dem Buch gibt es keine einzige Grafik oder Fotos, nur Text. Und wenn ich mir das so genauer anschaue, ist das keine Bedienungsanleitung für ein Motorrad, sondern eine Bedienungsanleitung fürs Leben - oder gar das Neue Testament in spanisch. So gefährlich ist hier also die Teilnahme am Straßenverkehr, daß man göttlichen Beistand benötigt!

Freitag, 04. Nobember 2022 - Cooperatiove Carlos Pfannl

Gleich nach dem frühen Frühstück marschiere ich die paar Häuserblocks runter zum Büro von Eileen Myzuka. Sie ist da, hat keinen Kundschaft und unterschreibt mir unter Angabe ihrer Cedula Nummer das Antragsformular für das Bankkonto. Um die Ecke ihres Bürs ist auch ein Notar, der mir für einen Euro zwei Ausdrucke meiner Papiere beglaubigt - denn die brauche ich auh für den Antrag. Auch ein polizeilisches Führungszeugnis habe ich dabei. Bleibt nur noch der Mietvertrag einer Wohung und die zugehörige Strom- und Wasserrechnung - die kann ich natürlich nicht bringen, denn die stellt mir kein Hotel aus. Bleibt also nur, meine Bekannte Daiyana hier in Asuncion. Die kenne ich schon ne Weile und die wohnt hier. Sie schickt mir das aufs Handy und ich fahre los zur Genossenschaft. Die liegt 34 km östlich von Villarica. Das Anwesen ist erstaunlich groß und umfasst auch mehrere 50 Meter hohe Silos zum speichern der Ernten. Das erste was mir positiv auffältt, ist, daß hier deutsch gesprchen wird. Und man redet mich gleich mit "Du" an. Eine der drei jungen Büroangestellten nimmt sich mich auch gleich an und prüft meine Unterlagen. Mit allem ist sie einverstanden, aber mit dem Mietvertrag nicht, denn der ist ja nicht auf meinen Namen ausgestellt. Sie bräuchte noch eine polizeiliche Bestätigung, daß ich auch dort wohne, wo der Mietvertrag ausgestellt ist. Genauer gesagt müssen das 2 Personen auf der Polizei bestätigen. Die stellt dann ein Schreiben aus, das ich vorbeibringen muß. Das Vorstandsgremium von Carlos Pfannl tagt alle 2 Wochen freitags, so auch heute. Dort werden die Anträge genehmigt. Ich kann die Büroangestellte überreden, bei ihrem Chef nachzufragen, ob man die Genehmigung auch schon heute Nachmittag vorab erteilen kann. Und das klappt dann auch. Den Wisch der Polizei muß ich dann am Mittwoch, 16. November zur Kontoeröffnung vorbeibringen.
Heute scheint ein guter Tag zu sein. Denn nachdem das mit dem Konto in letzter Minute noch geklappt hat, hat mich auch Adriana von Yamaha Brasilien in Foz do Iguacu kontaktiert - meine Teile für die XTZ 250 sind nämlich eingetroffen! Also fahre ich nicht zurück nach Asuncion, sondern gleich weiter Richtung Osten, nach Ciudad Del Este. Das ist die große Grenzstadt am Rio Parana, der Paraguay von Brasilien trennt. Dort war ich im vorigen Jahr schon zweimal. Die 200 km sind in drei Stunden abgespult auf dem vierspurigen Highway. Untergekommen bin ich wie immer im Hotel Austria, nur unweit der Grenze. Das gehört der "Österreicherin" Renate. Eigentlich ist sie Paraguayerin, ist aber hier geboren und hat österreichische Wurzeln - und sogar den Dialekt.

Samstag, 05. November 2022 - Ausbau der XTZ 250 (km 454)

Die pulsierende Grenze zwischen Paraguay und Brasilien hier, bildet eine zweispurige Brück über den Parana Fluss. Dort herrscht eigentlich von morgens bis abends hektischer Verkehr. Jeder drängelt was das Zeug hält zur Brücke. Die LKW stauen sich kilometerlang davor. Die dürfen nur nachts rüber. Zwischen den beiden Ländern Paraguay und Brasilien herrscht hier ein Grenzabkommen insofern, daß hüben und drüben eigentlich keine Kontrollen gemacht werden, also keine Immigration notwendig ist - Stickproben ausgenommen. Zum einen wegen des Handels und zum anderen wegen des Tourismus. Denn nur 30 km im Inneren von Brasilien befinden sich die größten Wasserfälle der Welt, die von Iguacu. Die habe ich mir im vorigen Jahr schon angeschaut, bleiben also heute außen vor. Ohne irgendwelches Gepäck fahre ich um halb acht runter zur Grenzanlage Paraguays. Mit dem Moped kann man sich gut an den wartenden Autos vorbeidrücken. Das machen hier alle so. Vor allem die gelb lackierten Motorradtaxis, die es hier zu hunderten gibt. Einfach denen hinterherfahren, dann bist du schon richtig. Und tatsächlichc wollte auch niemand am Zoll etwas von mir. Warum auch? Ich habe ja eine paraguayische Zulassung. Die zwei Kilometer über die Brücke sind auch schnell gefahren. Auf der brasilianischen Seite gibt es dann eine schmale Fahrspur nur für Mopeds. Die führt an einem Grenzposten vorbei. Aber auch die Grenzer dort sind nicht wirklich an mir interessiert. Den fünf Kilometer langen Weg von hier bis ins Zentrum von Foz do Iguacu zum Yamaha Händler kenne ich schon von letzem Jahr. Dort werde ich schon erwartet und kann das Bike gleich durch den Haupteingang durch zur Werkstatt schieben. Der Werkstattleiter Rudies ist der Mann von meiner Agentin Adriana. Er spricht wie sie gut englisch, ist aber Paraguayer. Zwei Monteure machen sich gleich daren meine XTZ auf eine Hebebühne zu schieben und das Windschild, den Kofferträger und den Hauptständer zu montieren - sieht alles sehr professionell aus. Samstags gibt es hier immer Frühstück für die Monteure und die Kunden - da bin ich ja am genau richtigen Tag hierher gekommen. Nach ner Dreiviertelstunde ist auch schon alles montiert und ich mache noch ein paar Fotos mit Adriana und Rudies, sowie dem Chef des Laden hier. Rudies gibt mir noch seine Nummer, falls ich in Südamerika mal was brauche. Denn er hat viele Kontakte und kann mir weiterhelfen, wenn ich mal ne Panne habe. Er selbst ist auch schon ganz in den Süden bis Patagonien gefahren.
Auf eine detaillierte Rechnung verzichte ich, denn falls ich an der Grenze zurück nach Paraguay kontrolliert werde, ´müsste ich dei Anbauteile auch noch versteuern und ggf. eine Strafe bezahlen. Denn der Einfuhrzoll nach Paraguay beträgt 50 Prozent.
An der Grenze zur Brück herrscht jetzt Hochbetrieb. Eine endlose Schlange von Autos warten zur Überquerung. Die Mopeds drängen aus allen Richtungen auf die Straße. Auch ich fahre durch die Botanik, um ganz vorne dabei zu sein. Als die Ampel auf grün springt, starten etwa 100 Mopeds gleichzeitig ihre Motoren und drängen durch die nur 1,5 Meter breite Spur. Die ist rechts und links mit einer Mauer begrenzt, sodaß man höllisch aufpassen muß bei der Durchfahrt. Heruntergebremst wird man immer wieder durch die Höcker am Boden. Aber alles läuft glatt und wieder wollen weder die Brasilianer noch die Paraguayischen Beamten etwas von mir - Phuuu!
Den Nachmittag verbringe ich mit Joggen um den großen See inmitten von Ciudad del Este - ich muß mich dringend bewegen, sonst roste ich ein auf dem Motorrad.

Sonntag, 06. November 2022 - Zurück nach Asuncion (km 998)

Heute steht die Rückfahrt nach Asuncion auf dem Programm. Gesehen habe ich hier schon alles im vorigen Jahr bei meinem ersten Besuch. Zu erwähnen ist der nach dem Yangtse in China zweitgrößte Staudamm der Welt. Dazu wurde der Rio Parana auf einer Länge von bestimmt 100 km aufgestaut. Betrieben wird der von den Brasilianern und den Paraguayern gemeinsam. Er befindet sich etwa 20 km nördlich von CDE. Auch das Highlight der Gegend hier, die größten Wasserfälle der Welt von Iguacu habe ich schon gesehen, genauso wie das Dreiländereck Paraguay-Brasilien-Argentinien, 10 km südlich des Zentrums. Dort mündet ben dieser Rio Iguacu in den rio Parana.
Nach dem Frühstück verabschiede ich mich von der Hotelbesitzerin Renate und sattle die Yamaha. Das geht mit dem Hauptständer jetzt wesentlich einfacher als vorher. Gegen halb zehn komme ich auch schon weg. Am heutigen Sonntag sind die Straßen wesentlich weniger befahren als unter der Woche, was die Fahrt raus aus der Innenstadt Richtung Westen auf den Highway vereinfacht.
Auch das Windschild des Mopeds macht seine Sache gut, hält es mir doch den Fahrtwind von der Brust ab.
Auf der Hinfahrt nach CDE sind mir die vielen Tankstellen am Highway 02 nicht entgangen. Dann kann ich die Karre ja mal "leerfahren", denke ich bei mir. 150 km später als die Tankuhr nur noch einen Strich anzeigt, steuere ich die erste "Gasolinea" an. Aber die ist abgeschrankt und weit und breit niemand zu sehen! Also fahre ich halt in geringerem Tempo weiter. Aber auch die nächste und übernächste Tankstelle sind zu. Langsam wird's eng mit dem Sprit. An einer Kleinstadt verlasse ich die "Autopista" und finde tatsächlich noch eine Tanke, die offen hat. Der Tankwart erklärt mir, daß sonntags die meisten Tankstellen geschlossen sind! Auch die auf der Autobahn. Das hätte ich mal früher wissen sollen.
Im fünften Gang mit mittlerer Drehzahl läuft die XTZ nur etwa 90 km/h. Aber hochdrehen will ich sie nicht während des Einfahrens in den ersten 1000 Kilometern. Also muß ich mich ab und an auch von ein paar Mopeds überholen lassen. Und die 320 km bis zur Hauuptstadt dauern mit Pausen dann doch fünf Stunden.
Einquartiert habe ich mich diesmal im Süden von Asuncion, im Hotel Westfalia. Das gehört zwei deutschstämmigen Schwestern, die in 2. Generation hier leben. Im Hotel treffe ich auf einen deutschen Zahnarzt mit Frau und einen älteren Österreicher. Die sind hierhergekommen, um wie ich im vorigen Jahr die Daueraufenthaltsgenehmigung und die Cedula zu machen - auswanderungswillige Europäer sieht man hier echt viele.

Montag, 07. November 2022 - 1000 km Kundendienst an der Yamaha

Gleich heute nach dem Frühstück kontaktiere ich den Yamaha Händler von Chacomer. Denn ich habe die ersten 1000 km fast abgefahren. Und danach steht der erste Kundendienst an, der noch im Preis inbegriffen ist. Im wesentlichen bedeutet das den Ölwechsel und den Ölfilterwechsel. Wichtige Schrauben werden (mit dem Drehmomentschlüssel!) nachgezogen, und halt eine Sichtprüfung. Viel los ist nicht in der Werkstatt. Deshalb komme ich auch gleich dran. Mein Verkäufer Victor Benitez ist heute nicht da. Dafür sein Kollege Mauricio.
Ganz ohne Bezahlen komme ich dann doch nicht aus dem Laden raus. Denn ich nehme noch 2 Ölfilter mit. Laut Wartungsbuch steht der nächste Ölwechsel schon nach 3000 km an! Das nötige Mineralöl 20W50 bekomme ich hoffentlich überall in Südamerika.
Nach einer Stunde bin ich dann auch schon wieder weg und auf dem Rückweg zum Hotel. Ohne Navi ist das schwer zu finden bei den vielen Einbahnstraßen hier in Asuncion.
Den Nachmittag verbringe ich am Pool des Hotels mit relaxen.

Dienstag, 08. November 2022 - Fahrt nach Encarnacion (km 1411)

Morgen ist in ganz Paraguay eine Volkszählung. Da müssen alle zu Hause bleiben, auch die Touristen. Aber noch einen Tag in der Metropole Asuncion will ich nicht verbringen. Deshalb checke ich aus im Hotel Westfalia und fahre die 369 Kilometer in die Stadt Encarnacion, ganz im Süden von Paraguay.
Bis ich endlich wegkomme ist es schon halb neun Uhr. Also viel zu spät um dem chaotischen Stadtverkehr hier auszuweichen. Bis ich mich endlich durch die Blechlawine der Hauptstadt und der zahlreichen Vororte "gekämpft" habe, dauert es ne gute Stunden. Da mußt du höllisch aufpassen in diesen total überfüllten Straßen. Verkehrsregeln gibt es nicht wirklich. Meist gewinnt der stärkere oder der mutigere Fahrer. Das einzige das man nicht machen darf, ist, bei Rot über die Ampel zu fahren - denn das kann richtig teuer werden. Daran halten sich (fast) alle Paraguayer.
Als ich mich dann freigeschwommen habe, wird die Fahrt gleich viel entspannter. Sie führt immer Richtung Südosten. Viel Abwechslung hat man da nicht, denn das Land ist topfeben. Durch den vielen Regen ist aber alles grün. Viele Rinderherden weiden in der Steppe hier. Die Straße ist gut ausgebaut und abgesehen von einzelnen Schlaglöchern in gutem Zustand. Aufpassen muß man jedoch immer wieder an den "Kamelhöckern", die den Verkehr hauptsächlich an Schulen herunterbremsen (sollen).

Mittwoch, 09. Novomber 2022 - Volkszählung

Heute ist Volkszählung in Paraguay. Die machen das wohl so alle 10 Jahre. Das ganze Land steht still - nichts geht mehr! Alle müssen zu Hause bleiben, ab 5 Uhr früh. Sicherlich haben das viele hier zum Anlass genommen, bis 5 Uhr früh durchzufeiern und durchzutrinken. Ausgenommen vom Hausarrest sind die etwa 200.000 Freiwilligen Zähler, meist junge Leute, die von Haustür zu Haustür gehen mit ihren Fragebögen. Ansonsten sind die Straßen wie leergefegt. Vormittags gegen 10 Uhr klingelt es an der Eingangstür und eine junge, gut aussehende Paraguayerin tritt ein mit ihren Unterlagen. Sie befragt die Rezeptionistin etwa eine halbe Stunde lang und geht wieder von dannen. Eigentlich müsste man ja jezt wieder raus gehen können. Aber die Zählung und die damit verbundene Ausgangssperre geht bis 18 Uhr abends.
Trotzdem wage ich es am Nachmittag bei sonnigen 29 Grad nach draußen und gehe einen Häuserblock weiter. Die ständig patroullierende Polizei wird mich schon nicht sehen. Mein Ziel ist das Haus von "Ste Py". Der ist erst kürzlich mit Frau und Familie hierher ausgewandert und baut sein Haus in ein Restaurant um. Kennengelernt habe ich den über eine der vielen facebook Gruppen über Auswanderer nach Paraguay. Er bietet mir auch an, mit einem bekannten Einheimischen zur Polizei zu gehen um mir zu bestätigen, daß ich bei ihm wohne. Denn diese Unterlagen fehlen mir noch zur Kontoeröffnung bei Carlos Pfannl.
Gegen 18:30 Uhr, also eine Stunde vor Sonnenuntergang, mache ich mich dann auf den Weg zur Ufer- bzw. Strandpromenade des hier gestauten Rio Parana. Dort kann man wunderbar Joggen gehen. Ziel ist die fünf Kilometer entfernte Brücke über den Fluss. Die ist etwa zwei Kilometer lang und verbindet Encarnacion in Paraguay mit der Stadt Posadas in Argentinien.

Donnerstag, 10. Novomber 2022 - Behördengänge

Was ich immer noch für meine Kontoeröffnung  bei Carlos Pfannl benötige, ist eine Bestätigung über einen Wohnsitz hier in Paraguay. Und die bekommt man z. B. bei der Polizei, wenn man keinen eigenen Mietvertrag hat. Man braucht lediglich zwei Zeugen, die bestätigen, daß man bei einer bestimmten Adresse wohnt - so einfach ist das hier. Denn ein Melderegister gibt es natürlich nicht. Glücklicherweise habe ich einen Bekannten hier in Encarnacion, der weiterhelfen kann. Genauer gesagt ist es der Bekannte des Bekannten, ein Paraguayer. Denn der kennt ein paar Polizeibeamten persönlich. Bei der ersten Polizeiwache haben wir Pech. Denn sein Kumpel wurde wegen Ungereimtheiten 30 km weiter versetzt. Der Beamte verweist auf eine neue Regelung. Nach dieser benötigt man erst einen Auszug aus dem Register von Interpol, das besagt, daß man keine krummen Dinge gedreht hat hier. Die Büros von Interpol sind zum Glück nur 100 Meter weiter. Dort aber gibt es wieder Hürden zu überwinden. Denn meine Cedula, also mein paraguayischer Personalausweis, wurde letztes Jahr in Asuncion ausgestellt. Das bedeutet, daß die erst Informationen von dort anfordern müssen. Und das kann bis zu einer Woche dauern. So lange Zeit habe ich natürlich nicht.
Also machen wir uns auf und fahren 2 Kilometer weiter zum Polizeiposten eines anderen Distrikts. Die "bekannte Person" dort ist sehr viel hilfreicher und stellt das benötigte Dokument mit der Wunschadresse sofort aus, gegen eine geringe Gebühr - geht doch! Die beiden Zeugen auf dem Dokument kenne ich auch nicht - egal. Und auch eine zweite Kopie kann ich anstantslos bekommen. Und das alles ohne Interpol. Es ist halt wie immer in Paraguay: mit Vitamin B kommt man am besten und am schnellsten zum Ziel!
Die Abende hier verbringe ich meist im Restaurant "ALEXA". Alex ist Österreicherin und vor vier Jahren hierher ausgewandert. Bei ihr gibt es gute mitteleuropäische Küche.

Freitag, 11. November 2022 - Fitness und Fummeln am Motorrad

Nachdem ich vorgestern Joggen war, steht heute Vormittag seit langem mal wieder Fitness auf dem Programm. Das Fitness Studio kenne ich schon von letztem Jahr und habe es auch schnell wieder gefunden. Für ne Tageskarte bezahlt man 20.000 Guarani, also etwa 3 Euro. Die Geräte sind zwar etwas altmodisch, aber insgesamt noch ganz gut intakt. Nach anderthalb Stunden bin ich dann auch richtig platt und schleiche mich wieder vondannen.
Was mir am Moped noch fehlt, ist eine kleine Werkzeugkiste. Denn Bordwerkzeug liefert Yamaha (natürlich) nicht mit. Analog meiner BMW F650 will ich die "Kiste" aus einem Stück Abwasserrohr und zwei Deckeln basteln. Das Plastikrohr mit einem Durchmesser von 75 mm bekommt man in jeder Eisenwarenhandlung. Die heißen hier "Ferreteria". Die zu diesem Durchmessser gehörenden Rohrschellen mit Gewindeanschluß bekommt man jedoch nirgends, jedenfalls nicht in den fünf Läden, in denen ich war. Denn ich hätte das Rohr gerne analog der BMW vorne unten am Motorrahmen hinter dem Vorderrad befestigt. Anstattdessen landet die Kiste jetzt halt hinten links unter dem Kofferträger - dort befestigt mit Klettbändern und Schlauchschellen.
Da heute, im Vergleich zu gestern, schönes Wetter ist (33 Grad), setzte ich mich in die Strandbar "real" und genieße den Sonnenuntergang über Posadas in Argentinien.

Samstag, 12. November 2022 - Deutscher Markt in Encarnacion

Seit ein paar Wochen gibt es hier in Encarnacion einen deutschen "Freiluftmarkt", immer samstags. Den lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Auch wenn das Wetter heute etwas durchwachsen ist. Allzu groß ist der Markt noch nicht. Aber man kann hier deutsche Erzeugnisse kaufen, wie z. B. Schwarzbrot, Gebäck, Wurst- und Käsewaren. Aber auch Reinigungsmittel und Flohmarktartikel werden preis geboten. So kurz nach dem Frühstück ist mir noch nicht nach einer Bratwurst, aber zu einer Crepes kann ich nicht nein sagen.
Mehr als die angebotenen Waren interessieren mich aber die Leute hier. Das sind fast alles deutsche Auswanderer. Einige gute Gespräche konnte ich führen. Da ist zum einen der motorradfahrende Bratwurstverkäufer aus der Nähe von Eppingen. Der kennt sogar die Löwensteiner Platte. Oder aber Lothar, der viele Tipps zur Geldanlage hier geben kann. Leider fängt es gegen Mittag zu regnen an. Und so setze ich mich aufs Moped und fahre zurück zum Hostel.
Am Nachmittag fahre ich dann zum Stadtrand und besuche den Paraguayer Andres. Den kenn ich noch von vorigem Jahr.
Lautes Gehupe, Dröhnen von Musik aus fahrenden Autos deuten am Abend auf ein Ereignis hin. Zunächt dachte ich an den Beginn der Karnevalszeit am 11.11. Doch heute ist schon der 12.11. Des Rätsels Lösung: es handelt sich um das Endspiel um die paraguayische Fußballmeisterschaft. Die hat wie wohl fast immer der Club Olympia Asuncion gewonnen, diesmal jedoch ohne den früher bei Bayern München spielenden Roque Santa Cruz. Denn der spielt mit inwzischen über 40 Jahren bei einem anderen Club. Jedenfalls ein tolles Spektakel in der Innenstadt von Asuncion. An einer Tankstelle kaufe ich mir eine Dose Bier und mische mich unter die Feiernden. Immer wieder öffnet einer die Heckklappe eines parkenden Autos, um aus dem Kofferr4aum die ganze Straße mit übergroßen Ghettoblastern zu beschallen. Dann fangen die Menschen an zu tanzen auf den Straßen und machen sogar ne Polonaise. Aber alles verläuft friedlich und von Polizei weit und breit keine Spur.

Sonntag, 13. November 2022 - Der Herbst ist zurück

Das Wetter ist noch sehr unbeständig hier. War es gestern bei eidlem Sonnenschein noch 33 Grad heiß, so zeigt das Quecksilber heute nur 19 Grad an. Außerdem ist es bedeckt und regnet immer wieder. So kalt wie dieses Jahr, war es noch nie im November hier. Schuld daran ist, hat man mir gesagt, nicht "El Nino", sondern "La Nina". Also nicht der Wettersohn, sondern die Wettertochter - ja wenn die Mädels verrückt spielen ... . Und immer wird erzählt, wir leiden unter einer globalen Erwärumung. Davon ist derzeit hier nichts zu spüren.
Ein Tag wie geschaffen, um mal die Internetseite zu aktualisieren. Das kann ich deshalb tun, da just heute mein Kollege Torsten bei mir zu Hause im Keller meinen Web-Server wieder auf Vordermann gebracht hat. Eine Festplatte war defekt und somit der Server nicht mehr erreichbar.
Das Joggen am Spätnachmittag hätte ich mir schenken können. Denn als ich maximal vom Hostel entfernt war (5 km), hat es natürlich wieder zu Schütten begonnen. Und somit bin ich klatschnass zu Hause angekommen.

 

Montag, 14. November 2022 - Kleinigkeiten

Was mir noch fehlt für meine Werkzeugkiste, ist ein Stofftuch, in das das Werkzeug gepackt wird, damit es beim fahren nicht scheppert. Praktischerweise wird das ein grober Putzlappen aus dem Supermarkt. Mit dem gehe ich sofort zur nächsten Näherei und lasse die Seiten zunähen, sodaß das Werkzeug nicht herausfallen kann. Weiter fehlen mir noch links und rechts des Sturzbügels je ein Gummipuffer. Den brauche ich dringend, um mal während des Fahrens die Beine hochstellen oder auch ablegen kann. Damit hätte ich wie bei der BMW drei verschiedene Sitzpositionen. Wenn man stundenlang auf der Karre sitz, ist es unbedingt notwendig sich mal anders platzieren zu können. In der fünften Ferreteria habe ich endlich Glück und bekomme die Gummipuffer, wenn auch nicht in der gewünschten Länge. Und das Lochbild passt auch nicht zu meiner Schraube. Also ab damit zum "Taller" meines Vertrauens. Da ich hier keinen Taller (Werkstatt) kenne, gehe ich zu dem Moped-Schrauber meines Bekannten Ste-Py. Der schnappt sich gleich seinen Akkubohrer und bohrt mir die Dinger für umme auf, sodaß ich die gleich festschrauben kann - wieder ein Problem weniger!
Am Nachmittag mache ich noch eine Stipvisite bei Lother. Der wohnt auch hier und hat mich am Samstag auf dem deutschen Markt eingeladen.

 

Dienstag, 15. November 2022 - Fitness und Besuch bei Auswanderern

Heute ist mein vorerst letzter Tag hier in Encarnacion. Am Vormittag mache ich mich nochmals auf ins "Cultura Fitness" um meine müden Muskeln zu stärken.
Ein wirklich reichhaltiges, großes Mittagsbuffet wird täglich im Einkaufszentrum der Kette "SuperSeis" angeboten. Vor allem das Salat- und Gemüsebuffet ist mir wichtig. Denn Fleisch bekommt man praktisch an jeder Straßenecke serviert. Bezahlen tut man nach Gewicht.
Am Nachmittag packe ich meine sieben Sachen und checke aus vom Casa de Pedro Hostel. Mein Ziel liegt etwa 60 km westlich von Encarnacion in der "Pampa". Denn dort wohnt eine Auswandererfamilie aus meiner Nachbarstadt. Die habe ich durch einen Bekannten kennengelernt. Deren Grundstück ist über 7 Hektar groß und liegt gute 10 km vom Highway 08 im Landesinneren. Hin führt nur eine unbefestigte, aber gut zu befahrende Staubpiste. Mit der geländegängigen XTZ problemlos zu befahren. Wenn es einen wirklich ruhigen Ort gibt, dann hier. Denn die paraguayischen Nachbarn sind auch ein Stückentfernt. Ein neues Haus mit Aussicht und ein Brunnen sind auch schon im Bau. Bauvorschriften gibt es hier keine.

 

Mittwoch, 16. November 2022 - Weiter nach Independencia

Am späten Vormittag packe ich wieder meine sieben Sachen, verabschiede ich mich von meinen Gastgebern aus der Pampa und fahre mit 35 Sachen die Staubpist zurück zur Routa 08. Von dort sind es noch gute zwei Stunden Fahrt über Villarica zur deutschen Hochburg Independencia. Auch hier war ich im vorigen Jahr schonmal. Meine Unterkunft wird wie damals das Hostel Posadas Las Mercedes. Das gehört einem Deutschen und seiner paraguayischen Frau.

 

Donnerstag, 17. November 2022 - Wieder zurück nach Asuncion

Eigentlich bin ich hierhergekommen um mein hiesiges Konto bei der Cooprativen Carlos Pfannl zu eröffnen. Wie Schuppen von den Augen fällt mir aber heute früh ein, daß der 16.11. ja nicht heute ist, sondern schon gestern war! Ich bin also einen ganzen Tag zu spät dran. Trotzdem fahre ich die paar Kilometer auf Naturkopfsteinpflasterstraße zu deren Büro. Leider können die mir heute keinen Termin anbieten. Erst wieder nächste Woche. Aber so lange kann ich nicht warten. Also wird das ganze auf nächstes Jahr verschoben, wenn ich meine Tour hier beendet habe.
Bis ca. 50 km vor die Hauptstadt läuft der Verkehr ordentlich. Aber dann nimmt die Dichte zu und alles wird hektisch und chaotisch. Verkehrregeln scheint es keine zu geben. Und wenn dann hält sie keiner ein - denn die sind schlichtweg den meisten nicht bekannt. Kann man doch seinen Führerschein überall kaufen. Es gibt hier nur zwei "No-Gos": bei Rot über die Ampel geht gar nicht, macht auch fast keiner. Und Alkohol am Steuer wir hier richtig teuer: 0,00 Promille. Wieder im Zentrom von Asuncion quartiere ich mich wie letzte Woche im Westfalia Hotel ein. Dort treffe ich wieder auf den Österreicher Willi. Der ist schon etwas länger hier und will morgen weiterzeihen.

Freitag, 18. November 2022 - Letzter Feinschliff an der Ausrüstung (km 2112)

Heute heißt es früh aufstehen. Denn mein Tag wird wohl lang werden. Denn ich will zunächst das Hotel wechseln. Ungefähr 10 km weiter Richtung Nordosten, in den Stadtteil, wo meine Bekannten  aus Hall wohnen, die erst im Frühjahr hierhergezogen sind. Denn die haben noch einen Teil meiner Ausrüstung (z. B. Schlafsack, Isomatte, ...). Das werde ich wohl die nächsten Wochen für die Reise brauchen. Ein paar andere Dinge will ich hierlassen. Denn mein Gepäck ist begrenzt.
Fast um die Ecke wo die wohnen, ist die Pension "Casa y Jardin", Heim und Garten. Die wird von einer Deutschstämmigen Frau betrieben. Ihre Großeltern sind hier eingewandert.
Gleich nach dem Einchecken schwinge ich mich wieder auf das Bike und fahre zum Cycles Shop von Oskar Klaasen. Die hat ir Johann U. wärmstens empfohlen. Sie verkaufen Assecoires für Motorräder. Denn ich brauche noch einen Ersatzkanister, der hinter den Kofferträger passt. Der kleine 3,5 Liter Kanister passt genau dorthin, kostet aber stolze 50 Euro mit Montagematerial. Aber was hilfts? In den Weiten von Chile und Argentinien brauche ich den bestimmt. Was mir zur Montage am Motorrad noch fehlt, ist eine Metallplatte am Kofferträger. Denn dort wird der befestigt. Leider konnte ich keine Schweißer finden für die Platte. Denn das muß wohl MIG geschweißt werden. Dann wird der halt erstmal leer mit einem Spanngurt befestigt. Vielleicht finde ich ja in der Mennonitenhauptstadt Fernheim jemanden, der mir das besorgen kann. Denn das wird das nächste Ziel.
Was ich noch dringend brauche, ist ein kleines Zelt. Für den Notfall, falls ich mal in der Pampa strande und keine Bleibe finde. Camping 44 hat mir auch Johann empfohlen. Die haben ein kleines, leichtes Zweimannzelt. Das macht mir aber nicht grade den stabilsten Eindruck. Also fahre ich halt nochmals weitere 11 km raus aus der Stadt zu Outdoor Chaco. Die Fahrt ist jedoch der Horror, wegen des Verkehrs. Dort angekommen stellt sich Ernüchterung ein. Wegen Stromausfalls ist heute geschlossen. Also wieder 11 km Horrorfahrt Richtung Zentrum zu Camping 44. Dann kaufe ich halt doch das überteuerte Zweimannzelt - was bleibt mir anderes übrig?
Im Innenhof der Pension kann ich dann endlich mal die Satteltaschen am Moped befestigen und mit dem Nötigsten befüllen, sodaß die Packtasche nicht immer so voll wird, wie die vergangenen zwei Wochen. In die rechte Packtasche kommt die Campingausrüstung rein. Denn die brauche ich hoffentlich selten. In die linke dann Ersatz- und Verschleißteile des Mopeds.

 

Samstag, 19. November 2022 - Auf in den Chaco zu den Mennoniten (km 2579)

Nach 2,5 Wochen Vorbereitungen und etwas Urlaub zwischendrin, startet die (hoffentlich) große Tour heute. Und als erste Etappe stehen stolze 500 km vor mir. Ziel ist die Stadt Filadelfia (wie sie im spanischen heißt), oder besser gesagt Fernheim. Die liegt mitten im Chaco. Der Chaco bildet mit etwa 2/3 Landfläche den Nordwesten Paraguays. Er ist relativ dünn besiedelt. Die dort lebenden Mennoniten betreiben Landwirtschaft und Viehzucht.
Um der Hitze und dem Verkehrschaos in Asuncion zu entgehen, stehe ich um fünf Uhr auf und fahre um sech Uhr weg. Um diese Zeit kommt man noch gut aus der Stadt hinaus. Die Fahrt führt erst nach Norden zur Stadtgrenze von Asuncion und dann Richtung Westen über die Brücke des Rio Paraguay. Wenig später bin ich dann auch schon auf der Routa 09. Die führt immer geradeaus nordwestwärts. Kurven gibt es kaum. Und wenn man dann doch einmal eine langgezogene Kurve vori sich hat, wird diese mit "peligroso" - gefährlich angekündigt.
Die Tankstellen sind in etwa 100 km voneinander entfernt. Vorsichtshalber tanke ich jedesmal voll. Der in die Jahre gekommene Highway 09 wird gerade durch einen neuen, linksseitig des alten ersetzt. Die Yamaha schnurrt bei 6000 Umdrehungen schön vor sich hin. 100 ccm mehr zu den vorhandenen 250 hätten ihr jedoch gut getan. Dann hätte sie anstatt der 20 PS etwa 30. Und das Getriebe könnte länger übersetzt werden, und somit wäre die Geschwindigkeit im mittleren Drehzahlbereich 110 anstatt der 90. Von Verkehr keine Spur. Lediglich LKWs fahren hier einige, um den Chaco zu beliefern oder aber Vieh und Getreide in den Süden zu bringen. Mit Tagesanbruch steigt die Temperatur rasch an. Gefühlt wird es alle 50 km ein Grad wärmer. Und als ich nach endlosen sechs Stunden Fahrtzeit dann in Fernheim ankomme, zeigt das Thermometer dort schon 42 Grad an. Dabei hat der Sommer hier noch gar nicht begonnen. Als ich letzten Januar im Hochsommer zwei Tage hier war, waren es bestimmt 50 Grad. Hier sind nur die Hauptstraßen asphaltiert, alle anderen sind Staubpisten. Eigentlich hatte ich gehofft, daß heute Nachmittag hier noch die Werkstätten offen haben. Denn ich brauche noch eine Aufnahme für den Ersatzkanister. Aber die einzig offene um halb eins mittags kann mir nicht weiter helfen.
Es gibt einige Hotels hier in der Stadt. Das einzige, das jedoch einen Pool hat, ist das Hotel Florida. Das kostet etwas mehr, ein Pool zur Abkühlung ist bei diesen Temperaturen jedoch fast unersetzlich. Vor allem für den Ruhetag morgen.

 

Tag des Museums - die Mennoniten

Glück im Unglück für mich heute Nachmittag: die Werkstätten haben leider zu, dafür ist hier heute der Tag des Museums. D. h. alle Museen haben offen und es kostet keinen Eintritt.
Auszug aus der Geschichte der Mennoniten:
Die Gründer der Kolonie Fernheim sind Russlandmennoniten mit deutscher Kultur. Sie verließen Russland wegen des Kommunismus und Stalins Fünf-Jahres-Plan.
Die Hauptgruppe kam Ende 1929 über Moskau nach Deutschland. Die erste Schiffsgruppe, rund 350 Leute, verließ Anfang März 1930 Norddeutschland und kam Ende April im Chaco an. Drei größere Gruppen und einige kleinere folgten. Diese Gruppen gründeten 11 Dörfer. Eine kleine Gruppe aus Polen gründete ein Dorf in der neugegründeten Kolonie Fernheim.
Im Dezember 1930 flüchteten Mennoniten über den Amurfluss nach China. Sie wohnten über ein Jahr in der Stadt Harbin. Eine Gruppe von 373 Personen kam mit dem Schiff um Indien herum, durch den Suez-Kanal. Mit dem Zug durchquerten sie Frankreich. Im Mai 1932 erreichten sie den Chaco und gründeten  vier Dörfer in der Kolonie Fernheim. Insgesamt siedelten in Fernheim rund 2000 Personen an.
Die Mennoniten machten unter unmenschlichen Bedingungen das unwirtliche Land im Chaco urbar. Für die ersten drei Generationen hier gibt es ein bezeichnendes Sprichwort:
"Die erste Generation TOT,
die zweite Generation NOT,
die dritte Generation BROT."
Erst die jetzige, vierte Generation hat es zu Wohlstand gebracht.
Am Spätnachmittag kann man hier noch eine Sternfahrt alter Traktoren bewundern. Die fahren die Hauptstraße "Avenida Hindenburg" einmal rauf und wieder runter. Zahlreiche Zuschauer säumen die Straße und applaudieren.
Besichtigt habe ich das "Museo Industrial Fernheim". Darin kann man alte Landwirtschaftliche Geräte besichtigen. Und auch die ersten Dampfmaschinen, mit denen Strom erzeugt wurde. Außerdem wurden die Kreissäge, das Gatter und eine Mühle damit angetrieben. Angebaut wurde seinerzeit schon Baumwolle und Erdnüsse, die in einer Raffinerie zu Öl gepresst wurden.
Das zweite, sehr interessante Museum hier, ist das Heimatmuseum. Darin erfährt man alles über die Geschichte der Mennoniten hier (siehe oben).

 

Sonntag, 20. November 2022 - Ruhetag in der Geisterstadt Fernheim

Am Sonntag schent das Leben in Filadelfia bzw. Fernheim stillzustehen. Nach dem Frühstück laufe ich mal zwei Häuserblocks weiter zur "Hojalateria Filadelfia". Das ist eine Schweißerei, die mir gestern Nachmittag im hiesigen Handwerkermarkt empfohlen wurde. Denn ich brauche dringend ein Blech mit 3 Löchern am Kofferträger angeschweißt, damit ich den Ersatzkanister richtig befestigen kann. Außerdem sind vier Winkel erforderlich, um die beiden Satteltaschen aufnehmen zu können. Denn nur an den Riemen aufgehängt, hält das nicht ewig. Das hat die gestrige Etappe gezeigt. Die Hojalateria öffnet morgen früh gleich um sieben Uhr. Das kommt mir entgegen.
Die Stadt ist tatsächlich wie leergefegt. Es ist niemand draußen. Das einzige, was hier fegt, ist der Wind durch die unbefestigten Straßen und Gassen. Der wirbelt gehörig Staub und Sand auf und trägt den überall hin. Ich komme mir vor wie in einer Geisterstadt im Wilden Westen. Sie erinnert mich sehr an die Stadt Beyneu in Kasachstan, durch die ich 2017 auf der Asientour gefahren bin.
Wieder im Hotel mache ich mich daran, die beiden Satteltaschen abzumontieren, damit die Kofferträger freiliegen. Als nächstes werden die Givi-Aufnahmen für Koffer vom Träger abmontiert. Denn die stören nur für die Satteltaschen. Damit ich der Schweißerei morgen gleich klarmachen kann, was ich benötige, erstelle ich eine 3D-Zeichnung mit Einzelteilen in spanisch (Google hilft).
Ansonsten bin ich heute nur noch 1,5 km zu einer Tankstelle gelaufen und habe mir eine leere Honigdose mit Diesel füllen lassen. Das benötige ich, um die Kette der XTZ mit einem Pinsel vom Staub und Dreck der Straßen zu reinigen.
Am Spätnachmittag kommt auch noch ein mächtiges Gewitter mit Starkregen und böigem Wind auf. Dabei sinken die Temparaturen von 42 auf angenehme 28 Grad. Aber der Badetag fällt doch leider ins Wasser.

Montag, 21. November 2022 - Letzter Feinschliff am Moped

Heute heißt es früh aufstehen. Denn die letzten Wartungsarbeiten am Moped müssen erledigt werden. Und ich weiß noch nicht, wer das machen kann. Kurz vor sieben stehe ich vor der Werkstatt Hojalateria, die mir vorgestern empfohlen wurde. Der Besitzer heißt bezwichnenderweiße Hildebrand und spricht deutsch. Allerdings ist das keine Schweißerei sondern nur eine Flaschnerei. Doch gleich im Laden nebenan schweißt ein älterer Rentner noch aus Zeitvertreib kleinere Dinge. Der müsste demnächst da sein, so Herr Hildebrand. Kurze Zeit später fährt auch ein Klienwagen vor und ein älterer Herr steigt aus. Er heißt Abraham Koews und ist schon 75 Jahre alt. Ich erkäre ihm meine beiden Probleme und zeige ihm was ich brauche. Er spricht perfekt deutsch, was die Sache erleichtert. Denn auch seine Vorfahren stammen aus Deutschland. Wührend er schon mal ein Stück Stahlblech für den Halter des Ersatzkanisters holt, demontiere ich die Sitzbank und klemme die Batterie ab, damit die Elektronik beim Schweißen nicht kaputt geht. Im Handumdrehen nimmt Abraham Maß, schneidet das Blech mit der Flex zurecht und wir zeichnen die Löcher für den Halter an. Nachdem die gebohrt sind, holt er das Schweißgerät heraus und macht sich an die Arbeit das Blech am Kofferträger festzuschweißten. Während Abraham jetzt erstmal Frühstückspause macht, laufe ich zum nahe gelegenen Heimwerkermarkt und kaufe 8 Schrauben samt Muttern und Unterlegscheiben. Denn damit werden die 4 Winkel unten am Kofferträter festgeschraubt. Auf denen sollen später die Satteltaschen aufliegen. Bei der Fahrt von Asuncion nach Fernheim hat sich gezeigt, daß die Spannbänder das Gewicht der Satteltaschen nicht ewig halten. Ne halbe Stunde später sind auch die vier Winkel gebogen, gebohrt und angeschraubt. Jetzt noch alles mit der Sprühdose schwarz lackiert und das Gewerk sieht profesionell aus - Abraham sei Dank!
Jetzt noch schnell an der Tankstelle vorbeifahren und gegen Mittag bin ich dann auch ausgechecked im Hotel Florida. Ich will grade wegfahren, da spricht mich ein Einheimischer in fast perfektem deutsch an. Er heißt Franz Dück und auch sein Großvater ist aus Europa hierher ausgewandert. Er fährt dasselbe Bike wie ich, nur ein etwas älteres Modell. Wir kommen schnell ins Gespräch und als ich ihm erzähle, daß ich nach Bolivien fahren will, zückt er gleich sein Handy und gibt mir drei Kontakte in Villa Montes und Tarija, meine nächsten Ziele in Bolivien. Ein kurzer Telefonanruf von ihm beim Administrator der WhatsApp Gruppe "RIDERS BOLIVIA" und ich bin in null-komma-nichts Mitglied der Gruppe - toll! Sein Bekannter aus Tarija hat sogar mal an der Rallye Dakar teilgenommen! Den muß ich unbedingt kennenlernen. Und wenn ich mal nicht weiterkomme, kann ich mich direkt bei Franz melden - gut zu wissen. Mit so vielen Infos im Gepäck lässt sich's viel leichter nach Bolivien fahren.
Mein heutiges Tagesziel ist nur 80 Kilometer nordöstlich von Fernheim. Es ist die letzte Stadt vor der bolivianischen Grenze. Die heißt Mariscal. Auch dort war ich in dieses Jahr im Januar schonmal. Nach ner Stunde Fahrt ist das Ziel auch schon erreicht und auch das Hotel La Estancia finde ich gleich wieder. Zu Mittag gibt es hier nichts, und Restaurants auch nicht wirklich. Die einzige Kneipe an der Hauptstraße kann mir jedoch ein paar Lomitos zubereiten. Das sind größere Teigtaschen, mit Fleisch gefüllt. Als ich mit meinem Spanisch ins Stocken gerate, werde ich gleich in deutsch angesprochen. Denn wie viele hier, die ein Business oder Geschäft betreiben, sprechen sie deutsch. Deshalb, so meint die Chefin, weil die Paraguayer einfach zu faul zum Arbeiten sind. Und auch geschäftstüchtig sind die nicht. Die leben halt in den Tag hinein. Deshalb hat man ja die Deutschen hierher geholt. Wenn es hier jemand zu Wohlstand oder gar Reichtum gebracht hat, ist er zu 99% deutschstämmig.
Überlegt hatte ich mir auch, die 30 km Offroad zum Örtchen Rosaleda zu fahren, das westlich von hier liegt. Da war ich im Januar schon ne Woche zu Gast im schweizerisch geführten Rosaleda Resort. Aber nach den Niederschlägen gestern habe ich keine Lust 2x 30 km auf unbefestigten Sandpisten zu fahren. Außerdem will ich morgen früh losfahren, falls es zu Wartezeiten an der Grenze kommt.

 

 

 

Related posts

Schreibe hier deinen Kommentar

Danke! Dein Kommentar wird alsbald veröffentlicht.