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Bolivien | Peru | Chile | Argentinien 2025

Anreise nach Paraguay und Vorbereitungen

   

Samstag, 01.11.2025 – Ankunft in Asuncion und Choppfest 2025

Nach langen 11 Stunden Flug komme ich etwas übermüdet morgens um 07:45 Uhr in der Hauptstadt Paraguays, Asunción, an. Durch die Immigration bin ich schnell durch. Die wollen auch nicht meinen deutschen Reisepass sehen – denen reicht mein paraguayischer Personalausweis. Bis meine beiden Gepäckstücke dann ankommen, vergeht aber noch eine weitere Stunde. Dann nichts wie raus aus dem Flughafengebäude und rein ins nächste Taxi. Für 110.000 Guaraní fährt der mich direkt zum Terminal de Autobus. Am Schalter für Villarrica bekomme ich auch gleich eine Fahrkarte für 55.000 in dieselbige Stadt. Und schon 15 Minuten später sitze ich im Bus dorthin. Bis der jedoch die Großstadt Asunción hinter sich gelassen hat, vergehen weitere 2 Stunden.
In der Kleinstadt Mbocayatý kurz vor Villarrica, lasse ich mich absetzen. Denn von hier nach Independencia sind es nur 20 km. Eine halbe Stunde später steht mein Bekannter Thomas schon da und holt mich ab.
Heute Abend schauen wir uns das Großereignis Choppfest an. Thomas hat im Vorfeld schon Eintrittskarten besorgt. Das Choppfest ist dem Oktoberfest nachgestellt und wird von vielen tausend Leuten besucht. Leider ist das Wetter schlecht und es regnet immer wieder mal stark. In der großen überdachten Halle spielt eine Blaskapelle mit “Quetschkommode” auf der Bühne deutsche Musik, während draußen auf dem Sportplatz eine riesige Bühne aufgebaut ist. Davor scharen sich tausende junge Paraguayer zu internationaler und paraguayischer Rock- und Popmusik. Zu essen gibt es Eisbein und Bratwürste vom hiesigen Metzger “Willy”. Getrunken wird fast ausnahmslos Bier. Dieses Jahr der Marke Pilsen, im Jahr davor noch Munich. Die 16.000 Besucher haben 40.000 Liter Bier “vernichtet” – 40.001, meinen Liter eingerechnet. Hier kann man sich die Maß Bier für knapp 3 Euro noch gut leisten.
Sonntag, 02.11.2025 – Ruhetag
In meiner Unterkunft, 5 km Luftlinie entfernt vom Festtreiben höre ich die ganze Nacht noch Lifemusik, so laut ist die. Erst morgens um 8 Uhr scheint Schluß zu sein. Den Tag verbringe ich gechillt mit meiner Auswandererfamilie.

 

Montag, 03.11.2025 - Wiedersehen mit der Yamaha XTZ 250

Früh um sieben lasse ich mich von Thomas, dessen Sohn zur Deutschen Schule gebracht wird, bei Harry absetzen. Also dort, wo sich mein Moped (hoffentlich) noch unberührt befindet. Und tatsächlich steht es an Ort und Stelle in seinem Schuppen. Genau da, wo ich es vor 8 Monaten zurückgelassen habe. Auch all mein hiergelassenes Gepäck ist noch da. Nur den Motorradschlüssel finden wir nicht, obwohl ich mir 100% sicher bin, ihn hiergelassen zu haben. Aber selbst nach langem Suchen bleibt er unauffindbar. Also muss erstmal der Zweitschlüssel her, den ich am Moped versteckt untergebracht habe.
Einen Teil des Gepäcks, das ich nicht brauche, lasse ich bei Harry zurück. Dazu zählt auch meine Campingausrüstung. Denn die habe ich in den vergangenen drei Jahren nicht ein einziges Mal gebraucht.
Untergekommen bin ich wie voriges Jahr in Melgarejo in einem Apartment von Wilfrido. Er arbeitet bei der Municipalidad (Bürgermeisteramt) hier. Das Apartment hat zwei Zimmer und kostet 10 Euro pro Tag. Leider ist es direkt an der lauten Hauptstraße.

 

Mittwoch, 05.11.2025 - Montagetag

Regentag = Ruhetag. Das Wetter ist kühl und regnerisch. Da bleibt man tagsüber mal zu Hause. Das gibt mir die Gelegenheit, die mitgebrachten, neuen Satteltaschen an der Yamaha zu montieren. Dazu muss temporär der Ersatzkanister wieder ab- und angebracht werden. Auch der neue, mitgebrachte Navihalter wird angeschraubt sowie das neue USB-Ladegerät verlegt.
Am Nachmittag fahre ich nach Planta Urbana hoch, um mich mit Harry auf eine Flasche Weißwein zu treffen. Nachts bei der Rückfahrt höre ich ein kurzes, komisches, schleifendes Geräusch, das schnell wieder weg ist. Bei der Ankunft dann das böse Erwachen: den Ersatzkanister habe ich wohl doch nicht richtig angeschraubt und gerade eben verloren. Ich fahre natürlich sofort zurück, um nach dem Kanister zu suchen. Aber den hat wohl schon ein vorbeifahrendes Auto gesehen und mitgenommen – wieder mal 40 Euro verloren. Schlimmer noch als die 40 Euro ist die Tatsache, dass ich den vor 2 Jahren schon mal in den argentinischen Anden verloren habe und ihn nur in der Hauptstadt Asunción bekomme.

 

Sonntag, 09.11.2025 - Ciudad del Este

Ich muss dringend nach Foz do Iguaçu in Brasilien fahren zum Yamaha-Händler. Denn ich brauche einen neuen Kettensatz mit möglichst größerem, vorderem Ritzel, ein Topcase und vor allem einen neuen Ersatzschlüssel. Denn der Originale ist bis heute nicht aufgetaucht.
Also starte ich heute früh um sieben Uhr und fahre die 220 km bis zur Grenzstadt in Paraguay, Ciudad del Este. Dort habe ich mir, wie immer, ein Zimmer im Hotel Austria reserviert. Das gehört der Tirolerin Renate. Sie ist Paraguayerin, aber ihre Vorfahren stammen aus Österreich.
Von Montag bis Samstag herrscht in CDE reges Einkaufstreiben, denn die Stadt ist eine zollfreie Zone. Hier kann man wirklich alles kaufen, von teurer Markenware bis zur billigen Imitation. Viele Brasilianer nutzen den kleinen Grenzverkehr ohne Immigration zum Einkaufen und fahren über die notorisch überlastete Brücke des Río Paraná. Nur sonntags, also heute, wirkt CDE wie eine Geisterstadt, alle Läden sind zu. Ein paar große Kaufhäuser jedoch haben auch heute offen, und so kann ich mich mit T-Shirts und ein paar Elektronikartikeln versorgen.
Und weil heute keine Brasilianer kommen, hat auch im Hotel Austria das Restaurant geschlossen. Sehr schade, denn Eisbein mit Sauerkraut hätte ich mir schon gerne gegönnt. Also bleibt halt ein chinesisches Restaurant in der Innenstadt die Alternative.
Am Abend muss ich jedoch das mit der Geisterstadt revidieren. Denn heute waren hier in der Stadt Wahlen. Anscheinend haben die richtigen Kandidaten gewonnen. Denn ab 19 Uhr wird die Innenstadt zur Partyzone umgewandelt. Schnell wird am großen Kreisverkehr alles dicht gemacht und eine Bühne aufgebaut. Gefühlt an jeder Straßenecke dröhnt überlaute paraguayische Musik aus den überdimensional großen Lautsprechern vieler aufgeklappter Kofferraumdeckel der Autos. Und wenn die Paraguayer feiern, dann richtig (laut). Da haut es dir fast das Trommelfell weg. Das Bier läuft in Strömen, die Tankstellen werden zur Biertankstelle umgewandelt und alle haben Spaß. Böller und ein großes Feuerwerk läuten wohl jetzt nicht nur den Wahlsieg (welcher Partei?) ein, sondern sind wohl schon Vorboten auf das, was einen am Jahresende hier erwartet.

 

Montag, 10.11.2025 - zum Yamaha-Händler in Foz do Iguaçu

Frühstück gibt es im Austria ab 6 Uhr, für mich um 7 Uhr. Denn um 8 Uhr öffnet der Yamaha-Händler im nahegelegenen Foz do Iguaçu in Brasilien. Rüber komme ich auch über die überlastete 3-spurige Brücke. Immigration gibt es weder in Paraguay noch in Brasilien. Da fährst du einfach über die Grenze, ohne dass jemand etwas will. Will man jedoch länger und weiter rein nach Brasilien, so muss man selbst das Immigrationsbüro aufsuchen.
Mein Yamaha-Disponent Rafael wartet schon auf mich. Er ist der Nachfolger von Rudies, der seinen Job hier aufgegeben hat. Aber auch Rafael kennt sich gut aus und spricht gutes Englisch, denn Portugiesisch kann ich keine 10 Worte.
Meinen Kettensatz haben sie da, aber leider, leider sehr kein größeres Ritzel vorne bzw. kleineres hinten, sodass die Karre etwas schneller laufen würde – das trübt gleich meine Stimmung. Ein Topcase passend zu meiner XTZ haben sie jedoch da. Ich nehme die Kunststoffvariante, denn das aus Metall kostet 500,- Euro (Kunststoff 220,-). Auch die Bremsbeläge hinten lasse ich wechseln, denn die sind runter. Bleibt nur noch mein Ersatzschlüssel. Einen Originalen von Yamaha haben sie nicht, aber um die Ecke ist ein Schlüsseldienst, der die nachmachen kann, sagt Rafael. Als Rohling hat der jedoch nur einen Suzuki-Schlüssel. Nach einer halben Stunde Arbeit hat der Brasilianer vom Schlüsseldienst ihn jedoch so weit, dass er einigermaßen passt, aber immer wieder mal hakelt – Kostenpunkt: 55 Real (10 Euro).
Nach einem Abstecher beim Itaipú-Wasserkraftwerk zwinge ich die Yamaha wieder über das Nadelöhr der Paraná-Brücke zurück nach Paraguay. Dort mache ich noch einen schnellen Stopp an einem Zubehörladen und kaufe noch 2 Ölfilter für 2,50 Euro pro Stück.
Ich muss mich beeilen, denn es ist schon Mittagszeit und 110 km weiter an der Autobahn liegt die Churrasquería Alff in der Stadt Doctor Juan Eulogio Estigarribia. Die bieten sehr gutes Buffet zu Mittag an. Beim Verlassen des Lokals spricht mich der ältere Besitzer auf Deutsch an. Er heißt wie das Lokal mit Nachnamen Alff. Wir kommen ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass seine Mutter eine gebürtige Schmidt ist – so klein ist die Welt!
Am frühen Abend bin ich dann wieder zurück in Melgarejo.

 

Sonntag, 16.11.2025 - auf nach Asunción (km 40790)

Da das Wetter für den Spätnachmittag nichts Gutes voraussagt (Unwetter), mache ich mich schon am Vormittag auf die Fahrt in die Hauptstadt Asunción. Denn dort will ich morgen früh noch den verlorenen Ersatzkanister bei Cycle Shop nachkaufen. In Caacupé gleich an der Autobahnausfahrt liegt eine sehr gute Churrascaria mit hervorragendem Buffet. Um die Mittagszeit am heutigen Sonntag ist da natürlich Hochbetrieb, sodass das Essen vom Auffassen auf den Teller bis zur Waage an der Kasse fast schon wieder kalt ist. Schmecken tut's trotzdem gut.
Und wenn ich schon mal hier bin, mache ich gleich nach dem Mittag einen Abstecher zu einer weiteren Auswandererfamilie aus Schwäbisch Hall. Die wohnen nur 25 km von Caacupé entfernt. Allzu lange kann ich jedoch nicht bleiben, denn das Unwetter kündigt sich schon an. Erwischt hat es mich dann in San Bernardino, 60 km von Asunción entfernt. Der Himmel wird immer dunkler, bis es fast Nacht ist. Gleichermaßen nimmt der Wind immer mehr zu, bis er in Orkanböen bläst. Ich schaffe es gerade noch so in eine Tankstelle mit Kiosk rein. Und schon öffnet der nicht mehr sichtbare Himmel die Schleusen und der Regen strömt eimerweise in Massen herunter. Selten habe ich so viel Wasser von oben kommen sehen.
Nach einer Stunde wird es wieder leicht heller und der Regen lässt nach. Also ziehe ich meine Regenklamotten an, schwinge mich aufs Moped und fahre im zäh fließenden Verkehr über teilweise überflutete Straßen in weiteren 1,5 Stunden bis in die Innenstadt von Asunción. Einigermaßen trocken komme ich dann doch in meinem Hotel "Portal del Sol" an.
Die haben abends immer Buffet für 50.000 Guaraní (ca. 6,50 Euro). Und tatsächlich sehe ich ein bekanntes Gesicht an einem Tisch sitzen. Es ist der Bayer Ludwig. Der ist auch jedes Jahr einige Monate in Paraguay und öfters auch in Asunción. Mit ihm am Tisch sitzen die beiden deutschen Frauen Christine sowie ihre Tochter Nicole aus Ulm. Last but not least ein Holländer. Die beiden Frauen haben jetzt auch zu Hause alles verkauft und wie so viele hier Deutschland den Rücken gekehrt. So weit bin ich noch nicht wie die.

 

Montag, 17.11.2025 - erste größere Etappe nach Fernheim (km 41259)

Heute muss ich früh raus zum Frühstück, denn meine Etappe bis Fernheim sind fast 500 km. Beim Frühstück treffe ich nochmals Christine und Nicole. Bevor ich jedoch aus der Stadt rausfahre, halte ich noch 3 km weiter am Cycle Shop. Das ist ein Motorradzubehörladen, bei welchem ich heute zum 3. Mal denselben Ersatzkanister kaufen muss. Denn der erste ging in den argentinischen Anden auf der Ruta 40 verloren und der zweite vorige Woche auf einer Nachtfahrt. Der dritte wird jetzt nicht nur ordnungsgemäß angeschraubt, sondern noch zusätzlich mit einem Gurt gesichert – nochmals will ich nicht einen kaufen müssen.
Bis ich jedoch die Stadt über die neue Brücke über den Río Paraguay verlassen habe und auf dem richtigen Highway P09 bin, ist es fast 11 Uhr. Ab jetzt kann ich mich (fast) nicht mehr verfahren. Denn die Straße führt 450 km weit ständig schnurgeradeaus Richtung Nordwesten in den paraguayischen Chaco (El Gran Chaco).
In drei (Tank-)Etappen von je ca. 150 Kilometern erreiche ich die Kolonie Fernheim dann am Spätnachmittag gegen 17 Uhr. Und mit dem Hotel Safari habe ich eine günstige Unterkunft für 180.000 Guaraní gefunden. Zu Abend isst man hier am besten im nahegelegenen Hotel Florida. Die haben das beste, aber auch teuerste Angebot, manchmal auf Buffet, heute leider nicht.

 

   

Bolivien

   

Dienstag, 18.11.2025 - weiter nach Villamontes in Bolivien (km 41705)

Hier im Safari Hotel in Fernheim gibt es das Frühstück tatsächlich schon ab 6 Uhr morgens. Die Mennoniten sind halt doch Frühaufsteher. Das kommt mir natürlich entgegen, denn ich habe heute eine 450 km Etappe mit Grenzübertritt nach Bolivien vor mir. Das Frühstück ist deftig und sollte den Tag über halten, denn ich weiß noch nicht, was es unterwegs gibt. 06:45 Uhr fahre ich die bepackte Yamaha dann stadtauswärts. An der Tankstelle wird nochmals vollgetankt und ein Zweitaktmotorenöl gekauft. Das brauche ich zum Ketten schmieren.
Punkt 7 Uhr lenke ich die XTZ auf den Highway PY09 Richtung Nordwesten nach Mariscal, die letzte Enklave in Paraguay vor der bolivianischen Grenze. Die 80 km bis dahin sind dann auch in einer Stunde abgefahren. Auch hier mache ich noch einen Tankstopp und lasse auch meine beiden Ersatzkanister füllen. Denn die Benzinknappheit in Bolivien besteht wohl immer noch. Weitere 120 km weiter kommt man dann an die letzte Kreuzung in Paraguay. Hier muss man den Abzweig nach links, also nach Westen nehmen. Weiter geradeaus geht es auch nach Bolivien, allerdings auf einem Erdweg. Auch hier nutze ich nochmals die Tankstelle zum Befüllen aus.
Weitere 110 km westlich von hier kommt dann endlich die Grenze zu Bolivien. Mittlerweile ist es mit weit über 30 Grad schon drückend heiß. 200 Meter vor der Grenze haben die Paraguayer nochmals eine Tankstelle platziert. Und auch die nutze ich aus, um den Tank nochmals eben voll zu machen. Auch meine beiden 2-Liter-PET-Flaschen werden noch mit Benzin gefüllt. Damit habe ich jetzt 25 Liter an Bord, was mich 600 km weit bringen sollte.
An dem überdimensional großen, futuristischen Grenzgebäude nach Bolivien ist nichts los. Es stehen zwar sehr viele LKW zur Abfertigung herum, aber das juckt mich als Motorradfahrer nicht. Denn ich werde separat abgefertigt. Die Immigration und der Zoll beider Länder, Paraguay und Bolivien, befinden sich im selben Gebäude. Man bekommt zuerst einen Laufzettel, den man "abarbeiten" muss: Immigration Paraguay --> Immigration Bolivien --> Zoll Paraguay --> Zoll Bolivien. Irgendwann bin ich dann doch durch. Denn der Zoll für Bolivien will ein Onlineformular ausgefüllt bekommen, was etwas Aufwand bedeutet. Am Ausgang des Grenzgeländes 2 km weiter gibt man dann den abgestempelten Laufzettel ab, die Schranke wird geöffnet und ich bin wieder mal in Bolivien.
Ab jetzt muss ich "piano" fahren, um Sprit zu sparen, denn ich weiß nicht, ob und wo man mir hier Benzin verkauft. Im vorigen Jahr war es ganz schwierig. Also fahre ich nur noch 90-95 km/h untertourig im 5. Gang weiter in der Gluthitze die 125 km bis zur Kleinstadt Villamontes am Fuße der Anden. Die Stadt kenne ich bestens aus zwei vorigen Besuchen. Und so lande ich auch diesmal wieder im Eco Hotel, meiner bevorzugten Bleibe hier. Das ist ein wirklich cooles Hotel inmitten eines großen, grünen Gartens mit einem kleinen Pool - sehr gechillt.
Gleich nach dem Einchecken und der Versorgung der Yamaha mache ich mich auf zur Tankstelle dort. In PET-Flaschen wollen die mir jedoch kein Benzin verkaufen, wenn ich jedoch mit dem Moped komme, kann ich welches direkt in den Tank bekommen, wird mir gesagt. Allerdings zu erhöhten Preisen. Die Bolivianer bezahlen 3500 Bolivianos pro Liter (ca. 45 Cent) und die Ausländer stolze 8000 (1 Euro). Aber auch das ist mir egal, wenn ich nur welches bekomme.

 

Mittwoch, 19.11.2025 - von Villamontes nach Santa Cruz de la Sierra (km 42153)

Tatsächlich gibt es hier im Eco Hotel schon um 7:00 Uhr das Frühstück. Das nutze ich aus, packe alles zusammen und sattle die Yamaha auf. Um 07:30 Uhr verlasse ich dann dieses ach so schöne Hotel. Am großen Kreisel im Ort nehme ich die Ausfahrt nach Norden. Das Wetter ist sonnig bei 20 Grad, also ideale Bedingungen zum Motorradfahren. Wären da nicht die teils schlechten Straßenverhältnisse. Immer wieder tun sich große Schlaglöcher auf und vor allem sehr tiefe Spurrillen. Die Strecke führt heute fast immer schnurgerade Richtung Norden und fast immer am schönen Panorama der Anden entlang. Die Ausläufer der ersten Berge hier sind schätzungsweise maximal 2000 Meter hoch, doch ausnahmslos grün bewaldet. Von weitem könnte man meinen, jemand hat einen grünen Teppich über die Berge gelegt. Durch den vielen Regen der letzten Wochen ist auch hier vor den Cordilleras (so heißen die Ausläufer der Anden hier) alles saftig grün bewachsen. Und wenn die Straße dann doch mal etwas in den Bergen verläuft, dann erinnert mich diese tolle Landschaft hier so etwas an Laos.
Nach exakt 100 Kilometern erreiche ich den Abzweig in der Kleinstadt Boyuibe. Dort heißt es, den linken Strang zu nehmen und weiterhin auf der Ruta 9 zu bleiben, nicht die 36 zu nehmen. So jedenfalls sagte mir Rudy Weise. Rudy ist einer der Administratoren der WhatsApp-Gruppe "Bolivian Riders", deren Mitglied ich seit drei Jahren bin. Ihn habe ich schon vorige Woche kontaktiert wegen der Situation mit dem Verkauf von Benzin an Ausländer. Noch vor einem Jahr war es wegen des Treibstoffmangels praktisch verboten, Sprit an Ausländer zu verkaufen. Deshalb habe ich auch dieses Jahr wieder zwei Ersatzkanister dabei und selbst noch zwei 2-Liter-PET-Flaschen an der Grenze zu Bolivien mit "Gasolina" füllen lassen. Glücklicherweise besteht das Problem nun nicht mehr. Benzin ist wohl wieder genügend da und wird auch mir an einer Tankstelle in Camiri verkauft. Allerdings bezahlen die Einheimischen 3,5 Bolivianos pro Liter (40 Cent), während die Ausländer 8 Bolivianos bezahlen müssen (1 Euro) – immer noch deutlich weniger als zu Hause!
Ein Stück weiter im Norden kommt man in den Ort Ipati. Dort könnte man den Abzweig auf die Ruta 6 in die Berge nach Sucre nehmen, was ich ursprünglich geplant hatte. Aber ich will mich ja heute Abend mit Rudy in Santa Cruz treffen.
Gegen Mittag erreiche ich den Ort Ipita. Der Hunger lenkt die Yamaha eigenmächtig vom Highway herunter. Und tatsächlich ist mitten im Ort eine kleine "Fressbude". Man verkauft mir Reis mit Linsen und Fleisch. Dazu einen großen Becher Noname-Cola. Schmeckt richtig gut. Mit mir am Tisch sitzt eine bolivianische Familie. Die haben mit ihrem kleinen Viehtransporter auch hier angehalten. Mit dem Mann komme ich schnell ins Gespräch, denn er ist, wie alle hier, sehr an mir und meinem Motorrad interessiert. Lange kann ich mich nicht aufhalten, denn ich habe noch 3 Stunden Fahrt vor mir.
Die ersten zwei davon verlaufen "tranquillo" auf der Schnellstraße. Ab dem Stadtrand von Santa Cruz gerät der Verkehr ins Stocken und in der Stadt ist er chaotisch. Aber ich muss da rein, denn dort befindet sich "mein" Gaman Hotel (hat mir Rudy empfohlen). Die Straßen sind schlecht und gefühlt fährt hier jeder so, wie er will – also muss ich mich anpassen. Irgendwann hat das Navi dann doch das Gaman gefunden und ich kann einchecken. Schönes, sauberes, kleines Hotel mit einem Pool für 24,- Euro.
Auch Rudy hat mir schon geschrieben. Er trifft sich heute zum Abendessen mit seiner Motorradgruppe etwas außerhalb der Stadt – ob ich mit will?
Natürlich will ich mit, auch wenn ich heute schon echt genug gefahren bin. Bis zum Treffpunkt am Parkplatz des Hypermarktes muss ich mich nochmals eine Dreiviertelstunde durch den Stadtverkehr quälen, denn er hat mir zunächst versehentlich den falschen Standort geschickt. Mit der etwa 15-köpfigen Gruppe fahren wir ins 25 km entfernte Porongo. Das ist ein kleiner, touristischer Ort mit einigen Bars und Kneipen. An einer Pizzeria halten wir an. Die Jungs hier sind echt freundlich und zuvorkommend, denn die haben mich tatsächlich zum Essen eingeladen – toll!
Auch hole ich mir von denen Tipps über die Straßen hier und meine weitere Planung ein.

 

Donnerstag, 20.11.2025 - Santa Cruz de la Sierra

Nach vier Fahrtagen am Stück habe ich mir heute einen Ruhetag verordnet. Das bedeutet für mich, Aufstehen erst um 8 Uhr und dann gemütlich das Frühstück einnehmen. Anschließend mache ich es mir im Garten des Hotels gemütlich und bringe meine Internetseite mal wieder auf Vordermann.
Gegen 11 Uhr nehme ich mir dann die Innenstadt von Santa Cruz vor.
"Santa Cruz de la Sierra ist die bevölkerungsreichste Stadt Boliviens und ihr wichtigstes Handels- und Wirtschaftszentrum im Südosten des Landes. Die moderne Metropole besticht durch eine reiche Kultur und landschaftliche Schönheit, die sich durch ihre konzentrische Ringarchitektur und ihr tropisches Flair auszeichnet. Die Stadt verfügt über eine vielfältige Wirtschaft mit Agrarwirtschaft, Bergbau, Erdöl- und Erdgasförderung sowie Viehzucht und ist ein bedeutendes Finanzzentrum."
So jedenfalls kann man es aus dem spanischen Internet erfahren. Das mit dem tropischen Flair kann ich durchaus teilen, denn heute ist es mit über 30 Grad schon drückend heiß. An die Tropen erinnern auch die vielen Palmen am Wegesrand und in den Parks. Ansonsten macht die Stadt einen eher ungepflegten Eindruck. Viele der alten Kolonialgebäude der Spanier sind am Verfallen oder erst gar nicht mehr wiederzuerkennen. Die Stadt wurde 1561 vom spanischen Eroberer Ñuflo de Chávez ca. 200 km östlich des heutigen Ortes gegründet.
Inmitten des Zentrums liegt der "Plaza Metropolitana 24 de Septiembre" und gleich daneben die wichtigste Kirche der Stadt, die Cathedral Basilica of St. Lawrence. Dieser Stadtkern wurde schön saniert und sieht toll aus. Begibt man sich allerdings nur eine Straße weiter, so hat man den Verfall wieder direkt vor Augen.
Auf einen der Türme der Basilika kann man für 3 BOB die engen Wendeltreppen hochsteigen. Die Aussicht von oben über die Stadt lohnt den Aufstieg allemal, kann man am Horizont ja schon die Anden erkennen.
Das war's dann auch für mich von Santa Cruz, denn den Nachmittag verbringe ich am Hotelpool. Morgen stehen wieder 450 stressige Kilometer nach Cochabamba an.

 

Freitag, 21.11.2025 - Horrorfahrt nach Cochabamba (km 42792)

Heute steht mit 450 km eine weitere große Etappe bevor. Ziel ist die Großstadt Cochabamba in den Bergen. Damit ich entspannt ankomme, verzichte ich auf das Frühstück und fahre schon um 6 Uhr gleich nach Sonnenaufgang los. Außerdem sind um diese Zeit die Straßen noch recht leer.
Das Navi lotst mich auch zügig aus der Innenstadt auf die Schnellstraße nach Norden, dort, wo die vielen Tankstellen sind.
Jetzt nur noch schnell tanken und raus aus Santa Cruz.
Aber die erste Tanke will mir keinen Sprit verkaufen. Ich brauche einen PIN, sagt man mir. Aber woher ich den bekomme, weiß ich nicht.
Bei der 2. und 3. Tankstelle dasselbe Lied. Auf einmal merke ich, dass mir mein Tankrucksack fehlt! Scheiße, wo ist der nur? Bestimmt an der 1. Tankstelle. Da habe ich ihn abgenommen. Also wieder 15 km zurück in die Stadt. Ich habe Glück, der freundliche, junge Tankwart hat ihn zur Seite gelegt und gibt ihn mir wieder.
Weniger Glück habe ich bei weiteren 5 Tankstellen – kein Benzin für "extranjeros" (Ausländer). Da hilft es auch nicht, dass ich nicht bei den Tankwärten bettle, sondern gleich in die Administration zum Chef gehe.
Letzte Möglichkeit für mich ist der Telefonjoker: ich schreibe eine WhatsApp an Rudy Weise. Er antwortet mir auch prompt: ich soll es bei Biopetrol versuchen, den Standort schickt er mir. 3 km weiter biege ich in die Tanke ein und … die verkaufen mir tatsächlich Benzin. Nur rein damit in den Tank, bis er überläuft. Wer weiß schon, wann es Neues gibt?
50 km nördlich von Santa Cruz biege ich Richtung Westen auf die Ruta 4 ab. Die führt direkt nach Cochabamba. Nach weiteren 100 km halte ich wieder an jeder der wenigen Tankstellen und frage nach Gasolina. Überall hunderte Meter lange "cola" (Schlangen) vor den Zapfsäulen und kein Benzin für Ausländer!
Entnervt gehe ich erstmal Mittagessen am Straßenrand und überlege ernsthaft, wieder umzukehren und stattdessen nach Brasilien zu fahren. Mein Telefonjoker Rudy gibt mir den Tipp, privat Benzin zu kaufen. Denn die stehen immer wieder am Straßenrand und verkaufen das Zeug flaschenweise. Ein paar Kilometer später habe ich Glück. Für 7 BOB pro Liter kaufe ich eine 3-Liter-Colaflasche und eine 2-Liter.
100 km später muss ich stolze 20 BOB bezahlen (2,20 €). Aber was soll's. Ich will nicht stehenbleiben.
Wieder 50 km weiter beginnt sich die rechte Standspur des Highways kilometerlang mit LKWs zu stauen. Der Stau wird immer dichter und ich muss mich um die Trucks herumschlängeln, um vorwärts zu kommen. Ab und an auch über den Grünstreifen und die Botanik. Nach etwa 5 km kommt der Grund für den Stau: die Straße wurde von irgendwelchen Demonstranten beiderseits einer Brücke gesperrt. Mopeds lassen sie glücklicherweise durch, allerdings muss die Karre ausgemacht und über die Brücke geschoben werden. Mich als Ausländer lassen sie durch.
Am anderen Ende der Brücke dasselbe Lied: Stau, so weit das Auge reicht. Und wieder muss ich mich um viele LKWs winden und über die Prärie fahren. Das Ganze hat mich locker eine Stunde Zeit gekostet.
Es ist schon 14 Uhr und ich habe noch 225 km vor mir. Außerdem führt die Fahrt jetzt in die Berge. Unaufhörlich geht es bergauf. Die Straße ist mal in Top-Verfassung, mal extrem schlecht, holprig und löchrig.
Zweimal muss ich anhalten, um mich wärmer anzuziehen. Manchmal nieselt es leicht. In einem unbeleuchteten Tunnel ohne Markierungen wäre ich beinahe an die Wand gefahren.
Als ich dann endlich nach 13 langen, aufreibenden Stunden in Cochabamba einfahre, ist es bereits dunkel, und ein Hotel habe ich auch noch keines.
Das Hotel Monserrat nimmt mich auf für 20 Euro. Die haben auch eine Tiefgarage. Und das Beste ist: Der Bruder des Rezeptionisten meines Hotels kann mir 10 Liter Benzin besorgen. Denn meine Bemühungen an den Tankstellen stadteinwärts waren natürlich erfolglos. Als ich gleich nach dem Abendessen zurück im Hotel bin, stehen schon 4 PET-Flaschen mit 10 Litern vor der XTZ – SUPER!!!
Aber jetzt ist genug für heute. Ich bin platt, fix und fertig, kaputt, halbtot. Aber ohne ein Feierabendbier geht's nicht ins Bett!

 

Samstag, 22.11.2025 - weiter nach La Paz (km 43169)

Der Portier meines Monserrat-Hotels hat mir gestern Abend schon gesagt, dass an der Straße zwischen Cochabamba und Oruro tagsüber gearbeitet wird und diese nur zwischen 11 und 13 Uhr für den Verkehr geöffnet ist. Das haben mir meine Bolivian Riders über WhatsApp bestätigt. Ich muss meine Fahrt also genau planen, sodass ich an diesem Zeitfenster an der 63 km von Cochabamba gelegenen Baustelle eintreffe. Auf das Frühstück im Hotel, das es ab 7:30 Uhr gibt, will ich jedoch keinesfalls verzichten. Denn das Buffet stellt sich als sehr reichhaltig und vielfältig heraus – da fehlt es an nichts.
Die Yamaha habe ich schon vor dem Frühstück bepackt, sodass ich kurz vor 8 Uhr wegkomme. Zunächst fahre ich jedoch noch einen kleinen Aussichtspunkt in der Stadtmitte an, um mir mal einen Überblick über die Stadt zu verschaffen und ein paar Bilder zu schießen. Denn gesehen habe ich von Cochabamba nicht viel.
Bis ich endlich die Stadt und den Verkehr hinter mir gelassen habe, vergeht eine Stunde und 20 km Fahrt. Cochabamba selbst liegt auf etwa 2500 Metern Höhe. Aber schon wenige Kilometer nach der Stadt führt die meist vierspurige Autobahn immer stetig bergauf. Mit jedem Kilometer wird es höher und die Luft dünner. Bald muss ich wieder anhalten und mich wärmer anziehen.
Nach knapp 60 km erreiche ich dann das Ende des Staus vor der Baustelle. Kilometerlang staut sich die LKW-Kolonne. An denen fahre ich vorbei bis ganz nach vorne, wo Bauarbeiter die Straße gesperrt haben – ich habe Glück, denn Motorräder lassen sie durch. Die können sich wohl an der Baustelle vorbeischmuggeln. Zwei Kilometer weiter muss ich kurz anhalten, weil ein Radlader einen Muldenkipper befüllt, ansonsten keine Wartezeiten. Das ist gut für mich, denn erstens spare ich mir die Wartezeit und zweitens habe ich ab jetzt null Verkehr. Dafür wird es immer frischer und windiger. Die Straße führt weiterhin unaufhörlich in weiten Kurven bergauf, Serpentinen gibt es hier nicht. Der Anstieg gleicht eher einer riesigen Rampe.
Nach einer weiteren Stunde erreiche ich die erste Passhöhe mit 4102 Metern in Sayari. Und eine halbe Stunde später dann den zweiten Pass namens "La Cumbre". Der ist sogar 4486 Meter hoch. Ich bekomme fast Schnappatmung von der sehr dünnen Luft hier.
Um die Mittagszeit taucht dann die Kreuzung mit dem Abzweig nach Oruro und La Paz auf. Eigentlich wollte ich nach dem gestrigen Tag nur eine kurze Etappe bis Oruro machen, aber es ist noch 7 Stunden hell und bis zur Hauptstadt La Paz sind es nur noch 220 km. Also schnell was zu Essen ab Straßenrand einwerfen. Und weitere 4 Liter Benzin konnte ich auch noch aufgabeln. Mensch und Maschine aufgetankt: weiter geht's nach La Paz. Ab hier führt der Highway nur noch geradeaus und nicht mehr aufwärts, denn die Gegend hier ist ein riesiges Hochplateau.
Kurz vor La Paz kann ich nochmals 5 Liter Benzin von Privat kaufen und muss nicht in La Paz nach Benzin suchen. Im Außenbezirk der Hauptstadt wird die Autobahn gerade saniert und ist komplett gesperrt. Eine Umleitung ist natürlich nicht angeschrieben. Also fahre ich einfach den anderen Fahrzeugen hinterher über unbefestigte Schotterpisten der Vororte. 5 km weiter ist der Spuk dann vorbei und ich habe wieder festen Asphalt unter den Rädern. Aber leider fängt es zu regnen an. Im Vorort El Alto stelle ich die Karre vor einem Schnellimbiss ab und setze mich ins Trockene. Das gibt mir die Zeit, nach einem Hotel zu suchen.
Eine Dreiviertelstunde später lässt der Regen nach und ich fahre dem Navi hinterher ins Stadtzentrum. Dass das aber in einem 300 Meter tiefer liegenden Tal liegt und mir das Navi den kürzesten Weg und nicht den besten anzeigt, kann ich nicht wissen. Denn die nassen Straßen führen extrem steil den Berg hinab. Da kannst du nur im Schritttempo fahren, sonst rutscht die Karre ab.
Heute ist Samstag und jetzt Feierabendverkehr, außerdem viele Märkte auf den Straßen. Die sind total verstopft mit umtriebigen Menschen und Fahrzeugen. Einerseits musst du aufpassen, niemanden zu überfahren, andererseits darfst du keine Lücke lassen, in die andere Verkehrsteilnehmer stoßen können, denn sonst kommst du nie ans Ziel. Der "Straßenkampf" bis zu meinem Hotel dauert locker eine halbe Stunde. Gewonnen habe ich, denn ich komme unversehrt an. Leider ist das Hotel ausgebucht. Aber in der Straße gibt es weitere, die ich abklappern muss. Die haben aber fast alle keinen Parkplatz. Den finde ich auch in "meiner" Straße in Form einer Tiefgarage. Mein Hotel heißt "Diamante Azul" und ist mit 19 Euro nicht mal teuer.
Die für heute geplante stressfreie Fahrt hat dann zwar nicht 13 Stunden gedauert wie gestern, aber doch deren 11! Ähnlich wie gestern bin ich wieder etwas platt und genervt vom stressigen Stadtverkehr. Das Regenwetter tut sein Übriges dazu.

 

Sonntag, 23.11.2025 - La Paz (der Friede)

Die enorme Höhe von teils über 4000 Metern hat mir schon gestern zugesetzt. Und La Paz liegt auch auf 3650 Metern Höhe. Heute Nacht habe ich wenig und schlecht geschlafen. Außerdem habe ich leichte Kopfschmerzen wegen der Höhe. In Nepal hat man mir damals gesagt, man soll mindestens 4 Liter trinken am Tag. Wenigstens scheint die Sonne wieder am Morgen.
Heute will ich mir die Hauptstadt des Friedens anschauen.
"La Paz, offiziell Nuestra Señora de La Paz, ist Regierungssitz Boliviens und Hauptstadt des Departamento La Paz. Sie dient als faktische Hauptstadt und beherbergt Exekutive, Legislative und Wahlbehörde. Die Plaza Murillo, der Hauptplatz der Stadt, liegt auf einer Höhe von etwa 3.636 Metern über dem Meeresspiegel. Die Stadt ist die höchstgelegene Metropole der Welt und hat 750.000 Einwohner. Sie wurde am 20. Oktober 1548 vom spanischen Konquistador Alonso de Mendoza in einem Tal gegründet, das verschiedenen indigenen Völkern bereits als Chuquiago Marka bekannt war." (Wikipedia).
Den besten Überblick über die Stadt bekommt man von der Drahtseilbahn aus. Denn es gibt mehrere Linien. Vermutlich ist es das schnellste Beförderungsmittel hier. Und kosten tut es praktisch nichts, besser gesagt 3 Bolivianos pro Fahrt (40 Cent). Da bezahlt man in den Alpen für eine Einzelfahrt locker 15-20 Euro. Die Kabinen können bis zu acht Personen fassen und sehen genauso aus wie die, die man vom Skifahren her kennt. Die Fahrt vom Talkessel bis hinauf nach El Alto dauert gute 15 Minuten. Also genügend Zeit, um Fotos und Videos zu machen.
Am Vormittag schaue ich mir den Plaza Pedro Domingo Murillo und das anliegende Regierungsgebäude an. Nur wenig weiter davon entfernt ist der Aussichtspunkt "Killi Killi". Wirklich viele Sehenswürdigkeiten hat die Stadt nicht.
Das Sehenswerte sind die Menschen und die Kulturen. Nicht weit von meinem Hotel liegt die touristische "Witches"-Gasse. Dort reihen sich Souvenirgeschäfte massenweise aneinander. Und zu meiner Überraschung auch viele traditionell gekleidete, folkloristische Gruppen. Die spielen am heutigen Sonntag traditionelle bolivianische Musik mit Trommeln, Querflöten und Trompeten und ziehen alsbald durch die Stadt. Das hat so etwas von einem Faschingsumzug. Jedenfalls toll anzusehen.
Leider zieht der Himmel am Nachmittag wieder zu und es beginnt zu regnen. Ich ziehe mich in ein Café zurück.

 

Montag, 24.11.2025 - an die Copacabana Boliviens (km 43324)

Frühstück gibt es im Hotel erst ab 7:30 Uhr. Ein frühes Wegkommen also unmöglich, es sei denn ohne "desayuno". Aber darauf will ich nicht verzichten. Außerdem stehen heute nur gut 150 km auf dem Programm. Ziel ist die Copacabana am Titicacasee. Die Stadt heißt tatsächlich so und dort soll sich auch ein Strand befinden. Empfohlen haben mir den Ort meine Bolivian Riders aus Santa Cruz.
Etwas Sorgen mache ich mir jedoch, wie ich wieder aus diesem riesengroßen Moloch von La Paz heil herauskommen soll. Den steilen Berg hinauffahren, den mich das Navi vorgestern heruntergelotst hat, will ich nicht nehmen. Wenn du dort anhalten musst, kommst du nicht mehr weg! Aber es gibt auch eine vierspurige Autobahn durch die Stadt. Und die führt in weitem Bogen den Berg hinauf. Bis zur Auffahrt muss ich mich aber wieder 20 Minuten lang mit den einheimischen Verkehrsteilnehmern "herumschlagen". Oben in El Alto angekommen, führt die Stadtautobahn noch 20 km weiter nach Norden bis zur Stadtgrenze. Und zu allem Überfluss ist die Spur stadtauswärts wegen Bauarbeiten ein ganzes Stück gesperrt. Eine Umleitung ist natürlich wie vorgestern nicht ausgeschildert. Also heißt es wieder, den anderen Autos, Minibussen und LKWs hinterherzufahren, teils über Stock und Stein. Aber auch das bringe ich hinter mich, und eine Stunde nach Abfahrt habe ich dann tatsächlich die Stadtgrenze erreicht. Nicht jedoch, bevor meine Papiere an einem Checkpoint überprüft werden.
Von jetzt an führt die Fahrt immer in nordwestlicher Richtung. Den Stadtverkehr habe ich glücklicherweise unbeschadet hinter mir gelassen. Nach weiteren 50 km kommt man schon an die Ausläufer des Titicacasees. Und weitere 20 km weiter liegt das Örtchen San Pablo de Tiquina. Von hier aus muss man mit der Fähre einen Kilometer übersetzen. Die Überfahrt kostet für Motorräder 25 BOB (4 Euro). Wer geglaubt hat, dass es hier moderne Fährschiffe gibt, hat sich getäuscht. Auch ich traue meinen Augen kaum, als ich diese übergroßen, motorbetriebenen Holzflöße sehe. Das wird abenteuerlich. Eigentlich wollte ich nicht da drauffahren, denn die Planken liegen nicht immer eng beieinander. Auf meinem Floß fährt gerade ein großer Reisebus auf. Und wenn der das schafft, sollte ich das auch können. Der Bootsjunge lotst mich sicher auf eine breite Holzplanke. Ich stelle die Yamaha auf den Seitenständer, bleibe aber vorsichtshalber sitzen. Ob ich da wieder runterkomme, ist eine andere Frage, denn umdrehen kann ich hier nicht, sonst bleibe ich zwischen den Planken stecken. Die Überfahrt ist etwas wackelig, aber der See ist ruhig. Am anderen Ufer muss mir der Bootsjunge helfen, mein schweres Moped rückwärts wieder vom Floß zu schieben. Auch das klappt gut.
Die letzten 20 km bis zur Copacabana sind einfach nur atemberaubend. Denn die Straße führt immer hoch über dem tiefblauen Titicacasee entlang. Ich muss öfter anhalten und Fotos machen und mich natürlich sattsehen an der tollen Landschaft.
Copacabana ist ein kleines Städtchen mit einer Sandbucht, schön gelegen zwischen kleineren Hügeln. Im Hostal Sol y Lago finde ich auch schnell eine schöne Unterkunft. Und weil ich noch viele BOBs übrig habe, gönne ich mir einen Bungalow oben am Hang mit Seeblick. Ein paar Stunden nach mir trudeln noch 3 andere junge deutsche Biker ein. Zwei Jungs und eine Frau auf einer 700er Tenere mit Münchner Kennzeichen. Das Mädchen fährt tatsächlich die komplette Route von Alaska bis Feuerland durch – alle Achtung!

 

   

Peru

   

Dienstag, 25.11.2025 - auf nach Peru (km 43467)

Leider muss ich heute schon Abschied nehmen von diesem schönen Ort Copacabana am Titicacasee. Denn heute will ich den Sprung nach Peru schaffen. Die Grenze ist auch nur acht Kilometer von hier entfernt. Und viel los ist auch nicht. Die Immigration von Bolivien haut mir den Ausreisestempel in den Pass und im Nebengebäude kümmert sich eine junge, sehr nette Bolivianerin um den Zoll. Wie bei der Einreise, so muss auch beim Verlassen von Bolivien ein Online-Formular ausgefüllt werden. Der Link dazu und das WLAN werden gestellt. Mit mir reist ein Brasilianer mit einer KTM 990 Adventure mit. Als alle Grenzformalitäten erledigt sind, öffnet die junge Beamtin das Vorhängeschloss der Schranke und "entlässt" uns aus Bolivien.
Auch auf der peruanischen Seite dasselbe Spiel: erst Stempel rein in den Pass, Fingerabdrücke der rechten Hand abgeben und dann ab zum Zollcontainer. Dort nimmt der Zollbeamte meine Daten sowie die des Motorrads auf und trägt sie im Computer ein. Anschließend wird es zweifach ausgedruckt. Ich muss beide Formulare unterschreiben und zusätzlich den rechten Zeigefinger per Fingerabdruck abgeben. Das war's dann auch schon und ich bin zum ersten Mal im Leben in Peru!
Was mir jetzt noch fehlt, ist eine Versicherung für das Motorrad. Die heißt hier "SOAT". Ich dachte eigentlich, die bekomme ich hier an der Grenze. Die Beamten sagen, das geht hier nur online. Oder aber 100 km weiter in der Stadt Puno. Dort gibt es Banken und Agenturen, die das ausstellen können. Also beschließe ich, das dort vorzunehmen, wechsle noch etwas Bargeld in peruanische Soles um und fahre los.
Ich bin noch keine 30 km weit gekommen, da werde ich auch schon von der Polizei angehalten. Und natürlich wollen die außer meinem Pass und den Motorradpapieren auch die SOAT sehen – und die habe ich natürlich noch nicht. Da hilft es auch nicht, dass ich erkläre, die in Puno abzuschließen. Ich muss in den sauren Apfel beißen und umgerechnet 150 Euro "Multa" (Strafe) bezahlen, für die ich natürlich keine Quittung bekomme. Die Jungs stecken die Kohle in die eigene Tasche. Ohne die SOAT habe ich halt schlechte Argumente. Und ob die Höhe des Bußgeldes stimmt, kann ich natürlich nicht nachvollziehen.
Willkommen im Land der Korruption – Willkommen in Peru!
Eine Stunde später komme ich dann in Puno an. Die mittelgroße Stadt ist recht touristisch, weil sie direkt am Titicacasee liegt. Direkt in der Stadtmitte finde ich das Hostel Virgen de las Nieves, eine der Unterkünfte, die ich mir gestern notiert hatte. Übernachtung mit Frühstück für 14 US-Dollar. Und das Moped kann ich im Abstellraum direkt neben der Küche parken. Und in der gleichen Straße finde ich zufälligerweise gleich eine Agentur, die Versicherungen verkauft. Ich bekomme meine SOAT (leider 3 Stunden zu spät) für 15 Tage. Kostenpunkt ca. 15 Euro. Nicht weit davon ist ein Shop des Telekommunikationsanbieters Claro. Dort hole ich mir eine peruanische SIM-Karte fürs Handy. In der Stadt schaue ich mir die Basilika und den Mercado Central an. Anschließend marschiere ich noch die schweißtreibenden 1,5 km hoch zum Aussichtspunkt "Mirador el Condor". Hier thront ein überdimensional großer, stählerner Condor mit ausgebreiteten Flügeln über der Stadt.
Und in der Fußgängerzone der Stadtmitte schaue ich noch Champions League am Nachmittag an.

 

Mittwoch, 26.11.2025 - von Puno nach Cusco (km 43854)

Mein nächstes Ziel in Peru ist die altehrwürdige Inka-Stadt Cusco in den Anden. Das sind exakt 388 km von Puno, also eine Menge Holz. Damit ich dort auch einigermaßen zeitig ankomme, um den (meist) nachmittäglichen Regen zu entgehen, will ich um 7 Uhr wegfahren. Frühstück gibt es ab halb sieben. Um sechs Uhr sattle ich die XTZ auf und bin abfahrtbereit. Als der Portier um halb sieben immer noch keine Anstalten mit dem Frühstück macht, beschließe ich, ohne wegzufahren.
Das macht auch Sinn, denn die Straßen sind jetzt noch relativ leer.
Am Stadtausgang sehe ich an einer Kreuzung einen Imbisskarren, von denen es sehr viele hier gibt. Und die ältere Peruanerin bietet auch so etwas wie Frühstück an: ich bekomme einen heißen Maistee und ein belegtes Käsebrötchen. 200 Meter weiter entdecke ich eine Polizeikontrolle. Die halten alle Fahrzeuge an, um die Papiere zu prüfen. Ich habe echt keinen Bock mehr, schon wieder abgezockt zu werden, und umgehe den Posten durch die Fahrt durch die angrenzende Siedlung.
Das mit Abstand Beste hier, im Vergleich zu Bolivien, ist, dass ich tatsächlich an allen Tankstellen Benzin bekomme! Aber der Preis scheint mir mit ca. 3,50 Euro doch sehr hoch zu sein. Bis ich bemerke, dass der nicht für einen Liter gilt, sondern für eine Gallone Benzin.
Die vierspurige Autobahn nach Cusco ist meist in sehr gutem Zustand. Eine Stunde später steht wieder eine Polizeikontrolle am Wegesrand. Das ist echt lästig hier, wie oft man kontrolliert wird. Der Polizeibeamte will aber lediglich meine Cédula sehen (paraguayischer Personalausweis) sowie die Papiere fürs Motorrad. Die Versicherung SOAT, die ich jetzt habe, interessiert ihn nicht. Und er macht keine Versuche, Geld aus mir herauszupressen, und lässt mich gleich weiterfahren – geht auch anders in Peru!
Nach der Mittagspause um 14 Uhr erreiche ich dann den Stadtrand der Großstadt Cusco. Leider zieht der Himmel zu und es beginnt leicht zu regnen. Da verziehe ich mich erst mal in ein Café. Eine halbe Stunde später lässt der Regen nach und das Navi lotst mich durch die Innenstadt in Richtung meines Hotels. Wieder ist Stop-and-Go im dichten Stadtverkehr angesagt. Und weil das Navi von Maps.me immer den kürzesten und nicht den besten Weg anzeigt, schickt es mich in eine enge Einbahnstraßengasse, steil den Berg hinauf. Die Straße ist aus arschglattem, rutschigem Kopfsteinpflaster. Aber die Yamaha bewältigt die Steigung problemlos. Nur anhalten darf ich hier keinesfalls. Auf einmal sehe ich ganz oben kurz vor der Kuppe eine ältere Limousine, die größte Probleme hat, die letzten Meter der Steigung zu bewältigen. Die rutscht schon leicht rückwärts und der Fahrer lässt die Kupplung schleifen, bis es qualmt. "Schei…" denke ich, wenn der weiterrutscht, rutscht der auf mich drauf, und vorbeikommen an dem kann ich nicht – ich MUSS halten! Es kam, wie es kommen musste. Ich halte an, rutsche auch zurück auf dem glatten Pflaster und das Moped kippt nach rechts um – wir liegen beide auf der Straße. Glücklicherweise helfen gerade ein paar Jungs dem Autofahrer, sein Gefährt über die Kuppe zu schieben. Mit Erfolg. Die rufe ich mir gleich, damit die auch mir helfen, die Yamaha aufzuheben und die 30 Meter den Berg hochzuschieben. Es ist nichts passiert, außer einer Prellung am Finger und des Zerkratzens des Tanks auf der linken Seite. Einen Kilometer weiter erreiche ich dann mein Hotel "Munay Nusta Cusco". Und weil die keinen eigenen Parkplatz haben, darf ich das Moped im Frühstücksraum abstellen – Toll!

 

Donnerstag, 27.11.2025 - Stadtführung in Cusco

Gestern Abend habe ich noch im Internet eine Stadtführung für heute gebucht. Veranstalter ist freetour.com.
Das ist einer der vielen "Free City Tour"-Veranstalter, die es in jeder größeren Stadt gibt. Die Touren sind per se kostenfrei. Am Ende gibt man dem Guide dann ein Trinkgeld. Für Cusco ist die Tour in spanischer oder englischer Sprache erhältlich. Da mein Englisch immer noch sehr viel besser ist als mein Spanisch, nehme ich diese. Wir sind 7 Personen aus verschiedenen Ländern. Unser Guide, ein waschechter Peruaner, heißt Richard. Die Tour beginnt um 10 Uhr im Zentrum und dauert 2,5 Stunden. Das Wetter ist sonnig und fast schon heiß.
"Cusco im Spanischen oder Qusqu oder Qosqo in der Sprache der Einheimischen ist eine Stadt im Südosten Perus, die an der Ostseite der Andenkette im Einzugsgebiet des Flusses Huatanay, einem Nebenfluss des Vilcanota, liegt. Sie ist die Hauptstadt der Region Cusco und wird zudem, wie in der peruanischen Verfassung festgelegt, als die 'historische Hauptstadt' des Landes bezeichnet.
Laut dem nationalen Statistikamt INEI ist Cusco die siebtgrößte Stadt Perus und beherbergte im Jahr 2017 eine Bevölkerung von 437.538 Einwohnern.
Die Stadt war die Hauptstadt des ehemaligen Inkareichs und eine der wichtigsten Städte im Vizekönigreich Peru (sie diente von Dezember 1821 bis zum Sieg der Unabhängigkeitsbewegung im Jahr 1824 als letzter Regierungssitz). Während der Kolonialzeit unter der Herrschaft der spanischen Krone" (Auszug aus Wikipedia).
Alle Einzelheiten hier wiederzugeben, sprengt den Rahmen. Von den Gebäuden des alten Inkareichs sind jedoch nicht mehr viele zu sehen. Die meisten wurden von den Spaniern zerstört oder zweckentfremdet umgebaut. So wurden zum Beispiel aus den Inkatempeln die Kirchen der Spanier.
Jedenfalls war Cusco damals der Nabel der Welt. Von dort aus gingen vier Inkatrails in alle Himmelsrichtungen. Nach Norden einer bis Kolumbien, nach Westen einer bis Lima, nach Süden einer bis Santiago de Chile und nach Osten einer bis zum Machu Picchu. Da Pferde und Esel erst mit den Spaniern kamen, mussten als Lastenträger Lamas und Alpakas herhalten. Und die konnten nur bis zu 25 kg schleppen. Ein Reiten war also unmöglich. Deshalb wurden Nachrichten immer von menschlichen Läufern überbracht.
Am Nachmittag bin ich dann nochmals zum Mercado San Pedro "getigert", denn gleich nebenan sind einige Schuster zu finden. Die hat mir Guide Richard gezeigt. Ich muss dringend die Sohlen meiner Wander- bzw. Motorradstiefel wieder ankleben lassen. Denn die lösen sich schon beträchtlich. Einer der vielen Schuster macht das dann auch perfekt. Der Spaß ist mit 12 Euro dann doch relativ teuer für hiesige Verhältnisse.
Am Nachmittag gegen 15 Uhr zieht es wie fast jeden Tag wieder zu und es beginnt zu regnen. Außerdem ist es nasskalt. Aber ab November beginnt hier halt die Regenzeit. Ich muss meine Fahretappen und die Aktivitäten halt auf den Vormittag legen.

 

Freitag, 28.11.2025 - zweiter Tag in Cusco

Drei Nächte habe ich gebucht, hier in Cusco. Das heißt, heute ist mein zweiter Tag in der alten Hauptstadt des Inkareichs. Hier könnte man es auch locker ein paar Tage länger aushalten, trotz der versifften Straßen und der tausenden von Touristen.
Was mir für den Ölwechsel an der Yamaha morgen noch fehlt, sind 1,5 Liter Mineralöl 20W40, oder besser. Man sagt mir, in der Straße "Huayna Cápac" könnte man das finden. Laut Navi sind das 2,4 Kilometer. Das ist locker zu Fuß machbar, gleich nach dem Frühstück. Zumal das Wetter, wie jeden Vormittag hier, sonnig und warm ist. Mit kurzen Hosen läuft es sich gleich viel leichter. Gleich im ersten Shop werde ich fündig mit einem Spezialmotorenöl für Motorräder 20W50. Zwei Liter kosten etwa 10 Euro.
Damit im Gepäck geht es wieder zurück in die Innenstadt zum "Plaza de Armas". Denn dort sind die beiden Büros der Eisenbahngesellschaften Inca Rail und Peru Rail. Denn ich brauche noch eine Fahrkarte zu meinem nächsten Ziel, dem Machu Picchu, der alten Ausgrabungsstätte der Inkas. Denn mit dem Motorrad kann man nicht direkt dorthin fahren. Der würde auch von Cusco aus fahren, aber schon mitten in der Nacht. Die Kleinstadt Ollantaytambo liegt halbwegs zum Machu Picchu und dort fährt der Zug später ab. Dorthin will ich morgen fahren und eine Nacht verbringen. Die Agentur Peru Rail bietet die für mich besseren Abfahrtszeiten. Allerdings ist die Fahrkarte mit 135 US$ schon sehr teuer für 2x 1,5 Stunden Fahrt.
Den Rest des Vormittags verbringe ich in der schönen Innenstadt Cuscos. Außerdem nehme ich mir das Inka-Museum vor. Ich bin zwar kein Museumsgänger, aber wenn man schon mal in Cusco ist, sollte man sich auch mit dem alten Inkareich befassen.
Am Spätnachmittag mache ich noch einen Abstecher in eine Mucki-Bude. Denn die letzten 2 Wochen gab es keine Gelegenheit, die Muskeln auf Vordermann zu bringen.
Zu Abend essen tue ich hier in einem Lokal, in das fast nur Peruaner gehen. Dort bekommt man ein "Cena" (zweigängiges Abendessen) für 8 Sol (2 Euro!). Und das schmeckt genauso gut wie eines, das 10 mal so viel in einem Nobelrestaurant kostet.

 

Samstag, 29.11.2025 - und weiter nach Ollantaytambo (km 43934)

Das war es dann auch mit dem Besuch in der doch so schönen, alten Residenzstadt der Inkas, Cusco. Gleich nach dem Frühstück hilft der Besitzer des Munay Nusta Cusco Hotels, die Yamaha wieder aus dem Frühstücksraum hinaus auf die Straße zu bugsieren. Gleich neben dem Hotel befindet sich die Niederlassung der Peru Mototours. Die bieten Motorradtouren in Peru an und verleihen auch Motorräder. Außerdem haben die eine sehr saubere, gut strukturierte Werkstatt. Da sollte doch mein nötiger Ölwechsel machbar sein. Das Öl und den Filter habe ich dabei. Der schon etwas ältere, peruanische Chefmonteur macht sich auch gleich ans Werk. Nach dem Ablassen des Öls macht er alles erst gründlich sauber, bevor er den neuen Ölfilter einsetzt und alles wieder zusammenschraubt. Er reinigt auch noch den Luftfilter (alle 400 km durchzuführen!?) und stellt den Kupplungszug nach. Und das alles für umgerechnet 12 Euro! Da hat er sich ein Trinkgeld redlich verdient.
Mein Tagesziel, der kleine Gebirgsort Ollantaytambo, liegt nur 80 km entfernt, also eine kleinere Tagesetappe.
Ollantaytambo ist nicht nur ein kleiner Ort, sondern auch eine archäologische Inkastätte. Es liegt auf 2800 Metern Höhe in einem Tal. Dieses Tal war einst heilig für die Inkas und zugleich der Königssitz des Eroberers Pachacuti. Heutzutage ist es eine Touristenattraktion und das Sprungbrett zum Machu Picchu.
Mit der gestern gebuchten Unterkunft "Ccapac Inka Ollanta Boutique" habe ich echt eine gute Wahl getroffen. Denn das Boutique Hotel kostet nur 18 US$ und ähnelt eher einem Inka-Museum als einem Hotel. Die Gänge und das Treppenhaus sind überall mit Inkafiguren und -Accessoires ausgestattet.
Und weil ich schon gleich nach Mittag hier bin und es hier auch schön warm ist, ziehe ich mir mal wieder die Laufschuhe an und jogge ein paar Kilometer. Nur immer den ganzen Tag auf dem Motorrad sitzen macht die Knochen steif.

 

Sonntag, 30.11.2025 - Machu Picchu Pueblo

Nur noch ein Schritt bis zum Machu Picchu. Das Sprungbrett zum heiligen Berg der Inkas ist das Dorf Machu Picchu Pueblo. Dorthin kommt man nicht mit dem eigenen Fahrzeug. Lediglich zu Fuß (Inkatrail), mit dem Minibus oder wie die meisten Touris mit der überteuerten Bahn, so wie ich.
Mein Zug fährt um 8:30 Uhr ab. Eine halbe Stunde vorher sollte man da sein. Das heißt für mich, ich muss nicht auf das sehr gute, reichhaltige Frühstück im tollen Boutique-Hotel verzichten. Das Motorrad bleibt hier einen Tag stehen und auch das meiste Gepäck bleibt hier. Denn ich komme morgen Nachmittag wieder hierher, um noch eine Nacht zu verbringen.
Bis zum Bahnhof ist es nicht weit. Nur 10 Minuten zu Fuß, wenn man bereit ist, eine 2 Meter hohe Mauer hinabzuklettern, so wie ich.
Am Bahnhof herrscht schon reges Treiben. Denn hier fahren ständig Züge der beiden Gesellschaften Inca Rail und Peru Rail in beide Richtungen der eingleisigen Strecke.
Ich steige auf eine parkende Lokomotive und lasse mich von einem Passanten fotografieren. Das sieht eine Gruppe chinesischer Touristen, die mir das allesamt nachmachen – ja, die Chinesen!
Schon am Bahnsteig werden die Fahrgäste nach Wagennummer separiert. Der QR-Code des mit 115 Euro sehr teuren Fahrscheins wird bis zum Einsteigen bestimmt 4 Mal gescannt, damit es ja keine Schwarzfahrer gibt.
Pünktlich stampft die Diesellok dann unter viel Geklapper und Geratter gemächlich aus dem Bahnhof. Wirklich viel Fahrt nimmt sie jedoch nie auf. Die Fahrt führt immer am Río Urubamba entlang. Viel schneller als 50 km/h wird nicht gefahren. Dazu sind die Gleise zu schlecht. Vor jeder Kurve wird vorsorglich das Horn betätigt.
Anfangs ist das Tal noch weit, mit jedem Kilometer wird es jedoch schmaler und die grün bewaldeten Berge gefühlt höher. Hier in der Gegend gibt es Berge bis zu 6000 Metern Höhe.
Nach anderthalb Stunden läuft die Klapperbahn dann in die Endstation Machu Picchu Pueblo ein.
Dieses Dorf liegt tief im Tal dichtbewaldeter Berge. Drei Flüsse kommen hier zusammen. Bekannt ist es auch unter dem Namen "Aqua Calientes" (Heiße Quellen). Ich glaube, es wurde nur wegen des Tourismus gebaut. Denn hier reiht sich ein dreistöckiges Hotel dem nächsten. Die sind alle in die Berghänge hineingebaut. Flankiert werden die Hotels von unzähligen Restaurants und Souvenirläden mit entsprechenden Preisen – Mega-Tourismus also.
Ein Hotel für die eine Nacht ist auch schnell gefunden. Denn jetzt ist Nachsaison und viele Zimmer bleiben leer.
Eine personalisierte Eintrittskarte für morgen früh um 7 Uhr habe ich mir hier im Büro für 150 Sol gekauft. Zum Machu Picchu kommt man von hier entweder mit dem Bus hinauf oder aber zu Fuß. Und weil der Eintritt nur eine halbe Stunde abweichen darf, gönne ich mir die Busfahrt morgen früh hinauf (12 Dollar) und laufe nach dem Besuch wieder hinab.

 

Montag, 01.12.2025 - Machu Picchu

Zur unchristlichen Zeit um 5 Uhr früh muss ich heute raus aus den Federn, denn heute steht das Highlight der Reise an: der Besuch der "verlorenen" Inkastadt Machu Picchu. Die Hotels hier sind darauf eingestellt, sodass auch mein Intiwatana das Frühstück schon ab 5:30 Uhr anbietet.
Der Machu Picchu liegt hoch auf einem Berg, nur unweit von hier. Hoch komme ich mit einem der vielen, grünen Busse, die ständig die Menschenmassen auf den Berg karren und wieder abholen.
Um 6 Uhr muss ich an der Bushaltestelle sein, damit ich rechtzeitig zum Einlass oben bin. Heute früh ist es noch neblig und trüb. Der geländegängige Bus nimmt die vielen engen Serpentinen mit Leichtigkeit, wenn auch nur mit 30 km/h.
Die Straße ist nicht asphaltiert, nur in den engen Haarnadelkurven gepflastert. Um halb sieben dann Ankunft am Einlassbereich. Hier ist die letzte Möglichkeit für einen Toilettengang. Die personalisierten Eintrittskarten werden am Zugang penibel kontrolliert. Leider ist der Himmel noch nebelverhangen und die Sicht max. 100 Meter. Na hoffentlich wird das noch besser, ansonsten war die Mühe hierher zu kommen umsonst.
20 Minuten später stehe ich mit etwa 100 anderen Touris genau an der Stelle, wo man die Postkartenbilder machen können sollte. Doch außer ein paar alten Steinmauern ist nichts zu sehen. Also warten.
7:30 Uhr:
so langsam lichten sich die Nebelschwaden und die Umrisse der umliegenden Berge sind zu erkennen.
7:45 Uhr:
die Sonne schafft es, sich kurzzeitig durchzusetzen und man erahnt die Schönheit
dieser alten Inkastätte, bevor der Nebel wieder die Oberhand gewinnt.
8:45 Uhr:
das Warten hat sich gelohnt. Die Sonne hat dem Nebel endgültig den Garaus gemacht und der Berg Machu Picchu mit den darunter liegenden Ruinen der Inkas liegt in voller Pracht vor mir - ein wirklich unbeschreiblicher Anblick.
Der Ort ist zweifelsfrei die spektakulärste archäologische Stätte des südamerikanischen Kontinents. Das Ganze hier hat etwas Mysteriöses an sich. Über den Zweck von Machu Picchu gibt es bis heute nur Spekulationen. Nur der indigene Quechua-Stamm wusste von diesem heiligen Ort. 1911 wurde er wiederentdeckt, als ein Junge den amerikanischen Historiker Hiram Bingham zu der total überwucherten Anlage hinführte.
Um den Machu Picchu herum fallen die Berge fast senkrecht ab. Gegen Mittag habe ich mich dann tatsächlich satt gesehen und trete den Abstieg an. Denn ich hatte nur eine Busfahrt zum Gipfel gebucht. Der Weg ist sehr steil und meist aus Natursteintreppen. Eine Stunde später bin ich dann wieder im Tal angekommen und um 15 Uhr geht mein Zug mit Peru Rail zurück nach Ollantaytambo, dort wo hoffentlich noch meine Yamaha steht.
Fazit:
auch wenn es etwas mühsam ist, hierher zu kommen und das Wetter nachmittags regnerisch ist (beste Zeit ist April bis Oktober), so war dies doch ein unbeschreibliches Erlebnis.

 

Dienstag, 02.12.2025 - weiter nach Espinar (km 44224)

Das Moped hat die 2 Tage ohne mich ganz gut überlebt und sich die Fahrpause redlich verdient.
Auf das tolle Frühstück im Hotel in Ollantaytambo will ich keinesfalls verzichten.
Anschließend wird die Yamaha aufgesattelt und bei schönstem Wetter geht es weiter.
Das Ziel ist die Großstadt Arequipa, südlich von hier. Bis dort sind es aber fast 600 km über die Anden. Das ist an einem Tag nicht machbar. Also wird die erste Etappe dorthin bis zur Kleinstadt Espinar terminiert.
Das erste Stück führt die Fahrt nördlich von Cusco immer im Tal des Río Urubamba entlang, also dem Fluss, der auch durch Machu Picchu Pueblo fließt.
Die Straße mündet dann in die PE-3S. Auf der bin ich schon Richtung Cusco gefahren. Allerdings verzweige ich in Sicuani auf die PE-34G in südlicher Richtung in die Berge. Langsam aber stetig gewinnt die Yamaha an Höhe, bis etwa 4000 Meter.
Nachmittags um 14 Uhr erreiche ich dann auch schon das Tagesendziel, die Kleinstadt Espinar. Und wenig später in der Innenstadt mit 10 Euro ein günstiges, aber passables Hotel. Einen Fremden haben sie hier wohl noch nie gesehen. Auch das Abendessen belastet mit 1,50 Euro die Reisekasse nicht erheblich.

 

Mittwoch, 03.12.2025 - und weiter nach Arequipa (km 44509)

Heute Nacht habe ich extrem schlecht geschlafen. Aber das hatte ich auch so erwartet. Denn Espinar liegt auf 4000 Metern Höhe. Und da ist die Luft sehr dünn. Immer wieder bin ich aufgewacht und musste regelrecht nach Luft schnappen. Ab 2 Uhr in der Früh war es praktisch vorbei mit Schlafen.
Deshalb bin ich auch um 6 Uhr aufgestanden und habe alles gepackt. Frühstück gibt es hier sowieso keines und so sitze ich um 7 Uhr schon im Sattel der Yamaha, um die Stadt zu verlassen. Zunächst in nördlicher Richtung, wo ich hergekommen bin, aber alsbald nach Südosten auf die 3S bis Héctor Tejada. Dort halte ich an, um das verpasste Frühstück nachzuholen. Das gibt es heute halt in peruanischer Form, sprich Gemüsesuppe mit Fleischeinlage. Dazu einen Instantkaffee. Das wärmt richtig auf, denn morgens ist es noch bitterkalt. Ich habe so ziemlich alles Langärmlige angezogen, das ich dabei habe. Und trotzdem fröstelt es mich immer noch. Eine Stunde später ist jedoch die Sonne da und wärmt auf.
Die 34J bringt mich die nächsten Stunden immer weiter nach Süden. Die Straße ist anfangs in sehr gutem, asphaltiertem Zustand. Später jedoch wird sie ruppiger und teils unbefestigt.
Was mich wundert, sind die vielen LKW-Kolonnen, die hier unterwegs sind, in beide Richtungen. Meist fährt ein Kolonnenfahrzeug voraus. An denen ist es nicht immer leicht, vorbeizukommen. Denn meine XTZ 250 hat nur 22 PS (auf Meereshöhe). Und auf 4000 Metern Höhe nur geschätzte 15 PS wegen der dünnen Luft. Da ist es schwer, bei viel Gegenverkehr, die Masse von LKW zu überholen.
Gegen 11 Uhr führt die Fahrt langsam aus dem Hochtal hinunter in tiefere Lagen und in die zweitgrößte Stadt Perus, Arequipa. Auch in dieser Großstadt muss ich mich fast eine Stunde mit den anderen Verkehrsteilnehmern um die besten Plätze auf den Straßen "herumschlagen". Hier gilt tatsächlich das Gesetz des Stärkeren. Und der bin ich definitiv nicht!
Trotzdem erreiche ich heil und unversehrt gegen 14:30 Uhr das Hotel Benavides, nördlich der Innenstadt. Das hatte ich mir gestern ausgesucht, aber nicht reserviert – man weiß ja nie, was dazwischenkommt!
Den Nachmittag und Abend verbringe ich mit Auskundschaften der Innenstadt Arequipas.

 

Donnerstag, 04.12.2025 - Stadtführung in Arequipa

Gestern Nacht habe ich mich noch online an einer FreeCityTour hier in Arequipa angemeldet. Um 10 Uhr geht es los. Am Treffpunkt in der Innenstadt sind außer mir nur noch ein Paar aus der Schweiz. Unser Führer macht nicht gerade einen vertrauenswürdigen Eindruck. Sieht er doch eher aus wie ein Gangster aus einem Kinofilm der 60er Jahre. Er spricht zwar sehr gut Englisch, aber sein Akzent ist so schlecht, dass ich vieles nicht verstehe.
Folgendes ist mir noch am besten in Erinnerung: Arequipa wird flankiert von zwei Vulkanen mit mehr als 5000 Metern Höhe. Die prägen auch den Horizont des Stadtbildes. Der größere der beiden heißt "Misti" und ist 5822 Meter hoch. Zuletzt ausgebrochen ist er 1870. Häufiger kommt es hier zu Erdbeben, im Schnitt alle 50 Jahre, zuletzt 2001. Die Leute leben hier praktisch auf einem Pulverfass. Ich hoffe nur, dass es die nächsten zwei Tage noch ruhig bleibt.
Nach Lima leben hier in Arequipa die meisten Peruaner, etwa 1,3 Millionen.
Beschreibung aus Wikipedia:
"Die Stadt wurde am 15. August 1540 unter dem Namen 'Schöne Villa Unserer Lieben Frau von der Himmelfahrt' im Namen des Marquis Francisco Pizarro gegründet. Am 22. September 1541 ordnete König Karl V. an, dass sie den Namen 'Stadt Arequipa' tragen sollte. Während der Vizekönigszeit erlangte sie aufgrund ihrer herausragenden wirtschaftlichen Bedeutung große Wichtigkeit und zeichnete sich durch die Treue zur spanischen Krone aus, bekannt als Fidelismus. Im Gegenzug verlieh die Krone Arequipa Titel wie 'Sehr edel und sehr loyal'. In der republikanischen Geschichte Perus war die Stadt ein Zentrum von Volks-, Bürger- und demokratischen Aufständen. Sie gilt zudem als Wiege bedeutender intellektueller, politischer und religiöser Persönlichkeiten. In der republikanischen Ära wurde ihr der Titel 'Heroische Stadt des freien Volkes von Arequipa' verliehen."
Am Nachmittag "irre" ich noch eine Stunde in der Stadt herum, bis ich endlich mal ein Fitnessstudio gefunden habe. Mindestens einmal die Woche müssen die alten Muskeln auf Vordermann gebracht werden.

 

Freitag, 05.12.2025 - Folkloretag in Arequipa

Heute früh ist schönes, sonniges Wetter und auch angenehm warm. Deshalb mache ich mich nochmals zu Fuß auf in den etwa 1,5 km entfernten Stadtteil Yanahuara. Denn dort ist ein toller Aussichtspunkt über die Stadt und den Vulkan Misti. Den kann man heute in seiner ganzen Pracht und Mächtigkeit beobachten.
Zitat aus Wiki:
"Der Misti ist ein Stratovulkan im Süden Perus, nahe der Stadt Arequipa, und gilt als aktiver Vulkan. Seit 2005 wird er vom Vulkanologischen Observatorium INGEMMET und dem Südlichen Vulkanologischen Observatorium (OVS) des Geophysikalischen Instituts von Peru (IGP) überwacht. Sechs seismische Stationen am Vulkangebäude zeichnen rund um die Uhr seismische und vulkanische Ereignisse auf.
Der Misti liegt am Fuße des Chili-Flusstals auf 2400 Metern über dem Meeresspiegel und ist zu einem der bekanntesten Wahrzeichen Arequipas geworden. Während der Kolonialzeit wurden die meisten Häuser aus Sillar erbaut, einem weißen Stein, der durch Ablagerungen von Asche und Lapilli bei pyroklastischen Eruptionen des Vulkans entstand. Zuletzt zeigte der Misti im Jahr 1870 nennenswerte Aktivität, wie beispielsweise große Fumarolen."
Schon ein paar hundert Meter bevor ich dort ankomme, höre ich laute Blasmusik mir entgegendröhnen. Oben angekommen an dem kleinen Plaza mit einer Kirche nebenan, zeigt sich mir ein schönes Schauspiel peruanischer Volkstümlichkeit: Nicht nur mehrere Blaskapellen mit traditionellen Trachten spielen wechselnd auf, sondern auch Volkstanzgruppen in heimischen Kostümen marschieren auf und tanzen dazu. Ich frage eine Passantin, was das für eine "Fiesta" ist. Sie meint nur: "matrimonio", was Hochzeit bedeutet. Aber ein Brautpaar kann ich nicht erkennen. Es wird wohl eine andere Veranstaltung sein.

 

Samstag, 06.12.2025 - beinahe vom LKW überrollt (km 44637)

Ab halb acht gibt es im Hotel das gute (zugeteilte) Frühstück auf der schönen Dachterrasse. Darauf verzichte ich nur ungern. Schon vorher habe ich das Gepäck verstaut, sodass ich pünktlich um 8 Uhr wegkomme. Die Kette habe ich schon gestern geschmiert.
Das Handynavi lotst mich einigermaßen zügig aus der Innenstadt. Nur an einer Einbahnstraße hat es mich in die falsche Richtung geschickt. Da hilft nur schnelles Umdrehen.
Noch ein schneller Tankstopp und schon geht es raus aus der Stadt in die Pampa. Mein Tagesziel ist die Stadt Mollendo an der Pazifikküste. Bis dahin sind es nur 130 km.
Zunächst führt die Straße immer schnurgeradeaus nach Westen auf einer Höhe von etwa 2500 Metern durch eine bizarre Mondlandschaft.
Später dann wird es kurvig und geht stetig bergab auf Meereshöhe. Vor mir fährt schon eine Zeit lang ein LKW, an dem ich nicht vorbeikomme. Vor einem Tunnel hält der komischerweise an und ich 5 Meter dahinter. Der Grund ist, dass ein entgegenkommender LKW schon von der anderen Seite in den Tunnel fährt und wohl zwei Brummis nicht gleichzeitig durchpassen.
Plötzlich beginnt "mein" LKW langsam rückwärts zu fahren – der hat mich wohl nicht gesehen! Ich habe keine Chance mehr auszuweichen. Alles geht sehr schnell. Er erfasst meine Yamaha an der Frontpartie und schiebt mich langsam mit zurück.
Ich hupe, schreie und gestikuliere wie wild, aber keine Reaktion vom Fahrer. Nach etwa 10 Metern kann ich das Moped nicht mehr halten und es fällt mit mir nach links zu Boden. Ich rolle mich schnell zur Seite vom LKW weg, springe auf, renne nach vorn zur Fahrerkabine, trommle dagegen und brülle so laut ich kann.
Erst jetzt hat der Typ begriffen, was los ist, und hält an – ich bin auf 180 und raste aus.
Ob er nie in den Spiegel schaut, schreie ich ihn an ("espejo, espejo!") Er faselt nur etwas von einem roten Auto. Beinahe hätte ich ihn am Kragen gepackt.
Bis ich wieder hinten am Moped bin, haben schon zwei andere Autos gehalten und helfen mir, das Motorrad wieder aufzustellen. Der Brummi ist zum Glück noch nicht drüber gefahren.
Auf den ersten Blick ist nur der Sturzbügel etwas verbogen und beim Anfahren schleift das vordere Schutzblech. Das wurde beim Zurückschieben verbogen, ist aber schnell wieder in Ordnung gebracht.
Wenn die XTZ nicht mehr fahrbereit gewesen wäre, hätte ich den Brummifahrer verprügelt. Ich kann mich nicht daran erinnern, schon mal so außer mir gewesen zu sein. Da war viel Adrenalin im Spiel.
Nach dieser Aktion lege ich erst mal eine Pause ein und gebe dem LKW genügend Vorsprung. Den will ich nicht mehr sehen.
Wenig später, nach meinen Gedenkminuten, fahre auch ich dann lebend in die Kleinstadt Mollendo ein. Bis ich eine Bleibe für die Nacht gefunden habe, vergeht fast eine weitere Stunde. Die meisten Unterkünfte sind entweder überteuert oder haben keinen sicheren Parkplatz für das Moped. Heute ist schon genug passiert, da will ich es nicht auch noch gestohlen bekommen. Am Ende lande ich im Plaza Hotel für 85 Sol.
Mollendo hat einen Hafen und einen Eisenbahn-Umschlagplatz. Aber auch einen kilometerlangen Sandstrand mit Freizeitmöglichkeiten. Allerdings kann man den Strand nicht mit den brasilianischen Tropenstränden vergleichen. Denn Palmen gibt es hier keine und das Wasser ist wegen des vorbeiziehenden Humboldtstroms arschkalt – bis zu den Knien war ich drin.
Wegen des Strandes ist Mollendo auch einigermaßen touristisch aufgestellt. Aber Ausländer habe ich hier keine gesehen. Viele Kneipen und Fastfood-Läden zieren die Innenstadt.

 

Sonntag, 07.12.2025 - letzter Halt in Peru: Tacna (km 44921)

Um es vorwegzunehmen: heute sollte, im Vergleich zu gestern, ein ganz entspannter 280 km langer Fahrtag werden.
Im Plaza Hotel gibt es das Frühstück schon um 6:30 Uhr. Das heißt für mich, dass ich um 7 Uhr schon wegkomme. Heute ist Sonntag und auf den Straßen ist nicht viel los. Die Fahrt führt meist direkt an der Pazifikküste entlang immer nach Süden. Allerdings ist es um diese Zeit noch nicht wirklich angenehm zu fahren. Durch die Gischt der kalten Wellen ist es noch leicht neblig und der Himmel ist noch wolkenverhangen. Alles ist grau in grau. Die Temperaturen sind noch kühl. Zu gut deutsch: ich muss erstmal durch eine Suppe fahren. Gegen zehn Uhr jedoch setzt sich die Sonne durch, treibt den Nebel und die Gischt weg und der SONNtag wird seinem Namen gerecht: das Meer ist herrlich tiefblau, nur die Küste ist halt sandig, braun und kaum bewachsen. Die Pazifikküste ist halt doch kein Tropenparadies.
In Ilo mache ich einen Stop für einen Vormittagskaffee mit Blick aufs Meer. Kurz nach Boca del Rio macht die Hauptstraße einen Knick ins Landesinnere und 40 km weiter bin ich auch schon in Tacna, der letzten größeren Stadt in Peru vor der Grenze nach Chile.
Das Hotel Silver habe ich mir gestern schon herausgesucht und die haben auch ein Zimmer für mich frei: 14 Euro inklusive Frühstück, da kann man nicht meckern!
Leider haben die keinen eigenen Parkplatz. Aber um die Ecke ist ein bewachter. Für weitere 1,30 Euro die Nacht wird die Yamaha in Obhut gegeben.
Am Nachmittag bleibt sogar Zeit für eine Joggingrunde.

 

   

Chile

   

Montag, 08.12.2025 - langwieriger Grenzübertritt nach Chile (km 45282)

Das Frühstück im Hotel Silver wollte ich dann doch mitnehmen, auch wenn es das erst um halb acht gibt. Denn heute stehen 380 km plus Grenzübertritt nach Chile an. Wer weiß, wann ich da was zu Essen bekomme.
Aber die Hoteldame muss um halb acht erstmal Einkaufen gehen für das "desayuno". Und so esse ich halt nur 2 Stück "Knautschbrot" mit Butter und Marmelade. Dazu einen Fruchtsaft. Dann mache ich mich halt unverrichteter Dinge davon. Da wäre ich besser um 6 Uhr ohne Frühstück losgefahren und hätte 2 Stunden Vorsprung. Bevor ich die Stadt verlasse, mache ich noch einen Tankstopp und lasse auch die Ersatzkanister füllen.
Bis zur chilenischen Grenze sind es nur knapp 40 Kilometer, die sind schnell abgefahren.
Die Abfertigung durch die Peruaner und die Chilenen ist im selben Gebäude – wie praktisch. Aber weniger gut organisiert als von Paraguay nach Bolivien.
Zunächst gehe ich zur Immigration von Peru, um mir den Ausreisestempel abzuholen. Dort sagt man mir, ich brauche die "relación de pasajeros". Was das ist und wo ich das bekomme, frage ich. Oben in der Kantine, so die Antwort. In der Kantine? Ich frage mich durch zur "cantina". Die ist tatsächlich im 1. Stock des Gebäudes. Dort gibt mir eine junge, freundliche Chilenin das Formular mit Durchschlag. Sie hilft mir sogar beim Ausfüllen – wie nett!
Dieses Formular ist sowas wie ein Laufzettel, den man "abarbeiten" muss.
Damit marschiere ich wieder zurück zur peruanischen Immigration. Und die verpassen mir den Ausreisestempel in den Pass und noch einen auf den Laufzettel – jetzt bin ich offiziell raus aus Peru.
Jetzt rein nach Chile, also ab zur gleich daneben liegenden Immigration der Chilenen. Hier dasselbe Spiel: Stempel rein in Pass und auf Laufzettel.
Damit kann ich jetzt das Moped zur Zollkontrolle vorfahren. Meine Gepäcktasche und die Satteltaschen sollen gescannt werden. Aber die Satteltaschen sind schwer zu demontieren, erkläre ich. Ich mache die auf und zeige dem jungen Zöllner den Inhalt. Damit ist er glücklicherweise zufrieden, sodass nur die Gepäcktasche durch den Scanner muss.
Jetzt geht es zur Fahrzeugregistrierung, erst die Peruaner. Der will natürlich den Zettel sehen, den ich bei der Einreise bekommen habe. Und der ist natürlich im Motorrad, also holen. Diesmal stelle ich mich vorne an, nicht hinten und bekomme einen weiteren Stempel auf den Laufzettel.
Das Einreiseformular mit Durchschlag der Chilenen für die Yamaha gibt es leider nur auf Spanisch. Und der Fachbegriffe für Fahrzeugtechnik bin ich nicht mächtig. Ich fülle aus, was ich kann, stelle mich in die Reihe und lege es vor. Damit ist die freundliche Beamtin nicht einverstanden und gibt mir neue. Aber weil sie so freundlich ist und wohl Mitleid mit mir hat, füllt sie das Papier für mich aus – "muchas gracias, Señora". Jetzt noch den letzten Laufzettelstempel und ich habe tatsächlich alle Formalitäten erfüllt.
Am Ausgang des Grenzgeländes gebe ich meinen Laufzettel ab, der Schlagbaum geht auf und ich bin nach gefühlten 1,5 Stunden wieder mal in Chile.
Einen Geldwechsler habe ich leider keinen gesehen, also erstmal keine chilenischen Pesos.
An der Großstadt Arica, gleich nach der Grenze, fahre ich vorbei. Mein Ziel ist die nächste Stadt am Pazifik, Iquique. Bis dahin sind es noch 330 km.
Die gut ausgebaute, zweispurige Straße führt alsbald etwa 30 km ins Landesinnere und über drei hohe Bergrücken und tiefe Täler auf der Ruta 5 immer Richtung Süden.
Und weil gar keine Tankstelle in Sicht ist, muss ich tatsächlich auf einen Ersatzkanister zurückgreifen.
Die Gegend gleicht einer Mondlandschaft, es fehlen nur die Krater. Alles ist sandgrau. Das Wetter ist gut: purer Sonnenschein. Aber die Temperatur wechselt ständig. Wenn der meist starke Wind vom Meer her weht, ist es kühl. Kommt er vom Landesinneren, dann ist es heiß.
Die letzten 20 km bis Iquique fällt die Straße relativ steil ab. Am Stadteingang tanke ich wieder voll und lasse auch den Ersatzkanister füllen, man weiß ja nie. Das Navi findet auch recht schnell das "Iquique Beachfront" Hotel. Und die haben mir auch ein Zimmer.
Iquique ist tatsächlich ein Urlaubsort der Chilenen. Der 2 km lange, sichelförmige Sandstrand ist 50 m breit und von hunderten von Badegästen bevölkert. Die Strandpromenade ist toll angelegt und das Wasser lädt zum Baden ein, wären da nicht dieselben kühlen Wassertemperaturen wie in Mollendo. Einige Hartgesottene hält das aber nicht ab – mich schon.
Außerdem brauche ich dringend chilenische Pesos und bis zum nächsten Geldautomaten sind es 1,5 km Fußmarsch.
Damit kann ich mich jetzt endlich an ein Café der Strandpromenade setzen und relaxen.

 

Dienstag, 09.12.2025 - in die Atacama-Wüste (km 45579)

Im Gegensatz zu gestern verzichte ich heute auf das Frühstück, denn bis 8 Uhr will ich nicht warten. Ich habe mir gestern Nacht im Tante-Emma-Laden um die Ecke schon was gekauft.
Und so komme ich auch schon um 7 Uhr hier weg. Um diese Zeit sind die Straßen auch noch leer und ich muss mich nicht mit anderen Verkehrsteilnehmern herumschlagen.
Bin ich gestern meist im Landesinneren gefahren, so führt die heutige Etappe immer direkt an der rauen Küste des pazifischen Ozeans entlang Richtung Süden zum eigentlichen Etappenziel, der Kleinstadt Tocopilla.
Allerdings muss ich mich warm anziehen, denn morgens ist es noch recht frisch. Erst als sich gegen 10 Uhr die Sonne blicken lässt, wird es wärmer.
Die Straße ist in gutem Zustand und nachdem ich eine größere Kolonne hinter mir gelassen habe, kann ich frei fahren. Kurz vor Tocopilla wird die Ruta 1 neu saniert, sodass man 10 km auf einer unbefestigten Nebenstrecke fahren muss.
Um halb zwölf stehe ich dann auch schon an der Tankstelle in Tocopilla, nehme ein zweites Frühstück ein und überlege, ob ich noch weiterfahren soll. Von hier aus will ich nach San Pedro de Atacama fahren und Calama wäre der nächste Halt. Aber der Tankwart sagt mir, dass auch vor Calama die Straße immer ab 12 Uhr für den Nachmittag gesperrt ist, aber bis zum Ort María Elena würde ich noch kommen.
Also fahre ich halt erstmal nach María Elena. Die 70 km sind auch schnell abgefahren, nur mit der Suche nach einer Unterkunft tue ich mich schwer. Denn die meisten sind mit Bergleuten belegt. Die wirtschaftliche Lebensgrundlage der Gemeinde stellt nämlich der Abbau von Nitronatrit dar.
In der Residencia Chacance ist noch ein Wohncontainer frei – meiner!
Viel zu sehen gibt es hier nicht. Ich bin auch der einzige Tourist in der 6000-Seelen-Gemeinde. Aber günstig zu Mittag und Abendessen kann man – wenigstens etwas.

 

Mittwoch, 10.12.2025 - weiter nach San Pedro de Atacama (km 45793)

Um 6 Uhr früh, als es hell wird, ist es noch bitterkalt draußen. In der Wüste fallen die Temperaturen nachts halt doch unter 10 Grad. Zwei Bananen, einen Apfel, einen Joghurt und einen Fruchtsaft - mehr gibt es nicht zum Frühstück. Um 7 Uhr komme ich weg. Zunächst auf die Ruta 5 und alsbald auf die 24er. Die nächste größere Stadt, Calama, liegt etwa 100 km entfernt hinter einem Bergrücken. Bis zu dem geht es ständig bergauf und auch geradeaus. Es ist so, als würde man eine ewig lange Rampe hinauffahren. Einige Kilometer vor dem Bergrücken, da wo es steiler wird, ist dann auch die Baustelle, wegen der die Straße nachmittags gesperrt ist. Die Behelfsstraße ist natürlich unbefestigt und kann mit Ampelanlage immer nur einseitig befahren werden. Aber auch das schafft die Yamaha locker.
In Calama lege ich dann einen Tankstopp für das Moped ein und einen zweiten Frühstücksstopp für mich. Es gibt 3 Spiegeleier mit Brot aus der Pfanne, dazu einen Kaffee.
Frisch gestärkt geht es um halb elf auf die zweite Etappe heute, dem Ziel San Pedro de Atacama entgegen. Das liegt in einem Hochtal auf 2450 Metern Höhe.
Kurz nach Mittag dort angekommen steuere ich auch hier erst mal eine Tankstelle an, um die XTZ bis zum Rand vollzumachen. Denn für die nächste Etappe über den Jama-Pass brauche ich viel Sprit und weiß nicht, wann es wieder welchen gibt. Also auch die Ersatzkanister betanken.
Mit dem Hotel El Hermanito habe ich auch bald eine (mit 33 Euro eine etwas zu teure) Bleibe gefunden für die nächsten beiden Tage. Denn hier mache ich erstmal einen Tag Pause nach vier durchgängigen Fahrtagen.

 

Donnerstag, 11.12.2025 - San Pedro de Atacama

Anscheinend sollen sich hier schon vor 11.000 Jahren Menschen am gleichnamigen Fluss Río San Pedro de Atacama angesiedelt haben. Über 10.000 Menschen zählt die Population hier. Da haben die bestimmt die tausend Touristen auch mitgezählt, die hier ständig in den vielen Hostels und Restaurants verweilen. Der Ort ist nämlich sehr touristisch. Viele Outdooraktivitäten und Touren kann man hier buchen. Ich buche gar nichts, denn ich brauche dringend einen Tag Ruhe vom Fahren. Auch wenn mich die Geysire, 70 km nördlich von hier, interessiert hätten. Aber da wollen die Tourorganisatoren schon beim Sonnenaufgang dort sein, bedeutet um 4 Uhr aufstehen – nicht für mich!
Stattdessen mache ich am Vormittag 1,5 Stunden Fitness im wohl einzigen Fitnesscenter hier. Für 3 Euro ist man dabei.
Die Atacama Wüste
Wikipedia: "Die Atacama-Wüste erstreckt sich über die nördlichen und tiefer gelegenen Naturregionen Chiles und umfasst die Gebiete Arica und Parinacota, Tarapacá, Antofagasta, Atacama und den nördlichen Teil von Coquimbo. Sie hat eine Fläche von etwa 105.000 km², eine Länge von fast 1.600 km und eine maximale Breite von 180 km. Im Westen grenzt sie an den Pazifik und im Osten an die Anden. Sie ist Teil der Ökoregion der Pazifischen Wüste und gilt als der trockenste nicht-polare Ort der Erde. In der Atacama-Wüste kann es alle 15 bis 40 Jahre zu messbaren Niederschlägen – also 1 mm oder mehr – kommen. Im zentralen Teil der Wüste wurden Perioden von bis zu 400 Jahren ohne Regen verzeichnet. Allerdings ist das Gebiet zwischen Januar und Februar vom sogenannten 'Altiplano-Winter' betroffen, der etwas Regen und zahlreiche Gewitter mit sich bringt."

 

   

Argentinien

   

Freitag, 12.12.2025 - anstrengende Andenüberquerung (km 46202)

Kälte, Höhe bis 4800 m, Grenze Chile-Argentinien, starker Wind, Sandsturm – das alles hatte ich heute über 411 km.
Der Reihe nach:
gestern konnte ich meinen Vermieter des Hotels in San Pedro de Atacama noch davon überzeugen, dass er mir das Frühstück schon um 7 Uhr serviert. Denn heute habe ich eine Mammutetappe mit der Andenüberquerung vor mir. Da brauche ich jede halbe Stunde.
Um halb acht stehe ich dann auch schon am Stadtausgang beim Abzweig zum Paso Jama. Noch schnell ein Foto geschossen und ab geht's. Immer Richtung Osten und immer stetig bergauf. Teilweise nur im 3. Gang schafft die Yamaha die schier endlose Steigung. Es ist wieder mal, wie so oft in den Anden, eine nicht enden wollende Rampe, die bezwungen werden muss. 30 km sind es bestimmt in diesem ersten Abschnitt.
Vor mir, immer fest im Blick, ragt mit 5913 Metern unübersehbar, der Volcán Licancabur majestätisch hervor. Der verfolgt mich die ersten 50 km.
Heute früh ist es mit höchstens 10 Grad noch bitterkalt. Ich habe so ziemlich alles angezogen, was unter die Motorradjacke geht. Und trotzdem fröstelt es mich. Die Finger besonders.
Den ganzen Tag hoffe ich inständig, dass die Yamaha nicht schlapp macht, eine Panne oder Unfall passiert. Es fahren schon einige PKW, Lieferwagen und Busse die Strecke, aber helfen kann dir im Ernstfall niemand wirklich. Hilft nur gutes Gottvertrauen in die Konstrukteure von Yamaha.
Nach ca. 100 km kommt man an die Passhöhe des Jama. Mit 4800 Metern ist es wohl der höchste asphaltierte Pass der Anden. Und auf chilenischer Seite in Topzustand – wenigstens etwas.
160 km nach San Pedro gelangt man dann an die Grenze zu Argentinien. Natürlich habe ich auch an diesem Grenzeingang wieder versäumt, mir den Laufzettel abzuholen. Der Beamte schickt mich die 100 m zurück. Bis ich dann mit meinem Zettel wieder bei der Immigration bin, ist schon ein Bus mit 30 Personen vor mir. Also erst mal hinten anstellen an der "cola" (Schlange).
Im Vergleich zur Grenze von Peru nach Chile sind die hier wesentlich besser organisiert. Man muss nur einen nummerierten Schalter nach dem anderen durchlaufen und schon ist man in Argentinien. Und hier reicht denen auch mein paraguayischer Personalausweis, die Cédula. D. h. ich bekomme keinen Stempel in den Pass und muss auch kein Dokument über das Fahrzeug ausfüllen – wie praktisch!
Gleich nach der Grenze haben die eine Tankstelle platziert. Da kann ich nochmals nachtanken und muss nicht die Ersatzkanister bemühen. An der Tankstelle treffe ich einen brasilianischen Biker. Wir schießen Fotos und verabschieden uns wieder.
Der 2. Teil des heutigen Tages soll mich in die Kleinstadt Susques bringen. Dort will ich nächtigen. Die 120 km werden jedoch etwas ungemütlich: ständig wechselnde, starke Windböen blasen mich fast von der Straße und sorgen unnötigerweise auch für den ein oder anderen Sandsturm. Einer davon hat mich auch erwischt. Da hilft es nur, sich hinter dem Windschild zu verstecken, damit das Visier des neuen Nolan-Helmes nicht zerkratzt wird.
Gegen 13:30 Uhr erreiche ich dann auch schon Susques, mein eigentliches Tagesziel. Ich schaue mir die Karte an und sehe, dass es bis Purmamarca, der nächsten Stadt, nur 134 km sind. Das sollte doch noch machbar sein heute. Denn auf 4000 Metern Höhe will ich nicht übernachten. Also weiter, immer geradeaus in der Einöde der Wüste und vorbei an einigen Salzseen, wo gerade Salz abgebaut wird.
Etwa 50 km vor Purmamarca tauchen urplötzlich Wolken am sonst so sonnigen Himmel auf. Der Grund dafür ist, dass hier die Atacama-Wüste endet. Denn ab hier führt die Straße dann in vielen Kurven bergab bis auf eine Höhe von 2200 Metern. Um 16:30 Uhr komme ich dann auch in Purmamarca an und finde recht schnell eine Unterkunft. Denn Purmamarca ist ein sehr touristischer Ort.
Jedenfalls bin ich heilfroh, die Anden endlich hinter mich gebracht zu haben. Denn eine Panne, Unfall oder Ähnliches möchte ich auf über 4000 Metern Höhe nicht erleben.
"Purmamarca ist ein malerisches Dorf im Norden Argentiniens, eingebettet in die Quebrada de Humahuaca, ein UNESCO-Weltkulturerbe. Sein Name, was auf Aymara 'Stadt des jungfräulichen Landes' bedeutet, spiegelt die tiefe indigene Herkunft und die unberührte Naturlandschaft wider. Das Dorf ist bekannt für seine koloniale Architektur aus Lehmhäusern und Kopfsteinpflasterstraßen, die sich um eine Kirche aus dem 17. Jahrhundert, gewidmet der Heiligen Rosa von Lima, gruppiert – ein Nationaldenkmal. Umgeben von farbenfrohen Bergen, besonders dem ikonischen Cerro de los Siete Colores, bietet Purmamarca eine tiefe Verbindung zur andinen Kultur durch lebendige Traditionen, Kunsthandwerksmärkte und spirituelle Feste wie die Fiesta de la Pachamama."
(KI-generiert).

 

Samstag, 13.12.2025 - durch den Dschungel nach Salta (km 46378)

Und weil ich gestern schon anderthalb Etappen von dem abgefahren bin, was ich mir eigentlich vorgenommen hatte, ist die Strecke heute mit etwa 180 km umso kürzer. Das Ziel ist die Hauptstadt des Nordens Argentiniens, Salta. Die kenne ich zwar schon gut aus zwei bisherigen Aufenthalten, aber die Stadt ist so toll, dass man auch öfters dort verweilen kann.
Vor der eigentlichen Abfahrt mache ich noch einen Abstecher zu einem Aussichtspunkt am Ortsrand von Purmamarca. Denn dort kann man Felsformationen in sieben verschiedenen Farben sehen, so sagt man. Ist schön anzusehen, aber nicht wirklich spektakulär.
Gut drei Kilometer hinter Purmamarca mündet die Straße dann in die Ruta 9. Und die führt die ersten 80 km in einem Hochtal immer schön bergab zur Provinzhauptstadt San Salvador de Jujuy. Auch die kenne ich schon, da hatte ich mal übernachtet. Hier erfolgt ein Tankstopp und ein Frühstück. Das musste ich nachholen, denn meine Hospedaje hatte das erst ab halb neun angeboten.
Von Jujuy nach Salta hat man 2 Fahrmöglichkeiten: entweder über die 66 und 34 (vierspurige Autobahn mit 30 km Umweg), oder aber weiter auf der 9er Richtung Süden. Das ist meine favorisierte Strecke hier. Die bin ich vor zwei Jahren schon mal in die entgegengesetzte Richtung gefahren. Denn die Strecke führt alsbald in dschungelbewachsene Berge. In hunderten von meist sehr engen Kurven und Kehren durchfährt man ein grünes Dickicht. Die Straße ist eng, aber meist in gutem Zustand. Was man nicht haben sollte hier, ist viel Verkehr, so wie beim letzten Mal. Denn selbst für Motorräder ist ein Überholen hier schwierig, weil die Kurven unübersichtlich, sehr eng sind und es Geraden kaum gibt. Heute habe ich mehr Glück als vor zwei Jahren, denn es sind kaum Autos unterwegs und an den Radfahrern ist gut vorbeizukommen. Die Ruta 9 nördlich von Salta hat sich tatsächlich zu einer meiner Lieblingsstrecken Argentiniens herausgestellt.
Um die Mittagszeit komme ich dann auch schon in Salta an. Der Stadtverkehr hält sich in Grenzen. Untergekommen bin ich wie beim vorigen Mal im Hotel Alto Colonial. Mit 23 Euro inkl. Frühstück UND Parkplatz für das Moped recht erschwinglich.
Da bleibt am Nachmittag noch Zeit für einen längeren Stadtbummel in der Innenstadt. Zumal die Temperaturen hier sich tagsüber so um die 30 Grad bewegen – endlich wieder Wärme!!!

 

Sonntag, 14.12.2025 - Salta la Linda (Salta die Schöne)

Unter der Bevölkerung hier wird die Stadt auch "Salta, la linda", Salta die Schöne, genannt. Und dieses Prädikat hat sie mehr als verdient. Vielleicht auch nur deshalb, weil ich hier noch nie schlechtes Wetter hatte.
"Salta, ursprünglich San Felipe de Lerma im Salta-Tal genannt, ist eine Stadt im Norden Argentiniens und die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Sie liegt im nördlichen Teil des Lerma-Tals und hat eine Fläche von etwa 120 km². Salta ist die bevölkerungsreichste Stadt der Provinz, die zweitbevölkerungsreichste in der Nordwestregion Argentiniens und die siebtbevölkerungsreichste des Landes. Sie liegt östlich der Anden im Lerma-Tal auf einer Höhe von 1.187 Metern über dem Meeresspiegel, ganz in der Nähe der Quelle des Río Mojotoro und wird vom Río Arenales durchflossen. Der spanische Entdecker Hernando de Lerma gründete am 16. April 1582 die Stadt San Felipe y Santiago de Lerma im Salta-Tal." (Wikipedia)
Salta hat 640.000 Einwohner und liegt direkt am Fuße der Anden. Die kann man auch von fast überall in der Stadt gut sehen. Den besten Überblick über Salta und die dahinter liegenden hohen Berge der Anden hat man vom Gipfel des Cerro San Bernardo, der gleich östlich der Stadt um 350 Meter höher liegt. Eine Seilbahn führt hinauf auf den Aussichtspunkt des Gipfels. Man kann auch auf einer Straße hinauffahren, oder wie ich, zu Fuß über hunderte von Natursteinstufen hinaufwandern.
Die Aussicht von hier oben ist (zumindest bei schönem Wetter wie heute) grandios und entschädigt für die Mühe des Aufstiegs. Zwei Stunden lang halte ich mich hier oben auf und genieße die Aussicht. Denn schon allein wegen ihrer lohnt es sich, Salta zu besuchen.
Der Spitzname der Stadt: „La Linda“ (Die Schöne) geht auf die Bewahrung des einheitlichen Erscheinungsbildes mit kolonialem Architekturstil zurück. Das macht die Stadt unverwechselbar und schöner als andere Städte Argentiniens.
Das Zentrum bildet der "Plaza 9 de Julio". Denn der 9. Juli erinnert in Argentinien an die Unabhängigkeitserklärung von 1816. Angrenzend an diesen findet man die sehr schöne, rosafarbene Kathedrale von Salta. Und nur zwei Straßenblöcke weiter die Basílica Menor y Convento de San Francisco en Salta.
Salta hat eine sehr schöne Fußgängerzone und das Stadtbild wird geprägt von vielen Hotels, Restaurants und Weinläden.

 

Montag, 15.12.2025 - rainy days (km 46929)

Als ich heute früh auf das Regenradar schaue, traue ich meinen Augen nicht: eine riesige, hunderte Kilometer große Gewitterwolke steht mir mitten im Weg auf der Fahrt Richtung Paraguay. Die Rückfahrt bis dahin erstreckt sich über 1200 km. Und die will ich in 3 Tagen bewältigen.
In Salta ist es nur leicht bedeckt, aber merklich kühler als gestern. Das ist nicht weiter schlimm, denn bei 35 Grad in der prallen Sonne zu fahren macht auch nicht wirklich Spaß.
Um 8 Uhr verlasse ich die (Schöne) Stadt. Die ersten 50 km geht es Richtung Osten auf die Ruta Nacional 34 und dann 70 km nach Süden. Dort beginnt die RN16. Und die führt fast immer schnurgeradeaus südostwärts. Schon vor dem Abzweig muss ich die Regenklamotten anziehen, um nicht nass zu werden. Ich sollte sie den ganzen Tag nicht mehr abnehmen. Denn den ganzen Vormittag regnet es mal mehr, mal weniger, aber halt ständig. Da macht das Fahren nicht wirklich Spaß. Die Regenjacke ist dicht, aber die Hose ist schon leicht zerrissen und lässt das Wasser allmählich durch. Außerdem kommt mir der Wind gefühlt immer entgegen, egal in welche Richtung ich fahre.
Aufwärmen geht nur an den YPF-Tankstellen durch heißen Kaffee.
Mein Ziel für heute ist die Kleinstadt Monte Quemado. Dort komme ich schon um 13:45 Uhr an. Also noch genügend Zeit heute, um noch ein paar Kilometer dranzuhängen. Zumal es aufgehört hat zu regnen und meine Hose durch den Fahrtwind schneller trocknet.
183 Kilometer weiter liegt die Stadt Pampa del Infierno. Einen Tankstopp und 2,5 Stunden später komme ich dort fast trocken an. Den Ort kenne ich schon von vor 2 Jahren. Hier habe ich schon mal genächtigt im Biooceanico Hotel. Und auch heute haben die wieder ein Zimmer für mich frei für 12 Euro.
Das einzig gute Restaurant hier hat heute leider zu. Und so bleibt, wie so oft, wieder mal nur der Gang zum Tankstellenimbiss.
569 Kilometer waren es dann am Ende – die bislang längste Tagesetappe der diesjährigen Tour.

 

Dienstag, 16.12.2025 - am Río Paraná (km 47245)

Bis nach Encarnación in Paraguay, der Grenzstadt zum argentinischen Posadas, sind es über 600 km. Das kann und will ich nicht an einem Tag abfahren. Also muss noch ein Zwischenstopp her. Die Großstadt Resistencia liegt so ziemlich dazwischen. Die will ich mir aber nicht geben. Aber 30 km danach befindet sich ein kleines Touristen-Nest namens "Paso de la Patria". Zu deutsch "Schritt des Vaterlandes". Und das liegt am großen Fluss Río Paraná. Der bildet hier die Grenze zwischen Argentinien und Paraguay.
Kurz nach Mittag bin ich auch schon dort. Bis ich allerdings eine Bleibe gefunden habe, dauert es eine Weile. Am Ende wird es die Hosteria Niemanu für ca. 25 Euro, ganz in der Nähe des Flusses.
Die haben hier tatsächlich einen schönen Sandstrand, mehrere hundert Meter lang und 50 Meter breit. Das Wasser ist erstaunlich klar und lädt zum Schwimmen ein. Die Strandanlage ist schön hergerichtet, aber Touristen sehe ich keine. Nur ein paar Einheimische sitzen vereinzelt am Strand herum – schon komisch, denn aktuell sind Sommerferien.
Die ganzen Kioske und Fritzenbuden sind auch alle verschlossen und zugenagelt. Ausgenommen eine. Und die verkauft mir ein Bier der Marke Quilmes.
Dasselbe Spiel am Abend. Fast alle Restaurants sind "cerrado" (geschlossen). Eine passable habe ich dann doch gefunden. Hamburguesa mit "papas" (Pommes) ist besser als nichts.

 

Mittwoch, 17.12.2025 - weiter nach Encarnación (km 47555)

Die letzte Fahrt vor der Wiederankunft in Paraguay erfolgt heute Vormittag. Ziel ist die Stadt Posadas in Argentinien, von wo aus ich die Grenze nach Paraguay überschreiten will. Die 300 Kilometer führen mich ausschließlich auf der Ruta 12 immer Richtung Osten und immer unterhalb des Río Paraná entlang. Ohne dass man ihn von der Straße aus sehen könnte (leider). Vorbei geht es an riesigen, saftig grünen Weiden, auf denen mal größere, mal kleinere Rinderherden oder Pferde grasen. Die reichen schon mal bis zum Horizont. Ich glaube, deshalb spricht man in Deutschland auch so gut von den Steaks vom argentinischen Weiderind. Daheim fristen die ja nur noch ein ödes Leben im Stall.
Vorbei führt die Fahrt auch am großen YACYRETÁ-Staudamm, nahe der Ortschaft Ituzaingó. Der ist für den riesigen Stausee (größer als der Bodensee, aber nicht so tief) verantwortlich. Der Staudamm dient dem gleichnamigen Wasserkraftwerk, das Argentinien zusammen mit Paraguay betreibt. Auch den kann man von der 12er aus nicht sehen. Die vielen Stromleitungen, die Richtung Süden nach Buenos Aires verlaufen, dagegen schon.
Gegen Mittag komme ich dann auch schon in Posadas an und halte erstmal an einer Tankstelle. Nicht um vollzutanken, sondern um die letzten argentinischen Pesos auszugeben für einen Mittagssnack.
Von der kilometerlangen Autoschlange an der Grenze zu Paraguay, am Río Paraná, lasse ich mich nicht aufhalten. Da fahre ich einfach dran vorbei bis nach vorn. Und ich komme auch sofort dran. Ich muss nur meine Cédula vorzeigen (paraguayischer Personalausweis) sowie die Papiere der Yamaha (Scheckkartenformat). Und schon bin ich raus aus Argentinien – das war ja einfach!
Dann ab auf die vierspurige Brücke über den Río Paraná. Die ist hier etwa 2 km lang. Auf der anderen Seite wollen die Paraguayer überhaupt nichts von mir sehen – noch einfacher. Und schon bin ich wieder "zu Hause".
Wie die letzten beiden Male auch, buche ich mich im Terwindt Hotel ein. 24,- Euro pro Nacht mit Frühstück und Pool. Der ist wichtig, denn hier hat es derzeit 35 Grad tagsüber.

 

   

Paraguay

   

Donnerstag, 18.12.2025 - Reparaturtag

Vor dem Frühstück ist mal wieder Joggen angesagt. Hier in Enca gibt's eine tolle Strecke am Ufer des Río Paraná. Immer Richtung der großen Brücke.
Nach dem Frühstück fahre ich die paar Blocks zum Busbahnhof. Denn dort hat "mein" Schuster seine kleine Werkstatt. Bei dem habe ich in der Vergangenheit schon einiges reparieren lassen. Er ist auch der einzige (vernünftige) Schuster, den ich in Paraguay kenne. Ich habe extra von Deutschland einen großen, stabilen Reißverschluss mitgebracht, um den ausgeleierten des Tankrucksacks zu ersetzen. Auch sollte der Tankrucksack generalüberholt werden, um noch eine Weile zu halten. 70.000 Guaraní wird es kosten (9 Euro), meint der Schuster. Und ich kann den heute Abend um 18 Uhr abholen – toll!
Fast 5000 Kilometer bin ich seit dem letzten Ölwechsel in Cusco in Peru gefahren. Also ist mal wieder einer fällig. Ich glaube, es ist schon der 8. bei der Yamaha. Und hier in Encarnación bei Chacomer, dem Vertragshändler von Yamaha, habe ich schon mal einen machen lassen. Die haben das Öl und den Filter auch da. Nur die Werkstatt ist heute überlastet. Ich soll morgen früh wieder kommen.
Als nächstes ist das Windschild dran. Denn das ist leicht eingerissen und hat schon zwei Sprünge. Die sollten dringend geklebt werden. Dazu kaufe ich in einer "Ferretería" (Baumarkt) einen Superkleber und ein Klebeband. Das Entfernen der 4 Schrauben und Abnehmen des Schildes geht schnell, das Kleben dauert seine Zeit.
Um 18 Uhr stehe ich wieder auf der Matte bei meinem Schuster. Der hat den Tankrucksack tatsächlich generalüberholt. Der sieht aus wie neu. Denn er hat nicht nur den Reißverschluss erneuert, sondern auch die ramponierten Stellen auf der Oberseite durch aufgenähtes Leder verschönert.
Abends sollte man sich hier in "Enca" an die Costanera begeben. So heißt der große Sandstrand hier am Río Paraná. Denn die Sonnenuntergänge hinter der argentinischen Stadt Posadas auf der anderen Flussseite sind der Hammer!

 

Freitag, 19.12.2025 - noch ein Servicetag für die Yamaha

Heute ist wieder nichts mit Ausschlafen. Denn schon um 7 Uhr stehe ich Gewehr bei Fuß an der Werkstatt von Chacomer. Keine 10 Minuten später ist auch schon der einzige Mechaniker hier. Den kenne ich schon. Und er macht sich auch gleich ans Werk, das Öl mitsamt dem Ölfilter zu wechseln. Ich glaube, es ist mittlerweile der 8. Ölwechsel. Er meint, man solle es alle 2000 km wechseln, wenn es Mineralöl ist. Synthetisches hält wohl 5000 Kilometer. Yamaha empfiehlt jedoch alle 3500 km. Und weil ich fast nur lange Strecken fahre, lasse ich den Ölwechsel nur alle 5000 km durchführen. Mein Bekannter hier, Johann, hat mal einige Jahre in der Formel-1-Konstruktion bei BMW gearbeitet. Der meint, dass Mineralöl besser wäre als synthetisches Öl. Denn der Motor wurde mit den Spaltmaßen dafür gebaut. Teilsynthetisch würde aushelfend auch funktionieren, aber heiße Temperaturen sind nicht gut mit synthetischem Öl.
War gestern Joggen angesagt, so ist es heute Fitness. Im "Cultura Fitness" Center kann man sich für 25.000 Guaraní (3 Euro) einen Tag einkaufen und "Pumpen" bis die Muskeln nachgeben.
Wirklich gutes Mittagessen bekommt man in Paraguay nur in den Churrascarias oder Buffets. Hier in Encarnación ist das Tío Miguel Buffet in der Ruta Constitución Nacional zu empfehlen oder das Buffet im Supermarkt Superseis.

 

Samstag, 20.12.2025 - weiter nach Hohenau (km 47582)

Die heutige Etappe ist nur knapp 50 km lang und führt nach Norden in die Stadt Hohenau. Dort werde ich nochmals 2 Tage im Hotel Palmas Park verbringen. Hier war ich schon öfters zu Gast. Denn der deutschstämmige Besitzer Andreas Kefer hat einen großen Pool.

 

Sonntag, 21.12.2025 - Regentag in Hohenau

Morgens um 6 Uhr schwinge ich mich aus dem Bett und gehe eine Runde joggen. Denn um diese Uhrzeit sind die Temperaturen hier noch erträglich.
Mit viel Baden und Schwimmen im großen Pool ist heute erstmal nichts. Denn den ganzen Vormittag regnet und gewittert es.

 

Montag, 22.12.2025 - letzter Reisetag mit Pannen (km 47892)

Am letzten Reisetag der diesjährigen Tour durch Südamerika stehen noch etwa 300 km aus. Und das ist die Strecke zurück nach Melgarejo, der Gemeindehauptstadt Independencias. Das Regenradar sagt für heute nichts Gutes voraus. Ein großes Gewitter- und Regengebiet ist von Osten im Anmarsch. Also verzichte ich auf das Frühstück und fahre schon um 7 Uhr los, um möglichst weit dem Regen auszuweichen.
Zunächst geht es auf der Ruta 6 Richtung Nordosten, Richtung Ciudad del Este. Nach etwa 110 km, vor dem Abzweig auf die 18er, mache ich dann doch eine Tank- und Frühstückspause. Denn das Wetter wird tatsächlich erstmal sonnig.
Die 18er verläuft fast ausschließlich geradeaus nach Westen Richtung Villarrica. Teilweise durch eine schöne, bergige, bewaldete Gegend. Ortschaften gibt es hier kaum. Alles ist sehr ländlich geprägt. An vielen Wiesen und Weiden führt die Strecke entlang. Die einzig größere Stadt ist San Juan Nepomuceno.
Etwa 50 km vor Villarrica plötzlich ein Leistungsverlust bei der Yamaha, das Display ist tot, das Motorrad geht aus und ich lasse sie auf dem Standstreifen ausrollen. Ein Einschalten geht nicht mehr, auch die Zündung nicht. So kurz vor dem Ziel doch noch eine Panne! Musste das sein???
Also alles Gepäck abladen, die Karre aufbocken und den Sattel abschrauben. Denn darunter sind die Sicherungen der Elektrik verbaut. Aber keine der drei Sicherungen ist kaputt. Ich verfolge die elektrische Hauptleitung von der Batterie weg. Und die führt zum Anlasserrelais. An diesem sind zwei weitere Sicherungen angebaut. Und eine der beiden 15A Schmelzsicherungen ist tatsächlich kaputt. Eine solche habe ich nicht dabei. Aber eine mit 25 Ampere. Also wird die eingesteckt. Und siehe da: das Moped läuft wieder. Dann den Sattel wieder draufschrauben, Werkzeug verstauen und Gepäck festzurren – weiter geht es.
Nach etwa 10 km dasselbe Spiel: wieder keine Elektrik und wieder hat es die jetzt stärkere Sicherung rausgehauen. Eine mit 30A habe ich noch: wieder Gepäck abladen, Sattel abschrauben und Seitenverkleidung ebenfalls. Nur lasse ich diesmal den Deckel der Seitenverkleidung offen, damit, falls es nochmals vorkommt, man gleich an die Stelle rankommt, ohne das Gepäck abladen zu müssen. Mit Elektrik, auch Fahrzeugelektrik, kenne ich mich schon etwas aus, aber ohne Schaltplan und Messgerät ist da wenig zu machen.
Die 30A Sicherung hat diesmal nur 3 km gehalten!! Was tun?? Eine weitere Sicherung habe ich nicht und alle 3 km die zu tauschen bringt nichts. Letzte Möglichkeit: die Sicherung wird jetzt überbrückt, erstmal temporär. Und tatsächlich geht das erstmal gut. Denn keine Leitung fängt an zu schmoren. Also fahre ich weiter. In Villarrica angekommen verlässt der gute Geist das Motorrad wieder. Leider hat ein Massekabel begonnen zu schmoren. Das Kabel ist noch da, aber die Isolierung ist weg. Also wird das notgedrungen mit Isolierband umwickelt und weiter geht es die letzten 25 Kilometer nach Independencia.
Tatsächlich schaffe ich es bis dorthin, aber das Ergebnis ist eher ernüchternd. Denn das eine Massekabel hat sich durch den ganzen Kabelbaum hindurchgeschmort. Der funktioniert zwar, sollte aber wahrscheinlich getauscht werden. Das bestätigt auch mein späteres Freilegen des Kabelbaums und die Überprüfung der geschmorten Leitungen.

 

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